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Vuvuzela „Trompeter aller Vereine vereinigt Euch!“

14.06.2010 ·  Die Vuvuzela nervt. Professor Reinhard Kopiez weiß warum. Im Gespräch mit Daniel Meuren spricht der Musikpsychologe über die Zerstörung der Fankultur durch die Vuvuzela und keltische Tradition.

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Prof. Reinhard Kopiez hat in seinem Buch „Fußball-Fangesänge - Eine Fanomenologie“, (Verlag Königshausen&Neumann, 20,50 Euro) die Anfeuerungsriten der Fans als eine Kunstform bezeichnet. Sowohl gesangliche Qualität als auch Kreativität bezeichnet der Musikpsychologe der Hochschule für Musik und Theater in Hannover als bemerkenswert. Umso weniger optimistisch hört Kopiez nun zur Weltmeisterschaft nach Südafrika. Der Musikwissenschaftler fürchtet, dass die Vuvuzelas alles Kunstvolle übertönen - die bisherigen Spiele und die Reaktionen von Spielern und Trainern geben ihm Recht. Lionel Messi sieht keine Chance mehr zur Kommunikation, Bundestrainer Joachim Löw führte beispielsweise eine Zeichensprache ein, um sich mit seinen Spielern zu verständigen.

In Ihrem Buch „Fußball-Fangesänge - Eine Fänomenologie” schreiben Sie, dass Sie 1990 bei der Weltmeisterschaft zufälligerweise am Fernsehapparat erstmals Fangesänge wahrgenommen hätten und das als Konzert empfunden haben Sind die Anfeuerungen immer noch Musik in Ihren Ohren?

Das war damals absolut die Initialzündung für meine Beschäftigung mit Fangesängen und auch für mein Buch. Man muss dazu wissen, dass ich eigentlich nicht interessiert bin an Fußball und damals nur nach Ende meiner Dissertation ermüdet vor dem Fernseher saß.

Die Vuvuzela nervt. Professor Reinhard Kopiez weiß warum. Im Gespräch mit Daniel Meuren spricht der Musikpsychologe über die Zerstörung der Fankultur durch die Vuvuzela und keltische Tradition.

Ich hörte die Gesänge im Hintergrund der Reporterstimme und war fasziniert. Ich hatte das Gefühl, dass da wesentlich mehr zu holen ist, als man an der Oberfläche vermutet. Meine Idee war: da steckt ein System dahinter und ein Repertoire. Das war das tragfähige Konzept für die Feldstudien, die wir dann unternommen haben.

Nun droht bei dieser WM, dass die Plastiktröte Vuvuzela wie schon im vergangenen Jahr beim Confed-Cup jeden Fangesang im Lärm erstickt. Haben Sie Hoffnung auf Musik in den Ohren?

Ich habe da wenig Hoffnung. Ich fürchte, dass da gar nichts mehr übrig bleiben wird von einem „Konzert“ der Gesänge. Es wird nur eine Riesen-Lärmkulisse geben durch die Plastiktrompeten. Das ist ein Fluch. Wer diese Dinger in die Welt gesetzt hat, sollte sich schämen. Das Ganze war ja ein Marketing-Gag, mit dem die Südafrikaner 2004 zur Vergabesitzung nach Zürich zogen, um ein Alleinstellungsmerkmal zu kreieren. Sie wollten sich bei den Mitgliedern im entscheidenden Gremium der Fifa im Gedächtnis verankern.

Kann das mit der Vuvuzela gelungen sein und womöglich den Ausschlag für Südafrika gegeben haben?

Psychologisch war das geschickt, keine Frage. So etwas bleibt in Erinnerung. Aber für die Fankultur im Stadion ist die Vuvuzela ein Desaster.

Warum?

Wir haben für das Buch damals ein „Fan-Abitur“ in Form einer Pyramide skizziert. Das Abitur ereichten demnach diejenigen Fangruppen, die durch erstaunliche gesangliche Leistungen herausragten und Rhythmusgefühl besaßen. Das erreichen vor allem Fußballfans, weil sie anders als beispielsweise Handballfans oder Basketballfans aufgrund der wenigen Tore in einem Spiel viel mehr Zeit haben zum ausführlichen Gesang. Das Fundament, sozusagen den Hauptschulabschluss für Fans, stellen demnach Primärreaktionen wie Klatschen und Lärmen dar. Die Vuvuzelas ordne ich dort ein, auf der Stufe eins der Genese von Fankultur. Dorthin gehören alle Lärminstrumente wie Hupen und Schreien. Darüber kommt die Vuvuzela nicht hinaus.

