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Kritiker-Empfang bei Suhrkamp Mein erstes Mal

14.10.2009 ·  Der Kritiker-Empfang von Suhrkamp in der Villa Unseld ist durch die Überlieferung längst Teil der kollektiven Betriebserfahrung geworden. Vielleicht schwingt deshalb bei der Novizin ein Hauch Ernüchterung mit.

Von Sandra Kegel
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Es ist wie ein Déjà-vu: dass man meint, schon einmal dabei gewesen zu sein, obwohl das gar nicht stimmt. Der Kritiker-Empfang von Suhrkamp in der Villa Unseld ist durch die Überlieferung längst Teil der kollektiven Betriebserfahrung geworden. Vielleicht schwingt deshalb bei der Novizin ein Hauch Ernüchterung mit: Es herrscht vor allem Gedränge, das ist weniger erhaben, als die Legenden berichten, es sind eben einfach alle da. Die Autoren und die Kritiker – der Tageszeitungen und der Wochenblätter, der Magazine und der Fernsehsendungen.

Es ist laut, lebhaft, man hat sich viel zu erzählen, eine durch und durch irdische Gesellschaft. Wir sehen Alte Meister wie Kluge, Nooteboom, Lustiger und Herrn Graf, der keinen Suhrkamp-Empfang je verpasst hat; und wer in den Keller schleicht, wo hinter Panzertüren die gesammelten Erstausgaben des Verlegers ruhen sollen, begegnet hinter der Garderobe Martin Walser – auf einem Siegfried Unseld gewidmeten Plakat „66 Mal im Außendienst“. Jüngere Gesichter sind dennoch in der Überzahl, Autoren wie Anna Katharina Hahn, die staunt, dass es so etwas herrlich Anachronistisches überhaupt noch gibt.

Dass dies der fünfzigste, jedoch nicht der letzte Kritiker-Empfang sei, sagt Ulla Unseld-Berkéwicz in ihrer Ansprache, in der sie die anwesenden Autoren in alphabetischer Reihenfolge begrüßt und Oswald Egger bittet, acht von achthundert unveröffentlichten Seiten vorzulesen. Mehr als über Dialektik hört man an diesem Abend über Dialekte. Der Messeneuling Stephan Thome (unten rechts im Bild), der bei Suhrkamp den oberhessischen Zungenschlag salonfähig gemacht hat, vertieft sich mit dem Dissidenten Yang Liang ins chinesische Gespräch. Doch nicht Politik ist ihr Thema, sondern taiwanische Mundarten. Eine Legende? Ja. Aber auch eine Party wie jede andere.

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Jahrgang 1970, Redakteurin im Feuilleton.

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