08.06.2009 · Seitdem der Grenzzaun am Strand auf der Insel Usedom zwischen Swinoujscie und dem Ostseebad Ahlbeck verschwand, sorgte die Freikörperkultur der Deutschen bei einigen Polen für Erstaunen. Hinweisschilder vor den FKK-Stränden sollen nackte Tatsachen befrieden.
Von Frank PergandeSeit Dezember 2007 gehört Polen zum Raum, in dem das Schengener Abkommen gilt. Seitdem ist auch der Grenzzaun am Strand auf der Insel Usedom zwischen Swinoujscie, dem früheren Swinemünde, und dem Ostseebad Ahlbeck fortgeräumt. Seit kurzem fährt auch die Usedomer Bäderbahn über die Grenze hinweg bis Swinoujscie. Die Freude über so viel Offenheit wurde im vergangenen Sommer allerdings etwas getrübt, weil sich einige Polen über den FKK-Strand - nun, sagen wir, erstaunt zeigten.
Das Thema Freikörperkultur ist ohnehin ein sensibles. In der DDR-Zeit war es mit FKK und Textil nicht so streng getrennt, was unter den ersten westdeutschen Gästen Verwirrung auslöste. Es war sozusagen einer der ersten deutsch-deutschen Konflikte, die nach der Wiedervereinigung ausbrachen. Ahlbeck wies daraufhin offiziell einen FKK-Strand aus. Er ist 500 Meter lang. Und da er sich nicht direkt an der Seebrücke erstrecken sollte, rückte er in östliche Richtung, in Richtung Grenzzaun also. So kam es, dass die polnischen Strandwanderer zuerst gleichsam über die nackten Deutschen stolperten und das wenig schicklich fanden. Zwar heißt es auf Usedom, das Problem sei in den Medien übertrieben worden. Es habe keineswegs Beschwerden, bestenfalls Hinweise von polnischer Seite gegeben. Dennoch entstand die Idee, Schilder auch in polnischer Sprache aufzustellen.
Nun sind sie endlich da, rechtzeitig vor Beginn der Badesaison. Sie weisen als „Willkommensschild“ in deutscher, polnischer und englischer Sprache auf den bald beginnenden FKK-Strandabschnitt in Grenznähe hin. Außerdem wird der FKK-Strand mit zwei weiteren Schildern - „Beginn FKK Strand“ und „Ende FKK Strand“ - gekennzeichnet. „Die dreisprachigen Hinweisschilder sollen das friedliche Nebeneinander von Deutschen und Polen fördern“, heißt es bei der Usedom Tourismus GmbH. In Deutschland wolle man die Ansichten der polnischen Nachbarn respektieren, welche die Freikörperkultur der Deutschen nicht vorbehaltlos annehmen. Insgesamt gibt es auf Usedom elf ausgewiesene FKK-Strände mit einer Gesamtlänge von neun Kilometern.
Frank Pergande Jahrgang 1958, politischer Korrespondent für Schleswig-Holstein, Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern mit Sitz in Schwerin.
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