Home
http://www.faz.net/-gbg-12vgz
Mehr Angebote
| Abo|Hilfe
Dienstag, 14. Februar 2012
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER
Aktuelle Nachrichten online - FAZ.NET

Hamburg Aus der Sicht, aus dem Sinn?

01.06.2009 ·  Seit einigen Jahren verhindert ein Gebäude den Blick auf den Michel. Nun droht der Katharinenkirche ein ähnliches Schicksal. Ein Haus soll gebaut werden, das die Sicht von der Innnenstadt aus auf den Kirchenturm nehmen würde.

Von Frank Pergande
Artikel Bilder (1) Lesermeinungen (0)

Fünf Hauptkirchen gibt es in Hamburg. Die bekannteste ist St. Michaelis, kurz Michel genannt, das Wahrzeichen der Stadt. Schon lange sind die Kirchen nicht mehr die höchsten Gebäude der Stadt. Vor einigen Jahren gab es eine heftige Diskussion über den Michel, genauer gesagt: über die Bebauung in seiner Nachbarschaft. Da entstand ein neues Gebäude mit einem Eckturm, der die Sicht auf die Kirche komplett verdeckt, jedenfalls wenn man von St. Pauli kommt. 2001 zogen dann die ersten Mieter ein. Zuvor hatte die Gemeinde heftige Kritik an dem Neubau geübt. Dieser sei städtebaulich nicht gelungen. Einer guten Nachbarschaft wollte man aber nicht im Wege stehen.

Ausgerechnet von der Bayerischen Landeszahnärztekammer, die in das Hochhaus einzog, war damals jedoch zu hören: „Zum Schicksal einer Stadtkirche gehört es, dass die Stadt auf sie zuwächst. Damit rückt zusammen, was zusammengehört: Kirche und Menschen.“

Wenigstens die Kirchturmuhr sichtbar lassen

Die Katharinenkirche, etwas weiter östlich gelegen, ist älter als der Michel. Auch dort soll nun ein sieben- oder achtgeschossiges Gebäude entstehen - und würde die Sicht von der Innenstadt aus auf den 116 Meter hohen Turm der Katharinenkirche nehmen. Nach den ersten, im vergangenen Jahr vorgestellten Plänen, die eine Umgestaltung des gesamten Katharinenviertels vorsehen, sah es noch so aus, als würde das neue Haus nur so hoch sein, dass zumindest der Blick auf die Kirchturmuhr frei bleiben würde. Dann aber stellte die Gemeinde entsetzt fest, dass das neue Haus doch noch höher werden soll.

Die Kirchgemeinde hat zusammen mit Nachbarn aus dem Viertel inzwischen einen Arbeitskreis gegründet, der das Schlimmste verhindern soll. Vor ein paar Tagen wurden bei einer Protestaktion Luftballons genau auf die Höhe des geplanten Gebäudes gebracht. Ähnliche Aktionen sollen folgen. Hamburgs Stadtbaudirektor Walter hat Verständnis für den Protest. Allerdings sieht er auch das übergeordnete Interesse: Der Büroriegel entlang der Willy-Brandt-Straße soll als Lärmschutz für das neue Quartier dahinter fungieren. Bezirksamtsleiter Schreiber (SPD) tritt dafür ein, wenigstens die Kirchturmuhr sichtbar zu lassen.

Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen