15.10.2009 · Das Verschwinden der Unschuld: Der dreizehnjährige Leander Winkels gehört zu den jüngsten Romanautoren. Wie kommen Kinder nur auf die merkwürdige Idee, ein Buch zu schreiben?
Dieses Jahr an Ostern habe ich mit meinem Vater eine zweiwöchige Mittelmeer-Kreuzfahrt gemacht. Das Schiff war riesig, höher als die Titanic und genauso lang. Leider waren die meisten Passagiere ziemlich alt, und es gab fast keine Kinder an Bord der MSC Poesia. Das war so langweilig, dass ich angefangen habe, eine Geschichte zu schreiben. An ein Buch habe ich dabei gar nicht gedacht. Meine Mutter hat später den Design Pavoni Verlag für das Buch gewonnen. Es ist ein Fantasy-Roman. Er heißt „Die Blume des Bösen“. Es geht um die Rettung der Welt, die der Sensemann und seine Gefolgsleute unter ihre Kontrolle bekommen möchten. Nur meine fünf Hauptpersonen können das Böse stoppen. Sie müssen dafür den höchsten Punkt der Welt besteigen. Dabei erleben sie natürlich einige spannende Abenteuer. In dem Buch gibt es auch einige Zeichnungen, die alle von mir sind.
Ich bringe gerne Ideen zu Papier. Mir macht es Spaß, das, was ich denke, zu schildern. Ich drehe auch kleine Filme mit meinem Handy. In der Schule haben wir Krabat gelesen und die Rote Zora. Wir arbeiten viel mit Texten, aber schreiben keine Geschichten, die wir uns selbst ausdenken müssen. Das finde ich echt schade.
Viele Einfälle für mein Buch hatte ich während der Ausflüge an Land. Wir saßen oft im Bus und fuhren durch die Gegend. Auch abends vor dem Einschlafen fällt mir immer etwas ein. Meine Eltern und meine Lehrer sagen, dass ich viel Phantasie habe. Das stimmt. Mein Kopf ist voller Ideen. Ich hatte zwar anfangs keine fertige Geschichte, trotzdem habe ich auch nicht einfach drauflosgeschrieben. Ich wusste ungefähr, wohin ich will.
Auch Filme und Bücher regen mich an. Ich finde Fantasy-Filme toll, die Welt dort ist viel spannender als die reale. Alles ist möglich. Seit ich denken kann, mag ich japanische Monsterfiguren wie Godzilla. Ich lese gerne japanische Comics. Ich gehe auf ein Humanistisches Gymnasium in Düsseldorf. Japanisch lerne ich aber an einer Privatschule. Außerdem hatten wir immer japanische Kindermädchen. Mein Lieblingscomic ist von Keiji Nakazawa und heißt „Barfuß durch Hiroshima“. Er ist für Kinder und Erwachsene und spielt zur Zeit des Kriegs zwischen Japan und Amerika. Mir gefällt, dass man mitkriegt, wie das gewesen ist damals. Die Hauptperson ist ein kleiner Junge, mit dem ich mich identifizieren kann. Er ist mutig. Eigentlich bin ich das auch, zumindest manchmal. Und er ist fürsorglich, willensstark. Der zieht mit seinem Bruder Sachen durch. Das finde ich bewundernswert. Klar mag ich auch „Der Herr der Ringe“, ich finde Gollum gut, aber auch die Nazgul. Ihnen ähnelt mein Sensemann.
„Harry Potter“ finde ich nicht so gut. Mich stört, dass Harry Potter vor allem in den ersten Teilen so kindlich ist. Kein Junge würde so reden oder sich so verhalten. Einen Lieblingsschriftsteller oder ein Lieblingsbuch habe ich nicht. Überhaupt mag ich Hörbücher lieber als Bücher. In meinem Regal stehen zum Beispiel „20 000 Meilen unter dem Meer“, „Eragon“, und das „Similarion“ von Tolkien. Hörbücher, die ich gut finde, höre ich mir immer wieder an, ohne mich zu langweilen. Bestimmt ist das auch so, weil mich die Erzählerstimme irgendwie beruhigt. Bald feier ich eine Halloween Party mit meinen besten Freunden. Wir gucken Filme. Und ich schenke jedem mein Buch. Als ich ihnen von meinem Fantasy-Roman erzählte, fanden es alle cool.
Vielleicht setze ich mein Buch fort und schreibe einen dritten Teil. Vielleicht fange ich auch ein neues Buch an. Sicher ist, dass ich weiter schreibe. Mein Terminplan ist aber ziemlich eng: pro Woche sechs Stunden Fußball, vier Stunden Japanisch, zwei Stunden Klavier, und dann kommen noch die Hausaufgaben. Andere Kinder haben mehr Freizeit als ich.
Auf der Frankfurter Buchmesse war ich noch nie. Ich freue mich darauf. Ich stelle mir die Buchmesse ganz groß vor, mit vielen Räumen, in denen Schriftsteller sitzen. Bestimmt ist auch das Fernsehen da. Ich werde aus meinem Buch die ersten vierzehn Kapitel vorlesen. Noch bin ich kein bisschen nervös, aber ich wette, das kommt noch