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Fürth Streit um die "Neue Mitte"

05.12.2008 ·  Fürth will es mit Nürnberg aufnehmen: in Sachen Konsum. Dazu bedarf es eines großen Einkaufszentrums, das im Herzen der Stadt entstehen soll. Obwohl dafür denkmalgeschützte Häuser weichen müssten, ist die Zustimmung groß.

Von Michael Dick
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Fürth will es mit Nürnberg aufnehmen: in Sachen Konsum. Dazu bedarf es eines großen Einkaufszentrums, das im Herzen der Stadt entstehen soll. Ein portugiesischer Investor will einen Riesenkomplex mit 25.000 Quadratmetern Verkaufsfläche, Restaurants und Kino bauen. Dafür soll nach ersten Plänen fast ein komplettes Viertel samt denkmalgeschützter Häuser dem Erdboden gleichgemacht werden.

Trotzdem sind Wirtschaft und Politik von dem Projekt hellauf begeistert. Das sei „wie ein Sechser im Lotto“, sagt Christian Nowak von der lokalen Industrie- und Handelskammer - gerade, weil die Investoren in Fürth nicht Schlange stünden. Nowak glaubt, die sogenannte Neue Mitte könne wie „ein Magnet wirken“, der Kunden anlocke und von dem auch der Einzelhandel profitiere.

Selbst der nach eigenen Angaben anfangs skeptische Oberbürgermeister Thomas Jung (SPD) begeistert sich mittlerweile für den Investor, umso mehr, als die wohlhabenden Fürther ihr Geld gegenwärtig lieber in Nürnberg ausgeben - etwa 100 Millionen Euro im Jahr. „Alle Menschen in Fürth leiden unter der Kaufsituation“, sagt Jung. Zukünftig sollen sie in seiner Stadt konsumieren. Im Stadtrat brachte dieses Argument eine ungewöhnliche Mehrheit zustande: CSU, SPD und Grüne stimmten grundsätzlich für das Vorhaben.

Nach Angaben des Investors sollen 2010 die Bagger anrollen. Doch vorher müssen noch Bedenken aus dem Weg geräumt werden. Die ersten Entwürfe lehnte das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege nach Gesprächen mit dem Investor prompt ab, da sie „einem Kahlschlag gleichkommen“. Stadtheimatpfleger Alexander Mayer glaubt, dass Fürth den gleichen Fehler mache wie mit einem vor Jahren gebauten Einkaufszentrum, das heute größtenteils leersteht. In der „Denkmalstadt Fürth“ sei es, als ob „man von einem Ort zum anderen zieht und dabei verbrannte Erde hinterlässt“.

Ein Architektenwettbewerb soll der Kritik entgegenwirken; die Ziele inklusive Denkmalschutz formuliert die Stadt. Der Investor führt die Ausschreibung durch. Am Ende soll eine Lösung stehen, die zu Fürth passt. Das wollen auch die Kritiker. Nur eine neu gegründete Initiative von Globalisierungsgegnern und Linksradikalen lehnt die „Neue Mitte“ strikt ab. Und dass, obwohl die endgültige Form des Projekts noch gar nicht bekannt ist.

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