18.03.2008 · Viele bringen ihr Geld mit dem Koffer illegal über die Grenze, um das Finanzamt zu hintergehen. Andere wählen die ganz legale Methode: Sie wandern aus. Der Kanton Thurgau sanierte so seinen Haushalt.
Von Jasper von AltenbockumDer Kanton Thurgau hat Grund zur Freude: Die Staatsrechnung 2007, so nennt sich der Haushalt in der Schweiz, schließt mit einem Überschuss von knapp 39,1 Millionen Franken ab (umgerechnet 24,6 Millionen Euro). Geplant hatte der Kanton mit einem Defizit von 9,8 Millionen. Bernhard Koch, Finanzdirektor in Thurgau, hatte dafür eine Erklärung bereit, die in Liechtenstein für ein wenig Spott sorgen könnte, in Berlin hingegen Nachdenklichkeit hinterlassen sollte.
Koch sagte in Frauenfeld, der Hauptstadt des Kantons, der Haushaltsüberschuss sei 3000 neuen Steuerzahlern zu verdanken. Die kämen vor allem aus Süddeutschland. Die Neuzugänge machten zwar nur rund 3 Prozent der Steuerpflichtigen aus, doch sie sanierten offenbar binnen eines Jahres Thurgauer Engpässe.
Der Finanzdirektor konnte deshalb auch verkünden, dass der Haushaltsabschluss der zweitbeste in der Geschichte des Kantons sei. Koch sagte, er sehe „keine Wolke am Himmel, nur Sonnenschein“.
Deutschland ist der wichtigste Handelspartner Thurgaus, mehr als 60 Prozent der ausländischen Touristen kommen aus Deutschland.
Bis zum Jahr 2030 erwartet die Regierung in Frauenfeld eine Zunahme der Thurgauer Bevölkerung um rund 30.000 Personen oder knapp 13 Prozent. Getragen wird das Wachstum fast ausschließlich durch die Zuwanderung. Am liebsten wäre es dem Finanzdirektor: aus Süddeutschland.