22.09.2008 · Im Jahr 1968 stiftete der Unternehmer Friedrich Flick seiner Heimatstadt Kreuztal drei Millionen Mark für den Bau eines Gymnasiums. So entstand das Friedrich-Flick-Gymnasium. Jetzt ist abermals eine Debatte darüber entstanden, ob Flick der geeignete Namenspatron sei.
Von Thomas JansenIm Jahr 1968 stiftete der Unternehmer Friedrich Flick seiner Heimatstadt Kreuztal drei Millionen Mark für den Bau eines Gymnasiums. So entstand das Friedrich-Flick-Gymnasium. Bis heute wird es von der gleichnamigen Stiftung gefördert. Die Grünen stellten im Jahr 1988 den Antrag, das Gymnasium umzubenennen. Ein verurteilter Kriegsverbrecher eigne sich nicht als Namensgeber für eine städtische Schule.
Als einer der maßgeblichen Industriellen im „Dritten Reich“ war Flick wegen Unterstützung des Nationalsozialismus von einem amerikanischen Militärgericht zu sieben Jahren Haft verurteilt worden. Eine deutliche Mehrheit von CDU, FDP und Teilen der SPD lehnte den Antrag der Grünen im Rat der Stadt ab. Die Verdienste des Ehrenbürgers Flick für die Stadt und die möglichen negativen Folgen einer Umbenennung sprachen aus ihrer Sicht dagegen.
Anfang des Jahres richteten nun die Grünen eine neue Anfrage an die Stadt, welche Folgen eine Umbenennung der Schule denn haben würde. Zudem gründeten zwei frühere Schüler die Initiative „Flick ist kein Vorbild“.
Seither erreichten Bürgermeister Rudolf Biermann (CDU) mehrere tausend E-Mails. Ein Gutachten der Stadt ergab, dass eine Forderung nach Rückzahlung der Stiftungssumme im Fall einer Umbenennung nicht auszuschließen und der Name Friedrich-Flick-Gymnasium vertraglich festgelegt sei.
Unterdessen sprach sich auch die FDP für eine Umbenennung aus. Der Vorsitzende der CDU-Ratsfraktion, Werner Müller, sieht hingegen eine „Kampagne“ im Gange. Über eine Umbenennung möchte er nur reden, wenn das Gymnasium selbst diesen Wunsch äußert. Dessen Schulkonferenz hatte den Bürgermeister aufgefordert, „geeignete Maßnahmen“ zu treffen, um die Rückkehr zu einem ungestörten Schulbetrieb zu ermöglichen, und den Namen Flick als „Bürde“ bezeichnet.
Biermann sah dies als Empfehlung für eine Umbenennung. Schulpflegschaft und Schulleiter widersprachen. Um endgültige Gewissheit über die Folgen einer Umbenennung zu schaffen, hat sich Biermann nun an die Erben Flicks gewandt. Sobald deren Stellungnahme vorliegt, wird der Rat abermals über den Namen des Gymnasiums entscheiden.
ganz einfach
Irene Henning (Ganzweitvorn)
- 23.09.2008, 12:55 Uhr