Besteht denn die Chance, dass sich die Fankultur in den WM-Stadien noch dem Abiturniveau annähert?

Vermutlich wird es wegen der großen Anzahl an Vuvuzelas kaum eine Entwicklungschance geben. Sie sind so dominant, dass sie jeden anderen musikalischen Impuls im Keim ersticken werden.

Der spanische Nationalspieler Xabi Alonso hat sich schon im vergangenen Jahr beim Confed-Cup massiv beschwert. Er sagte, dass die Vuvuzelas ein Ärgernis seien, dass sie nichts zu einer guten Atmosphäre beitrügen, sondern nur störten. Auch Lionel Messi protestiert nun gegen den „Vuvuzela-Mist“. Können Sie das nachvollziehen?

Die Klänge der Vuvuzlelas haben ein erstaunlich breites Klangspektrum. In der Akustik sprechen wir von Maskierung. Während ein normales Instrument einen kleinen Bereich an Frequenzen abdeckt, in denen es stark vertreten ist, ist die Vuvuzela in einem sehr breiten Bereich stark vertreten - vom stärksten ersten Partialton bei 220Hz bis hinauf zu 15000 Hz. Das ist ein penetranter Störfaktor wie ein Staubsauger, der ebenfalls ein sehr breites Spektrum hat und deshalb als störend empfunden wird und eben nicht als Wohlklang. Das dürfte es sein, was Xabi Alonso und Messi genervt hat. Zudem übertönt dieser Klang alles: Sprachsignale und eben auch Gesänge, weil der Klang der Vuvuzela das dafür wichtige Frequenzspektrum überdeckt. Diese klangliche Breite erscheint uns als so lästig.

Entspringt unsere Abneigung denn vielleicht auch ganz einfach einem chauvinistisch angehauchten Eurozentrismus? Empfinden Afrikaner Vuvuzelas womöglich als wohlklingend?

Nein, das kann ich mir nicht vorstellen, denn die Basisfunktionen des Gehörs sind bei den Menschen doch sehr ähnlich. Die Vuvuzela wurde ja auch künstlich initiiert und ist in dieser Form keineswegs Bestandteil der afrikanischen Kultur. Das Instrument ist eine reine Marketingerfindung, die uns als tradierte Kultur verkauft wird. Bei den Ethnologen nennt man so etwas „Invention of Tradition“. Dies bedeutet: Man erfindet z.B. ein Plastikinstrument und behauptet später, dass dies gelebte afrikanische Kultur sei. Plötzlich ist man dann in der Situation zu denken, dass es das ja schon immer gegeben habe und folglich respektiert werden müsse. Die töten eher, wie ich fürchte, das afrikanische Talent zum Rhythmus und zum Gesang. Das wird eine akustische Monokultur werden.

Eine gewisse Tradition gibt es aber doch. Es gibt einen Vorläufer in Form eines Blechblasinstruments.

Das stimmt, aber das gilt für ganz Afrika. Die angeblasenen Metallflöten oder Trompeten gibt es in allen Längen und Tonhöhen. Allerdings werden die ganz anders gespielt, nämlich in Ensembles und aufeinander abgestimmt. Dabei werden verschiedene Tonhöhen in Gruppen und abwechselnd gespielt. Man erhält dann wie beim Xylophon-Spiel in Uganda sogenannte Patterns, die sich aber erst ergeben, wenn alles kompositorisch ineinander verzahnt wird. Mit den Vuvzelas kann ein solch kunstvolles Zusammenspiel gar nicht umgesetzt werden. Das ist alleine ein unkoordiniertes Getröte in verschiedenen Tonhöhen, die alle so zusammenklingen, wie wenn ich auf dem Klavier alle Tasten auf einmal drücke. Am Ende bleibt dann nur das übrig, was wir in der Musikpsychologie einen Distraktor nennen, also ein Störsignal.

Das ist ein hartes Urteil …

Den Vuvuzelas ist nichts Positives abzugewinnen außer vielleicht einem Spaßfaktor für die Fans, die reinpusten. Die Spieler, Trainer und Zuschauer haben sicher keinen Spaß dabei. Und auch die Tontechniker für die Fernsehübertragungen werden ziemlich viele Probleme haben. Ich würde da schon fast wie der Alonso für ein Verbot plädieren. Aber das ist wohl eher eine juristische Frage, weil eine Gefährdung vorliegen müsste.

