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Erfurt Nicht unter dieser Anschrift

09.12.2008 ·  „Jürgen-Fuchs-Straße 1“ lautet die Anschrift des Landtags in Erfurt. Nur die Linkspartei ignoriert das. Anscheinend weil die Straße benannt wurde nach dem Bürgerrechtler und Schriftsteller Jürgen Fuchs, der 1976 nach Protesten gegen die Ausbürgerung Wolf Biermanns in der DDR verhaftet, verurteilt und in den Westen abgeschoben worden war.

Von Claus-Peter Müller
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Mit dem Neubau des Thüringer Landtags und der Verlegung der Hauptpforte von der Arnstädter Straße an den Beethovenplatz entschieden sich die Fraktionen von CDU und SPD dafür, die Straße, die zum neuen Haupteingang führt, nach dem Bürgerrechtler und Schriftsteller Jürgen Fuchs zu benennen.

„Jürgen-Fuchs-Straße 1“ lautet seither die Anschrift des Landtags. Fuchs, der 1955 geboren wurde, geriet als Schüler und Student wiederholt in Konflikt mit dem SED-Staat. Nach Protesten gegen die Ausbürgerung des Liedermachers Wolf Biermann 1976 wurde Fuchs verhaftet, verurteilt und nach neun Monaten in den Westen abgeschoben. Auch dort reichte der Arm der SED hin. Das Ministerium für Staatssicherheit führte Zersetzungsmaßnahmen gegen Fuchs aus. 1999 starb Fuchs an einem Krebsleiden. Er selbst glaubte, im MfS-Gefängnis von der Stasi verstrahlt worden zu sein.

CDU und SPD waren sich wenige Jahre nach dem Tod des Bürgerrechtlers einig, dass man Fuchs eine besondere Ehre erweisen solle. Im Einvernehmen mit der Stadt Erfurt wurde die Straße am Landtag nach Fuchs benannt. Allein die PDS hatte Einwände: Fuchs hätte nicht gewollt, dass die Straße nach ihm benannt werde.

Heute haben die Fraktionen von CDU und SPD auf ihren Papieren längst die Anschrift gewechselt. Wieder ist es die frühere PDS, heute Linkspartei, die sich widerspenstig zeigt. Noch immer gibt sie die Arnstädter Straße 51 als ihre Adresse auf ihrem Briefkopf an.

Der Erfurter CDU-Abgeordnete Michael Panse folgerte, die Linkspartei habe noch kein positives Verhältnis zu den Gegnern des SED-Regimes gefunden. In einer großen Thüringer Zeitung wurde Panses Kritik als „irgendwie billig“ kommentiert, während die Linkspartei diese zurückwies. Fuchs werde von all ihren Fraktionsmitgliedern geachtet. Die alte Anschrift sei allein deshalb beibehalten worden, weil die Fraktion ihre Räume an der Arnstädter Straße habe. Diese Begründung weist wiederum Panse als zu billig zurück. Die Landtagsvizepräsidentin Klaubert (Linkspartei) zeige auf ihrer Internetseite ein Foto vom Hauptportal an der Jürgen-Fuchs-Straße und nenne darunter die Arnstädter Straße 51 als Adresse.

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