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Kritiker-Empfang bei Suhrkamp Nach einundzwanzig Jahren

14.10.2009 ·  Der Kritiker-Empfang bleibt auch in Zukunft in Frankfurt, und im nächsten Jahr, dem Jahr eins nach dem Umzug, wird er in eine neue Ära eintreten. Nur der legendäre Warhol, so wurde jetzt gemunkelt, würde künftig an keiner Suhrkamp-Wand mehr hängen.

Von Hubert Spiegel
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Beim ersten Mal hatte ich keine Einladung. Ich wurde eingeschmuggelt. Der Schmuggler war ein nicht nur an diesem Ort höchst angesehener Mann, ein Herr von tadellosem Auftreten, unantastbar. Er stellte mich formvollendet vor und nahm ein Recht in Anspruch, das er nicht hatte: einfach jemanden mitzubringen. Es war ein kleines Abenteuer der Anmaßung. Denn damals, vor 21 Jahren, fiel ein neues Gesicht beim Kritiker-Empfang noch auf. Das ist schon lange nicht mehr so.

Damals war es steif und beklemmend, heute ist es voll und laut, und das muss auch so sein, denn wo immer es im Literaturbetrieb heute nicht voll und laut ist, droht Panik auszubrechen. Das möchte schon aus Gründen der Diskretion niemand mitansehen müssen, also leert sich der Raum vollends.

Nicht so bei Suhrkamp. Suhrkamp verschwindet nicht, sondern zieht um. Der Kritiker-Empfang aber bleibt auch in Zukunft in Frankfurt, und im nächsten Jahr, dem Jahr eins nach dem Umzug, wird er in eine neue Ära eintreten. Nur der legendäre Warhol und einige andere Kunstwerke, so wurde jetzt gemunkelt, würden künftig weder in Frankfurt noch in Berlin an einer Suhrkamp-Wand hängen. Mit Schmuggelei aber hat das nichts zu tun.

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Jahrgang 1962, Redakteur im Feuilleton.

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