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Emsdetten Falscher Ort für einen Schießstand

18.05.2009 ·  In Emsdetten wollte eine Holding eine unterirdische Schießanlage einrichten - an dem Ort also, an dem es im Jahr 2006 zu einem Amoklauf gekommen war. Dagegen wurde so lange opponiert, bis die Pläne fallen gelassen wurden.

Von Talin Dilsizyan
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Eigentlich war in Emsdetten alles geklärt. Vier Millionen Euro hätte die L&O Holding investiert, um eine Gaststätte zu ihrem neuen Verwaltungssitz umzubauen. Mit einer Mehrheit von 14 zu drei Stimmen hatte der Ausschuss für Stadtentwicklung die entsprechende Beschlussvorlage angenommen. Doch der Plan der Holding - zu ihr gehören Textil- und Waffenunternehmen -, auf dem Gelände eine unterirdische Schießanlage zu errichten, um dort Kunden Waffen vorzuführen, führte zu so heftigen Reaktionen, dass die Holding die Pläne zurückzog. Die meisten Kritiker hatten argumentiert, dass Emsdetten wegen des Amoklaufs an der Geschwister-Scholl-Realschule im Jahr 2006 der denkbar schlechteste Ort für Waffenvorführungen sei.

„Der Umgang mit dem Thema ist höchst unsensibel gewesen“, sagt Thomas Kock, Fraktionsvorsitzender der SPD und Vorsitzender des Stadtentwicklungsausschusses. Er wirft Bürgermeister Georg Moenikes (CDU) vor, die Entscheidung „durch den Ausschuss gepeitscht“ zu haben - Kock selbst hatte dagegen gestimmt. Es sei etwa nicht geklärt gewesen, ob die Schießanlage überhaupt baurechtlich zulässig wäre. Zudem hätte er nach eigener Aussage gerne die Firma gefragt, an wen sie Waffen verkaufe.

Moenikes dagegen sagt, einen Tag vor der Abstimmung des Ausschusses hätten alle Fraktionen über die Vorlage beraten. „Wenn jemand gesagt hätte, dass die Zeit zu knapp ist, hätten wir die Verabschiedung ausgesetzt“. Es habe sich jedoch niemand beschwert. Die Tagesordnung für den Abstimmungstermin habe er gemeinsam mit Kock aufgestellt. Auch die Kritik, seine Stadt hätte aufgrund der tragischen Ereignisse vor zweieinhalb Jahren die Pläne der Holding ablehnen müssen, lässt Moenikes nicht gelten: „Ich will nicht sagen, dass die unmittelbar Betroffenen den Amoklauf bereits verarbeitet haben, aber ich lasse es uns als Stadt nicht einreden, dass er immer noch ein tagtägliches Problem ist.“ In einer Stellungnahme der beiden Geschäftsführer der Holding heißt es: „Der einzige Zusammenhang zum Amoklauf in Emsdetten ist, dass die Polizei mit den von uns gebauten Waffen das Schulgebäude gestürmt hat.“

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