In der Reihenhaussiedlung „Beim Weißen Weg“ in Baden-Baden gibt es beim Nachbarschaftsgespräch über den Zaun derzeit nur noch ein Thema: die Einrichtung einer Geschäftsstelle des gemeinnützigen Vereins „Neustart“ in der Siedlungsspielstraße.
Im vergangenen Jahr hat die Landesregierung dem aus Österreich stammenden Verein „Neustart“ die Bewährungs- und Gerichtshilfe übertragen. Nun fürchten die Eltern, dass die etwa 40 Kinder in der Siedlung nicht mehr ungefährdet mit Kreide malen oder Fahrrad fahren können, ohne mit Klienten der Bewährungshilfe in Kontakt zu kommen. Vor ein paar Tagen blockierten einige Mütter sogar die Straße, um den Umzug der Geschäftsstelle in das Wohngebiet zu verhindern. „Straftäter gehören nicht in eine Spielstraße“, sagen die Eltern, die sich jetzt in einer Bürgerinitiative zusammengeschlossen haben.
Der Verein „Neustart“ betreut in Baden-Baden etwa 200 Klienten, darunter seien etwa fünf bis sechs „harte Fälle“. Der Geschäftsführer von „Neustart“, Georg Zwinger, hat Verständnis für die Sorgen der Eltern, das „gefährlichste Potential der Sexualstraftäter“ liege aber im Familien- und Bekanntenkreis. Die Privatisierung der Bewährungshilfe ist ein Vorzeigevorhaben des baden-württembergischen Justizministers Goll (FDP).
Das hindert den FDP-Bundestagsabgeordneten Patrick Meinhardt (Wahlkreis Karlsruhe-Land) nicht, die Sorgen der Eltern ernst zu nehmen und die Ansiedlung der Geschäftsstelle in dem Wohngebiet zu kritisieren: „Die zuständige Vermögensverwaltung in Pforzheim hat versäumt, vor der Auswahl der Geschäftsräume Kontakt zur Bevölkerung zu suchen, deshalb gibt es jetzt eine Bürgerinitiative. Das war ungeschickt.“ Für die Eltern in Baden-Baden gibt es aber Hoffnung: Das Finanzministerium will sich um einen anderen Standort bemühen.
Rebellen im Reihenhaus
Alexander Fahnemann (BIWeisserWeg)
- 10.06.2008, 20:04 Uhr
Nicht alle Baden-Badener sind so!!!
Alexander Zumkeller (azumkeller)
- 16.06.2008, 10:22 Uhr
