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Mittwoch, 19. Juni 2013
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Fellbach Flatrate im Bordell

 ·  Das Schwabenland ist in Aufruhr: Nach Berlin, Wuppertal und Heidelberg besitzt nun auch der Stuttgarter Vorort Fellbach ein Bordell mit Flatrate. Sogar der Kanzlerin ist das schon zu Ohren gekommen.

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Am Bahnhof der nordöstlich von Stuttgart gelegenen Stadt Fellbach ist seit vielen Jahren ein großes Bordell ansässig. Bis Anfang Juni hieß es „FKK-Club“. Dann benannten die Betreiber es in „Pussy-Club“ um und warben im Internet mit einem neuen Konzept: Männer zahlen beim Betreten des hässlichen Gewerbebaus einen sogenannten Flatrate-Tarif in Höhe von 70 oder 100 Euro. Sie können dann so lange die sexuellen Dienstleistungen in Anspruch nehmen, wie sie wollen. Am Mittwoch demonstrierte ein Aktionsbündnis gegen dieses Angebot des Bordellbetreibers.

Die Bürgerinnen der Stadt Fellbach haben an Bundeskanzlerin Angela Merkel und Ministerpräsident Oettinger (beide CDU) einen Brief geschrieben, in dem sie verlangen, das Prostitutionsgesetz zu novellieren und die Frauen gegen solche Tarife zu schützen. Von der Politik bekommen sie über die Parteigrenzen hinweg Unterstützung: Der Fellbacher Oberbürgermeister und Landtagsabgeordnete Christoph Palm (CDU) sieht in dem Tarif einen „eklatanten Verstoß gegen die Menschenwürde“; er setzt sich schon seit einiger Zeit für eine Bundesratsinitiative ein.

Mit Gesetzen ist der Flatrate nicht beizukommen

Dabei wird er von Innenminister Rech (CDU) unterstützt, der den „unmenschlichen und ausbeuterischen“ Flatrate-Tarif auch verbieten möchte. In Berlin, Wuppertal sowie Heidelberg soll es Clubs mit einem ähnlichen Angebot geben. Die Fellbacher Stadtverwaltung bekam vor einigen Wochen Hinweise von empörten Bürgern. Das Gewerbe-, Bau- und Gaststättenrecht oder das Prostituiertengesetz, so die Erkenntnis der Juristen im Fellbacher Rathaus, erlaubt es aber nicht, den Tarif zu verbieten. „Wir versuchen natürlich, das geltende Recht anzuwenden, gegen den Flatrate-Tarif an sich haben wir aber keine Handhabe“, sagt der Sprecher der Stadt. Ein Gespräch mit den Zuhältern blieb ergebnislos, was nicht verwunderlich ist, weil diese mit ihrem neuen Konzept hochzufrieden sind.

Der Sex-Club lockt mittlerweile Freier aus der ganzen Republik ins Remstal. Etwa hundert, zumeist aus Rumänien stammende Prostituierte sind in Fellbach beschäftigt. Rech sieht auch deshalb einen dringenden Handlungsbedarf und lässt mit der Sozialministerin prüfen, ob dem Geschäftsmodell besser mit einer Ergänzung des Prostitutions- oder des Strafgesetzbuches beizukommen ist.

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Jahrgang 1966, politischer Korrespondent in Baden-Württemberg.

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