15.10.2009 · Ein leeres Buch, ein unscharfer Hintergrund und ein Obama-Verschnitt mit Herzmund: Mit diesem Führer will uns die Marketing-Abteilung der Buchmesse durchs Messegelände schicken. Eine Bildkritik.
Von Oliver JungenUnablässig arbeitet die Frankfurter Buchmesse an ihrem eigenen Mythos. In einer ihrer berüchtigten kreativen Aufwallungen hat sie den Mythos nun wieder einmal Bild werden lassen. Halten wir es mit Erwin Panofsky, dem König der Ikonologen, und schaffen im Geist die Schöpfungen nach, weil das Kunstwerk nur so erst wirklich zu uns spricht, sein Wesen entbirgt. Wer also spricht? Ein Verlorener. Ein Überlebender vor greulichem Nichts, heimgesucht von Wortausschlag. Auf dem Mars kann es nicht unwirtlicher sein. Halle 6, darf man annehmen. Der Blick geht ins Unscharfe.
Das Wesen dieses Werks aber ist trojanisch, eine ausgebuffte Ätsch-Ästhetik. So hat die Propagandaabteilung der Buchmesse von Sachsenhausen bis Schanghai immer wieder dieses eine Motiv plakatiert: blasse Chinesin mit handgebundenem Buch vor der Brust. Doch was drückt man dem Besucher nun in die Hand, was lügt man ihm als „Pocket Guide“ in die Tasche? Die farbsatte Obama-Version. Der Führer der freien, noblen Welt. Wo Yin draufsteht, ist Yang drin. Ein Coup von Boos the Boss.
Und doch ist Ausgleich das Prinzip, transkultureller Klamottentausch. Beide Seiten des Diwans sind mit derselben Wortwolke bezogen: „Einkäufer“ lesen wir da, „Kulturevent“ und „Vertriebskette“. Die Erotik des Marktes kennt keine Nationen.