23.06.2010 · „Danke“ - Frankreichs Presse rechnet mit der Nationalelf nach dem blamablen Aus bei der WM in Südafrika ab. Nach der Heimkehr droht dem Team ein Spießrutenlauf. Henry soll Sarkozy das Desaster erklären. Und Schadenfreude kommt aus Irland.
Die französische Fußball-Nationalmannschaft wird nach dem blamablen Vorrunden-Aus bei der WM in Südafrika mit Hohn und Spott überzogen. „Der Alptraum ist endlich vorbei“, „Danke und auf Wiedersehen“ oder „Und noch einmal Bravo! Die Tragikomödie hat endlich ein Ende“, titelten die Blätter in der Heimat am Mittwoch.
„Vollkommen unwürdig, beschämend und empörend“ sowie „unausstehlich“ lauteten andere Kommentare am Folgetag der Niederlage der „Bleus“ gegen Südafrika am Dienstag. Niemand ließ auch nur ein gutes Haar am Team von Trainer Raymond Domenech. „Die französische Mannschaft hat bei der WM in Südafrika die schwärzeste Stunde ihrer Geschichte erlebt. Ein unerträglicher Leidensweg für die Fans, denen nichts erspart geblieben ist“, schrieb die Tageszeitung „Le Figaro“.
Eine apokalyptische Weltmeisterschaft, die in Hoffnungslosigkeit und als Alptraum zu Ende gegangen sei, konstatierte das Hauptstadt-Blatt „Le Parisien“. „Danke Jungs, Ihr habt den Franzosen den angehenden Sommer verkorkst“, hieß es weiter. „Libération“ schrieb: „Die Weltmeisterschaft droht auf lange Sicht das Bild des französischen Fußballs zu beschädigen. (...) Ein großes Desaster.“
Trotz eines abschließenden 2:1-Sieges gegen Frankreich muss sich die Mannschaft von Gastgeber Südafrika von der WM verabschieden. Wenigstens hat „Bafana Bafana“ sein Gesicht gewahrt - im Gegensatz zu den blamabel aufgetretenen Franzosen.
„Frankreich ist nicht bereit ihnen zu vergeben“
Frankreich hatte sich am Dienstagabend mit einer tristen 1:2-Schlappe gegen Südafrika aus dem WM-Turnier verabschiedet. Vorausgegangen war eine beispiellose Serie von Skandalen. Stürmer Nicolas Anelka musste vorzeitig nach Hause fahren, weil er Domenech übelst beleidigt haben soll. Das Team um Franck Ribéry trat daraufhin aus Solidarität in den Streik und verweigerte das Training. Ein handfester Streit zwischen dem französischen Team-Kapitän Patrice Evra, und Konditionstrainer Robert Duverne sowie der Rücktritt von Delegationschef Jean-Louis Valentin machten das Chaos komplett.
Nach der Heimkehr droht dem Team nun ein Spießrutenlauf - auch wenn der Abschied von Trainer Domenech bereits vor der WM besiegelt war. Sarkozy hat die Aufarbeitung der Chaos-Tage in Südafrika zur Chefsache gemacht, seine Sportministerin Roselyn Bachelot will gnadenlos „aufräumen“. „Frankreich ist nicht bereit ihnen zu vergeben“, überschrieb der „Parisien“ seine Titelstory.
Henry soll sich mit Sarkozy zur Aussprache treffen
Thierry Henry soll nach Medienberichten die Delegation des Verbandes nach der Niederlage gegen Südafrika schon am Dienstagabend vorzeitig verlassen. Während die Franzosen zunächst zum Quartier nach Knysna zurückgekehrt seien, sei Henry allein nach Johannesburg geflogen. Mit einer Privatmaschine werde er Südafrika noch am frühen Mittwochnachmittag verlassen, berichteten unter anderen der Radiosender „RMC“ und der private TV-Sender „Canal+“.
Laut „RMC“ wird sich der 32-jährige Henry, der in Südafrika kaum zum Einsatz gekommen ist, am Donnerstag in Paris mit Frankreichs Staatspräsident Nicolas Sarkozy treffen. Das Treffen solle eine Stunde dauern und das blamable WM-Auftreten und die vielen Skandale der ausgeschiedenen „Bleus“ zum Hauptthema haben, hieß es. Der Élysée-Palast bestätigte am Mittwoch das von Henry initiierte Treffen. Laut Regierungssprecher Luc Chatel will Sarkozy bereits am Mittwoch bei einem Meeting mit seinen Ministern eine Reform des französischen Fußballs diskutieren.
„Lächerliche Franzosen erleiden Bruchlandung“
Kein Mitleid, stattdessen jede Menge Hohn und Spott gab es derweil aus Irland: Dort wurde das Ausscheiden der französischen Nationalmannschaft mit Genugtuung aufgenommen. „Ich bin sehr froh, dass es dieses Ende genommen hat. Sie sind einfach auf dem falschen Weg dorthin gekommen“, sagte der frühere Nationalspieler Liam Brady. „Sie waren richtig, richtig schlecht“, ergänzte der Assistenztrainer der Iren.
Auch die irische Presse kommentierte das Vorrunden-Aus der Bleus mit Schadenfreude. „Lächerliche Franzosen erleiden Bruchlandung und verbrennen“, titelte die „Irish Times“. „Trauriger Domenech beklagt geplatzten Traum“, lautete die Schlagzeile der Tageszeitung „The Examiner“. Die Equipe Tricolore hatte sich erst über den Umweg der Play-offs für die WM qualifiziert. Vor dem entscheidenden Treffer beim 1:1 im Rückspiel gegen Irland hatte Thierry Henry damals die Hand zur Hilfe genommen.