Da besteht keine Chance. Der oberste Gesetzeshüter Sepp Blatter hat schon frühzeitig auf Freispruch entschieden, weil die Vuvuzela ein Kulturgut sei!

Das ist natürlich purer Unsinn. Die Vuvuzela hat keine Tradition, sie existiert nur wegen massiver kommerzieller Interessen derjenigen, die sie für viel Geld verkaufen. Ich habe 20 Euro für ein Plastikding gezahlt, das aus recycleten Joghurtbechern hergestellt wurde und vermutlich ein paar Cent kostet. Wahnsinn.

An mancher Tankstelle kostet sie momentan nur drei Euro ...

Dann wird auch ganz Deutschland geflutet werden und nach der WM landen die Dinger im Gelben Sack.

Hat der Vuvuzelabläser denn wenigstens ein bisschen Einfluss auf die Schönheit des Klangs?

Nein. Die Tonhöhe hängt allein von der Länge ab. Das ist wie bei den Orgelpfeifen. Je länger, desto tiefer der Ton.

Kann man dann wenigstens fürs heimische Ensemble aus Vater, Mutter und Kind einen Dreiklang zusammenstellen?

Nein. Die erhältlichen Vuvuzelas erscheinen mir willkürlich abgemessen und nicht nach Tonhöhen hergestellt. Die Tonhöhe ist reiner Zufall. Deshalb hat man beim Zusammenspiel verschiedener Vuvuzelas lediglich sogenannte Cluster, also Geräusche, die nicht schön klingen, sondern als Störung wahrgenommen werden. Der Begriff Vuvuzela bezeichnet in der Zulu-Sprache ja auch so etwas wie „Krachmachen“ oder eine „Lärmdusche“.

Wenn man das musikpsychologisch betrachtet, gibt es dann Auswirkungen auf das Bewusstsein oder den Gemütszustand der Spieler?

Sicher ist die Vuvuzela nicht förderlich für Inspiration und Stimmung der Hörer. Wie real nun die Störung für einen Spieler sein mag, kann ich schwer beurteilen. Ich habe es nie real im Stadion erlebt, wie intensiv sich das anhört, wenn 20.000 Vuvuzelas im Stadion ertönen. Aber es reicht schon aus, wenn man ein einziges Instrument im Raum ertönen lässt. Zur besseren Vorstellung von der akustischen Belastung, demonstriere ich das mal (Prof. Kopiez greift zu seiner schwarzen Vuvuzela und bläst kräftig in die Tröte). Das ist klanglich ein störrischer Esel! Der Nervfaktor bei diesem Instrument ist so hoch, dass wir hier im Institut mal darüber nachgedacht haben, was wohl die Gründe sein könnten.

Und?

Wir kamen zu dem Schluss, dass die Vuvuzelas eine ähnlich Wirkung haben wie ein Warnsignal beispielsweise an Bahngleisen, die sehr schnell eine ermüdende Wirkung haben. Die Dinger sind zudem wirklich laut. Der Hersteller hat nicht zu Unrecht hier unten ein Warnzeichen angebracht, demzufolge man nicht in Richtung der Ohren des Vordermanns spielen soll. Die Dinger haben einen Schalldruckpegel von ungefähr 115 Dezibel. Das ist die Größenordnung eines Presslufthammers in geringem Abstand. Nach den Bestimmungen der Lärmschutzrichtlinien ist laut Bundes-Immissionsschutzgesetz bei diesem Schallpegel eine Aufenthaltsdauer von weniger als zehn Minuten zulässig und nicht von 90 Minuten wie bei einem Fußballspiel.

Dann wird das Stadionerlebnis recht viel Spaß machen …

Wenn ich mir nun alleine auf Youtube anschaue, mit welcher Ausdauer die Vuvuzelas geblasen werden, dann muss man das als 90 Minuten langen, permanenten Klangteppich bewerten. Das häufigste Fan-Souvenir aus Südafrika wird deshalb vermutlich ein Tinitus sein. Die HNO-Ärzte werden sich auf eine Welle von Tinitus-Patienten freuen.

Beim Confed-Cup wurde der Vuvuzela-Sound noch verharmlosend mit einem Elefantentrompeten verglichen. Ist das dem Elefanten gegenüber dann ungerecht?

Das ist eine Beleidigung des Elefanten ist. Sein Tröten ist in der Tonhöhe variabel, klingt lebendig, alles das schafft die Vuvuzela nicht. Wir haben mal einen professionellen Trompeter auf der Vuvuzela trompeten lassen. Normalerweise kann ein gut ausgebildeter Trompeter alleine durch seine Blastechnik eine ganze Naturtonreihe spielen, also mindestens acht verschieden Tonhöhen.

