14.10.2009 · Kinderbücher sind immer noch ein Wachstumssegment auf dem deutschen Buchmarkt. Nun aber zeigt eine Studie des World Wildlife Fund, dass für das Papier von vielen Kinderbüchern Holz aus Tropenwäldern verwendet wird.
Von Joachim Müller-JungZum Beginn der Buchmesse geraten China als Gastland und vor allem die deutschen Kinderbuchverlage, die im vergangenen Jahr das wachstumsträchtigste Segment im Buchmarkt waren, unfreiwillig als Umweltsünder an den Pranger: Der World Wide Fund for Nature, kurz WWF, hat 51 deutsche Kinderbücher auf Holzfaseranteile testen lassen, die nicht aus extra angelegten Eukalyptus- oder Akazienplantagen für die Papierindustrie stammen, sondern aus unbewirtschafteten Urwäldern.
Ergebnis der Studie mit dem Titel "Tropenwaldzerstörung für Kinderbücher": In fast vierzig Prozent - 19 von 51 Büchern - wurde Tropenholz ermittelt, das von Shorea- oder Rhizophora-Arten stammt. Zwei Baumfamilien, die ausschließlich in Naturwäldern insbesondere in Südostasien zu finden sind. Die Analyse wurde in der Zeit zwischen Dezember 2008 und August 2009 von dem amerikanischen Labor Integrated Paper Services vorgenommen, das auf mikroskopische Untersuchungen von Holzfasern spezialisiert ist. Mit der Technik lassen sich dem WWF-Experten Johannes Zahnen zufolge in dem Zellgemisch, aus dem Papier hergestellt wird, Fasern aus Plantagen- von Urwaldholz unterscheiden und sogar unterschiedliche Baumgattungen voneinander trennen.
Zwei Drittel der Produktion aus China und Hongkong
Den Grund für die hohen Tropenholzanteile im Papier sieht die Umweltstiftung WWF vor allem in dem seit Jahren enorm gewachsenen Teil der in Asien produzierten und von dort eingeführten Bücher. Ein Drittel der Buchimporte stammt heute aus China. Von den knapp 4900 Tonnen importierter Bilder- und Malbücher im Wert von knapp 17 Millionen Euro wurden 2008 fast zwei Drittel in China und Hongkong hergestellt. Die chinesische Papierindustrie ist mittlerweile Weltmarktführer. Knapp 17 Prozent des weltweit gehandelten Zellstoffs und vor allem fünfzig Prozent der Zellstoffexporte Indonesiens gehen nach China. Der WWF macht insbesondere den indonesischen Papiererzeuger APP, Tochter eines chinesischen Konzerns und Hauptakteur bei umstrittenen Urwaldrodungen, für die Abholzung von Regenwäldern etwa auf Sumatra verantwortlich.
Unter den bemängelten Kinderbüchern finden sich so erfolgreiche Titel wie "Benjamin Blümchen - Komm mit mir durch den Tag", "Felix bei den Kindern dieser Welt" oder "Bodo Bär auf der Ritterburg". Insgesamt 13 Verlage wurden „positiv“ auf Tropenholz getestet, darunter Branchengrößen wie Bertelsmann, Esslinger aus der Klett-Gruppe oder Pattloch aus der Gruppe Droemer Knaur.
Andere Verlage wie Random House schnitten hingegen ökologisch vorbildlich ab. Für ihre Bücher wurde Recyclingpapier oder Plantagenholz verwendet - oder zumindest Urwaldholz aus Beständen, die nachhaltig bewirtschaftet werden und das Waldzertifikat "Forest Stewardship Council" tragen.
Joachim Müller-Jung Jahrgang 1964, Redakteur im Feuilleton, zuständig für das Ressort „Natur und Wissenschaft“.
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