19.10.2009 · Die Buchmesse entlässt den Leiter ihres Internationalen Forums, Peter Ripken, der für die zwischenzeitliche Ausladung zweier chinesischer Dissidenten beim Symposium im Vorfeld der Messe verantwortlich war. Ein Bauernopfer nicht für, sondern gegen die Meinungsfreiheit.
Von Oliver JungenDas Ergebnis dieser Buchmesse sind zwei Aufstiege und ein Abstieg. Zu den Aufsteigern gehören die aus dem Nichts an die Spitze der Hitliste chinesischer Regimekritiker aufgeschossenen Autoren Bei Ling, ein in Boston lebender Dichter, und Dai Qing, Umweltaktivistin und Adoptivtochter des ehemaligen chinesischen Staatspräsidenten Ye Jianying. Die beiden sind kritisch, freilich, allerdings kaum kritischer als viele Intellektuelle in China, selbst innerhalb staatlicher Institutionen: Vor allem fordern sie immer wieder Publikationsfreiheit.
Bekannt gemacht hat sie hierzulande die zwischenzeitliche Ausladung zum Voraussymposion der Buchmesse, für die der Leiter des Internationalen Forums, Peter Ripken, ein so polternder wie grundehrlicher Charakter, die Verantwortung trägt. Am letzten Abend der Buchmesse, so behaupten nun beide Dissidenten, habe sich dieser Skandal wiederholt: Sie seien seit langem eingeladen gewesen, auf dem Verlegerempfang des Auswärtigen Amtes eine Rede zu halten. Bei Ling sagte im Gespräch mit dieser Zeitung: Erst zwei Tage zuvor habe Ripken ihm mit dem Hinweis abgesagt, das Auswärtige Amt wünsche überhaupt keine Ansprachen, nur um dann eine Inderin reden zu lassen.
Abstimmungsschwierigkeiten
Dai Qing habe gar erst unmittelbar vor der Veranstaltung Redeverbot erhalten. „Diese beiden haben eine blühende Phantasie“, seufzt Ripken, als wir ihn schließlich erreichen: „Es gab nie eine Einladung, lediglich vor Wochen einmal eine Vielleicht-Überlegung in einer E-Mail.“ Eine Sprecherin des Auswärtigen Amtes stützt Ripkens Darstellung. Der Auftritt Bei Lings oder Dai Qings bei der kleinen, geschlossenen Veranstaltung mit einer Gruppe internationaler Verleger sei nie vorgesehen gewesen.
Mitten in den in sich zusammenfallenden, von der „Frankfurter Rundschau“ aufgebauschten Pseudoskandal platzt die Mitteilung der Buchmesse, mit sofortiger Wirkung die Zusammenarbeit mit Peter Ripken zu beenden. Das riecht verdächtig nach Bauernopfer. Ripken selbst möchte dazu nichts sagen. Der eigentliche Skandal steckt in der Begründung seiner Entlassung: „Damit zieht die Buchmesse die Konsequenzen aus anhaltenden Abstimmungsschwierigkeiten im Zusammenhang mit dem diesjährigen Ehrengastland China.“
Ripken wird also entlassen, weil er der offiziellen chinesischen Delegation zu sehr im Wege stand. Das scheint sich darauf zu beziehen, dass Bei Ling und Dai Qing beim Symposion doch noch ihre Statements hielten und die brüskierte Delegation den Raum verließ. Ein Bauernopfer nicht für, sondern gegen die Meinungsfreiheit.