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Buchmesse China macht anderen ein Bild von sich

13.10.2009 ·  Das Ziel der Volksrepublik ist es, durch den eigenen Auftritt auch den Raum für die Kritiker zu verringern. China wendet dabei das bekannte Rezept von Zuckerbrot und Peitsche an.

Von Till Fähnders, Peking
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Chinas Regierung sieht den Gastauftritt bei der Frankfurter Buchmesse als Teil ihrer weltweiten Offensive zu mehr „Soft Power“. Mit Milliardeninvestitionen will Peking das Bild verbessern, das sich die Welt von der Volksrepublik macht. Spätestens seit im vergangenen Jahr nach den Unruhen in Tibet der olympische Fackellauf zu einem Spießrutenlauf geworden war, ist China sich bewusst geworden, dass es ein Problem mit seiner Außenwirkung hat. Und bereits vor Beginn der Buchmesse gab es abermals Irritationen.

Mit dem Begriff „Soft Power“ wird die Fähigkeit eines Staates bezeichnet, durch Kulturpolitik und einen Export von Ideen Einfluss auf die öffentliche Meinung im Ausland nehmen zu können. Die Instrumente sind Sprachunterricht, Kulturveranstaltungen, Presseberichte oder eben Literatur – Ziel der Führung ist es stets, den im Ausland vorhandenen negativen Eindruck vom Unrechtsstaat zu revidieren und die Kenntnisse über China zu erweitern. Denn über eines sind sich viele Chinesen mit der Regierung einig: Die Welt weiß zu wenig über China.

Peking nimmt unangenehme Themen in Kauf

Aus diesem Grund nimmt China den Auftritt seiner Autoren in Frankfurt besonders ernst. Zum ersten Mal präsentiert sich das Land in dieser Größenordnung. In der offiziellen Delegation sind rund 100 Autoren und mehr als 1000 Verleger, Funktionäre und Künstler nach Deutschland gereist. Zur Eröffnung wurde der Vizepräsident Xi Jinping geschickt. Er wird in einigen Jahren wohl die Nachfolge von Staats- und Parteichef Hu Jintao übernehmen.

Peking nimmt in Kauf, dass bei einer solchen Veranstaltung unangenehme Themen wie Zensur und die Verletzung der Menschenrechte angesprochen werden. In China werden wie kaum irgendwo sonst die Nachrichten gelenkt und Internetseiten blockiert. Dutzende Journalisten und Autoren wie Liu Xiaobo sitzen im Gefängnis. Dass China aus deutscher Sicht vor Beginn der Messe wenig geschickt und undiplomatisch vorgegangen ist, verwundert nicht. Denn das Ziel Chinas ist es, durch den eigenen Auftritt auch den Raum für die Kritiker zu verringern.

China wendet dabei das bekannte Rezept von Zuckerbrot und Peitsche an: Es präsentiert sich als gewandelte Weltmacht, die Bürgern und Autoren mehr Freiheiten gewährt. Doch wenn unliebsame Kritiker eingeladen werden oder Politiker sich mit dem Dalai Lama oder der Exil-Uigurin Rebiya Kadeer treffen, setzt der Beißreflex wieder ein.

Der Gastauftritt in Frankfurt ist dabei nur ein Teil einer viel weitergehenden Strategie. Schon seit Jahren fördert China die Eröffnung sogenannter Konfuzius-Institute, die den deutschen Goethe-Instituten ähneln, sich aber stärker auf Sprachunterricht konzentrieren. Vor kurzem hat Peking außerdem eine Medienoffensive gestartet. Die Führung steckt Milliarden in fremdsprachliche Zeitungen, Radiosender und Fernsehprogramme, die vom Staat kontrolliert werden und die offizielle Version der Ereignisse verbreiten.

„Akkurat, objektiv, unvoreingenommen und fair“

Denn besonders ärgert Peking sich über die angeblich „tendenziösen“ Berichte in der westlichen Presse, der sie außerdem eine Dominanz des globalen Nachrichtengeschäfts vorwirft. So brachte die nationalistische Zeitung „Huanqiu Shibao“ am Dienstag einen Artikel zur Buchmesse, in dem sie die „über China nicht sehr freundliche berichtende deutsche Presse“ geißelte. Der Zeitpunkt für die Expansion scheint günstig, da viele westliche Presseorgane wegen der Finanzkrise ums Überleben kämpfen, während Chinas gelenkte Staatsmedien im Geld schwimmen.

In der vergangenen Woche hatte die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua zu einem pompösen „Welt-Medien-Gipfel“ geladen. Schon im vergangenen Jahr hatte die Staatsagentur Werbung für seine Idee gemacht und illustre Gäste wie Rupert Murdoch und Chefredakteure von den Agenturen AP und Reuters, der BBC, Vertreter von Google und anderen Medien zur Teilnahme bewegt. Die gemeinsame Abschlusserklärung der Veranstaltung war ganz nach dem Geschmack Pekings: Darin wurde eine Berichterstattung angemahnt, die „akkurat, objektiv, unvoreingenommen und fair“ sein solle. Von einer „freien“ Presse war dagegen keine Rede.

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Jahrgang 1976, politischer Korrespondent für Südostasien.

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