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WM-Kommentar Staatsaffären und Schnapsideen

02.07.2010 ·  In England verlangte ein Parlamentarier eine WM-Untersuchung. In Frankreich mischte sich der Präsident ein. Und in Nigeria löste der Staatschef gleich den ganzen Fußballverband auf. Wie es wohl den Nordkoreanern ergangen ist?

Von Christian Kamp
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Es gibt gute Argumente, Politik und Sport möglichst voneinander fernzuhalten. Ein untergeordnetes ist die lästige Unsitte der Politiker, ihre Sprache mit Bildern aus der Welt des Sports zu durchsetzen. Das wichtigere Argument gegen zu viel Nähe ist jedoch, dass meist nichts Vernünftiges dabei herauskommt, wenn sich Politiker (jenseits der Mittelvergabe) direkt in die Belange des Sports einzumischen versuchen. Kurz vor der WM 2006 in Deutschland machten einige Hinterbänkler im Bundestag auf sich aufmerksam, indem sie den damaligen Bundestrainer Jürgen Klinsmann vor den Sportausschuss zitieren wollten; das nationale Sommerfest schien nach einer 1:4-Niederlage gegen Italien in Gefahr. Natürlich war es eine Schnapsidee, auch wenn man sich das fachliche Niveau dieser Diskussion gerne mal angehört hätte.

Es ist also sinnvoll, dass sich der Internationale Fußball-Verband (Fifa) jede Einflussnahme der Politik verbittet, was bis zum Ausschluss der Verbände für kann. Dass Fußball manchmal dennoch zur Staatsaffäre wird, hat die Fifa damit aber nicht verhindern können. Bei dieser WM waren es zuerst die Franzosen, deren Benehmen so lange und heftig die Gefühle der Grande Nation beleidigte, bis Präsident Nicolas Sarkozy sich einschaltete. Ein paar mahnende Worte an die ungezogenen Profis konnten ja nicht schaden. Aber ob die Staatsräson es wirklich erforderte, Thierry Henry zum Rapport in den Elysée-Palast zu bestellen?

Wie es den Spielern aus Nordkorea wohl ergangen ist?

In England verlangte ein Parlamentarier nach dem Aus gegen Deutschland eine „sofortige Untersuchung“ der Zustände im Fußball-Mutterland. Am konsequentesten aber ging man in Nigeria vor. Dort löste Staatschef Goodluck Jonathan nach dem Ausscheiden der „Super Eagles“ kurzerhand den nationalen Fußballverband auf und meldete das flügellahme Nationalteam für zwei Jahre von allen Wettbewerben ab.

Wie man mit Stil statt im ganz großen Stil scheitert, machten bei diesem Turnier andere vor. Griechenland zum Beispiel, das Otto Rehhagel in Würde gehen ließ, oder die Schweiz, die Ottmar Hitzfeld einfach weitermachen lässt, als wäre nichts gewesen. Südafrika schimpfte ein bisschen auf Trainer Parreira, ließ sich aber sonst die WM-Laune nicht verderben. Besonders rührend schließlich war, wie Japans Trainer Okada alle Verantwortung für das Scheitern auf sich nahm, obwohl Premierminister Naoto Kan wie viele seiner Landsleute lobte und gratulierte. Okadas Demut ist nichts hinzuzufügen. Wo der Blick schon in Fernost ist: Wie es den Spielern aus Nordkorea wohl zurück in der Heimat ergangen ist? Anzunehmen, dass die Politik darauf einen gewissen Einfluss hat.

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