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Digitale Bücher Euphorie im Promillebereich

 ·  Amazon kommt erstmals damit, Sony mit einer verbesserten Version, Apple mit einer Ankündigung - elektronische Buchlesegeräte elektrisieren den Buchmarkt. Erwartet wird, dass sie 2018 das gedruckte Buch beim Umsatz überholen. Der Wettbewerb ist groß.

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Der Umsatz ist so gering, dass elektronische Bücher als eigenständige Veröffentlichungsform nicht einmal statistisch erfasst werden. In Deutschland kann man seit einem halben Jahr ein elektronisches Buchlesegerät, einen sogenannten Reader, von Sony erwerben und sich darauf elektronisch Bücher aus dem Internet herunterladen. Das Fazit der Branche nach den ersten Monaten lautet einhellig: Das ist ein stark wachsender Markt. Doch geht die Branche auch davon aus, dass hierzulande in diesem Jahr lediglich ein einstelliger Millionenbetrag mit elektronischen Büchern umgesetzt werden wird. Das ist weniger als ein Promille des gesamten deutschen Buchmarktes mit einem Volumen von knapp 10 Milliarden Euro.

Das aber könnte sich ändern: 840 kürzlich befragte Branchenvertreter waren mehrheitlich der Ansicht, dass das elektronische Buch im Jahr 2018 das gedruckte Buch beim Umsatz überholen wird. Die Vereinigten Staaten sind auf diesem Weg schon etwas weiter. Dort erreicht der Umsatz mit elektronischen Büchern in diesem Jahr immerhin schon ein halbes Prozent des Gesamtumsatzes der Buchbranche von gut 24 Milliarden Dollar.

Die zwei- und teilweise dreistelligen Wachstumsraten bestärken die Beobachter in ihrer Meinung, dass das elektronische Buch, übrigens auch die elektronische Zeitschrift nicht aufzuhalten sein werden. Bestätigt wird diese Entwicklung auch durch die stetig wachsende Zahl der neuen Buchlesegeräte. Jüngste Meldung: Der amerikanische Buchhändler Amazon bietet sein Lesegerät namens Kindle auch in Deutschland an.

Die Konkurrenz verstärkt sich rasant

Zwei Jahre hat sich Amazon.com Zeit gelassen, aber jetzt musste es offenbar schnell gehen: Der amerikanische Internetmarktplatz macht sein digitales Lesegerät Kindle, das es seit Herbst 2007 in den Vereinigten Staaten gibt, vom 19. Oktober an in Deutschland und mehr als hundert anderen Ländern verfügbar. Allerdings macht es Amazon den Kaufwilligen in Deutschland nicht ganz leicht: Der Kindle muss im amerikanischen Online-Laden von Amazon bestellt werden, und er wird auch von den Vereinigten Staaten nach Deutschland verschickt – was hohe Versandkosten und Importsteuern verursacht. „Dies ist im Moment einfach der schnellste Weg, wie wir den Kindle zum Kunden bringen können“, sagte eine Sprecherin der deutschen Amazon-Niederlassung in München. Außerdem können vorerst nur englischsprachige elektronische Bücher für den Kindle heruntergeladen werden.

Amazon unternimmt die eilige globale Expansion des Kindle zu einer Zeit, in der sich die Konkurrenz bei digitalen Lesegeräten rasant verstärkt. Der japanische Unterhaltungskonzern Sony, der im Jahr 2006 mit seinem E-Book-Reader einer der Pioniere in dem Geschäft war, weitet seine Produktpalette aus und hat im Gegensatz zum Kindle ein Modell mit berührungsempfindlichem Bildschirm (Touchscreen) im Programm. Das junge kalifornische Unternehmen Plastic Logic, das seine Produktion in Dresden hat, will Anfang nächsten Jahres ein Lesegerät mit biegsamem Kunststoffbildschirm auf den Markt bringen und hat eine Allianz mit dem amerikanischen Buchhändler Barnes & Noble geschlossen. Der koreanische Elektronikkonzern Samsung hat kürzlich seinen Einstieg in den Markt angekündigt. Das Berliner Jungunternehmen Txtr wird einen Reader auf der Buchmesse vorstellen, über den man sich nicht nur ganze Bücher, sondern Auszüge wie Einzelseiten oder eine Tabelle aus einem Buch gegen Bezahlung herunterladen kann. In der Branche wird außerdem erwartet, dass Apple im nächsten Jahr einen sogenannten Tablett-Computer auf den Markt bringt, der auch als Lesegerät zum Einsatz kommen könnte. Und über allem schwebt Google. Das Internetunternehmen bietet immer mehr Bücher in Volltextversion über das Internet an – kostenlos.

Das Marktforschungsinstitut Forrester korrigierte am Mittwoch seine Erwartungen für den digitalen Buchmarkt in Amerika nach oben und sagt nun für dieses Jahr einen Absatz von 3 Millionen Lesegeräten voraus. Bislang hatte Forrester mit 2 Millionen Einheiten gerechnet. Forrester schätzt, dass Amazon derzeit einen Marktanteil von 60 Prozent hat, gefolgt von Sony mit 35 Prozent.

250 Dollar pro Stück - eine Hemmschwelle

Der international verfügbare Kindle wird einschließlich Versandkosten, Importsteuer und Zollgebühr mehr als 250 Euro kosten. Preise in dieser Größenordnung sind eine Hemmschwelle für eine noch schnellere Verbreitung der elektronischen Lesegeräte. Eine weitere Schwelle sind noch die technischen Unvollkommenheiten. Das Blättern geht nicht immer so schnell wie per Hand, bei der Sony-Version sind alle heruntergeladenen Bücher kopiergeschützt. Das bedeutet eine gegenüber dem gedruckten Buch immer noch eingeschränkte Verfügbarkeit. Gegenüber einem Computer oder Laptop haben die Buchlesegeräte auch noch Schwierigkeiten bei der farblichen Darstellung. Die Branche diskutiert zudem, ob sich das separate Lesegerät durchsetzt oder nicht eher Handys oder Laptops zum Lesen genutzt werden. Und in Deutschland ist immer noch offen, ob elektronische Bücher der Buchpreisbindung unterliegen oder nicht. In Amerika sind elektronische Buchversionen erheblich billiger als die entsprechenden Bücher. Amazon wird unterstellt, mit verlustbringenden Kampfpreisen den Markt – und damit auch das eigene Lesegerät – beleben zu wollen.

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Jahrgang 1955, Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Menschen und Wirtschaft“.

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Jahrgang 1970, Wirtschaftskorrespondent in New York.

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