Wenn Essen im kommenden Jahr stellvertretend für das ganze Ruhrgebiet europäische Kulturhauptstadt wird, will sich Duisburg als „Hafen der Kulturhauptstadt“ präsentieren. Die Duisburger wollen damit nicht nur darauf anspielen, dass auf ihrem Stadtgebiet der größte Binnenhafen Europas liegt, ihnen geht es auch um den Innenhafen. In der Hoch-Zeit der Industrialisierung wurde von hier aus das Holz für den Bergbau im ganzen Ruhrgebiet verschifft. Heute gilt das Areal als Musterbeispiel für den Strukturwandel.
Ein bekannter Reiseveranstalter hat seinen Hauptsitz ebenso dorthin verlegt wie ein großes Eisenbahnunternehmen. Touristisches Juwel ist der Innenhafen zudem: Man kann Rundfahrten buchen, sich an der Uferpromenade in einem der schicken Restaurants niederlassen oder im Museum Küppersmühle moderne Kunst betrachten.
„Symbol des nachhaltigen Wandels durch Kultur“
In den kommenden Monaten wird das Museum nun mit einem aufsehenerregenden Glaskubus bekrönt. Kulturstaatssekretär Hans-Heinrich Grosse-Brockhoff findet, der Duisburger Innenhafen werde mit dem Erweiterungsbau der Baseler Architekten Herzog & de Meuron zu einem „Symbol des nachhaltigen Wandels durch Kultur“. Die Strukturkrise habe Duisburg hart getroffen. „Aber mit Phantasie, Mut und Geschick hat sich die Stadt neue Chancen erarbeitet.“
Bemerkenswert ist auch die Finanzierung des Projekts. Geld gibt nicht nur das Land, es fließt auch vom Unternehmen Evonik, den Sammlern Sylvia und Ulrich Ströher und der Stiftung Kunst und Kultur.
Einzig am Entwurf der Schweizer Architekten scheiden sich noch die Geister. Landeskonservator Udo Mainzer sprach von einem „unmaßstäblich aufgesattelten Bau“, die Proportionen des Baudenkmals Küppersmühle würden zerstört. Ihm wäre ein Neubau auf der Brache zwischen der Mühle und der Autobahnbrücke lieber gewesen. Ein anderes architektonisches Ausrufezeichen ist nicht umstritten. Ebenfalls im Rahmen der „Kulturhauptstadt 2010“ soll das Landesarchiv Nordrhein-Westfalens von seinen bisherigen Standorten Düsseldorf und Brühl in einen umgebauten Speicher ziehen. Dann wird der Innenhafen auch das zentrale Gedächtnis des bevölkerungsreichsten Bundeslandes beherbergen.
