18.10.2009 · In Amerika betätigen sich die renommierten Universitäten wie Yale, Harvard und Princeton auch als Herausgeber. Die Universitätspresse druckt die Avantgarde. Doch lukrativ ist das nicht.
Von Roland LindnerNach den Terroranschlägen des 11. September 2001 hatten Sachbücher Hochkonjunktur. Und auf den amerikanischen Bestsellerlisten kam es zu einem ungewöhnlichen Ereignis: Die drei meistverkauften Bücher wurden von Verlagen herausgegeben, die zu Universitäten gehören. Ein Buch über die Taliban stammte vom Verlag der Elite-Uni Yale, eines über Terrorismus kam von der Northeastern University in Boston und ein Buch über das World Trade Center von der Rutgers University in New Jersey.
Eine solche Serie von Verkaufsschlagern hat Seltenheitswert, denn die Verlage amerikanischer Universitäten bewegen sich meist außerhalb der Bestsellerlisten. Und doch haben die "University Presses" in Amerika eine große Tradition. Universitäten verbreiten mit hauseigenen Verlagen ihr Fachwissen. Sie füllen eine Lücke, die von anderen Verlagen nicht besetzt wird, weil sie nicht sonderlich lukrativ ist.
Mehr als 10.000 Titel jährlich
Der erste amerikanische Universitätsverlag wurde schon im Jahr 1869 an der Cornell University im Bundesstaat New York gegründet. Heute sind in der "Association of American University Presses" (AAUP) gut 100 Universitätsverlage vertreten. Zwar hat bei weitem nicht jede Hochschule ihren eigenen Verlag, aber gerade die renommierten Forschungsuniversitäten von Harvard, Yale oder Princeton betätigen sich alle auch als Herausgeber von Büchern.
Amerikanische Universitätsverlage veröffentlichen jedes Jahr zwischen 10.000 und 12.000 Bücher. Eines von zehn neuen Büchern in Amerika stammt von ihnen. Wegen der oft sehr kleinen Auflagen entfallen aber nur 2 Prozent aller Buchumsätze auf University Presses. Peter Givler, Executive Director der AAUP, beziffert deren jährlichen Umsatz insgesamt auf 500 Millionen bis 550 Millionen Dollar. Die kleinsten Verlage nehmen weniger als 250 000 Dollar ein, bei den größten können es 30 Millionen Dollar werden. Neben den Büchern kommen auch rund 800 Zeitschriften von Universitätsverlagen.
Autoren müssen nicht von der Mutteruniversität sein
Traditionell konzentrieren sich die Verlage vor allem auf geisteswissenschaftliche Gebiete. Schwächer vertreten sind sie in Disziplinen wie Technologie, Naturwissenschaften oder Medizin, die als lukrativer gelten und daher von gewöhnlichen kommerziellen Verlagen abgedeckt werden. Bisweilen geben Universitätsverlage auch Lyrik heraus, seltener sind dagegen Romane.
Die Autoren müssen nicht zwangsläufig Wissenschaftler von der Mutteruniversität sein. Givler meint, der Anteil der hauseigenen Autoren liege üblicherweise nur zwischen 5 und 20 Prozent. Die Verlage versuchen vielmehr, Fremdautoren zu gewinnen, vor allem auf Feldern, denen sich die jeweilige Universität besonders verschrieben hat. "Es gibt da richtige Kämpfe um Autoren", sagt Givler.
Die Universitätsverlage arbeiten grundsätzlich gemeinnützig. Etwaige Gewinne werden an die Mutteruniversität abgeführt, nur wird selten ein Profit erzielt. "Die meisten Universitätsverlage arbeiten mit Verlust", sagt Givler. Im Schnitt liegen die Verluste bei 10 Prozent des Umsatzes, was die Verlage zusehends unter Druck bringt: Viele Mutteruniversitäten stecken selbst in finanziellen Schwierigkeiten, da ihr Stiftungskapital in der Finanzkrise geschrumpft ist. Etliche hauseigene Verlage haben daher Arbeitsplätze abgebaut. Noch sei jedoch keiner geschlossen worden, sagt Givler. "Universitätsverlage erfüllen eine wertvolle Funktion. Sie sind unentbehrlich."