Auf der Vuvuzela schaffte der Profi maximal eine weitere Tonhöhe. Das zeigt, wie kläglich das Ding als Instrument ist. Man kann ihm nicht mehr entlocken als das Blöken der Posaunen von Jericho, die ja eigentlich Schofare waren. Dieer Instrumente haben aufgrund der zu geringen Schallenergie zwar nicht wirklich die Mauern von Jericho zum Einstürzen gebracht, aber sie werden durch die ständige Belästigung psycholgisch die Menschen von Jericho zur Aufgabe bewegt haben.

Das könnte ja dann als Waffe der Südafrikaner den Heimvorteil bringen. Vielleicht bringen die Vuvuzelas ja die gegnerischen Mauern zum Einsturz?

Vielleicht sind sie tatsächlich etwas daran gewöhnt und nutzen das zur akustischen Kriegsführung. Ich fände das freilich unlauter - im wahrsten Sinne des Wortes.

Sie haben in Ihrem Buch Weltmeisterschaften auch als Austauschbörse für Fangesänge bezeichnet. Haben Fangesänge denn noch eine Chance?

Im Stadion gibt es sicher keine große Chance fürs Wettsingen und Zuhören bei anderen Fangruppen. Für diesen Austauscheffekt dienen freilich auch vor allem Campingplätze, auf denen sich Fangruppen begegnen und gegenseitig inspirieren. Das Stadion fällt aber aus. Ganz klar. Vermutlich wird diese WM deshalb nicht so viel in die deutschen Stadien transportieren wie beispielsweise das Turnier von 2006 in Deutschland. Eventuell können die europäischen Fangruppen, wie die traditionell zahlreichen und sangesstarken Engländer aber wenigstens etwas Einfluss auf die afrikanische Fangesangskultur ausüben.

Vielleicht hält ja die Vuvuzela Einzug in die Bundesliga?

Das wird hoffentlich nicht passieren, denn es würde die Fangesangskultur zum Verstummen bringen.

Früher gab es in Deutschland die mit FCKW betriebene Gaströte, die durch den Umweltschutz aus dem Stadion vertrieben wurde. Hatte die einen ähnlich stimmungstötenden Effekt, wie sie ihn der Vuvuzela zusprechen?

Die Gaströte hatte nie einen solch großen Verbreitungsgrad, sie war teuer und die Kartusche war recht schnell leer. Die Vuvuzela hingegen können Sie 90 Minuten spielen, quasi bis zum letzten Atemzug. Solange man atmen kann, kann man diese Dinger benutzen. Da gibt es keine natürlichen Grenzen. Ich bin eigentlich nicht kulturpessimistisch, aber nach den Aufzeichnungen, die man auf Youtube hören kann, graut es mir. Auch die Userkommentare sprechen eine deutliche Sprache: Ich habe keinen gefunden, der die Vuvuzela gutheißt.

War das Verschwinden der Gaströte ein kultureller Fortschritt?

Ja. Sie war nur ein Warnsingnal mit klanglichstatischem Charakter. Wenn überhaupt, dann sind nur Instrumente mit flexiblen Tonhöhen, sprich: die eine Melodie spielen können, von Vorteil. Manche Vereine haben ja ihre Trompeter, die zur Stimmung positiv beitragen. Alles andere sind Lärminstrumente, die nichts zur Gesamtkultur beitragen. Die Kontinuität eines Spiels wird von Melodien, von textbasierten Beiträgen zu Spielsituationen oder Spielernamen getragen. Das ist das Lebendige an dieser Kultur, die von der Vuvuzela abgetötet wird.

Was macht nun die Vuvuzela mit dem Unterbewusstsein?

Wir wissen aus dem Verhalten von Tieren, dass sie beispielsweise mit einem Knurren aversives Verhalten äußern und damit einen Angriff vorbereiten. So eine Wirkung haben auch die Vuvuzelas. Sie erzeugen eine nicht positiv besetzte Atmosphäre. Wir haben übrigens auch beim Menschen historische Vorläufer gefunden. Vor über 2000 Jahren haben die Kelten den sogenannten Carnyx in Kämpfen gegen die Römer eingesetzt. Dieses Schlachtinstrument war gefürchtet, weil es nicht nur sehr laut war und ähnlich klang wie die Vuvuzela. Es hatte dazu noch eine visuelle Komponente. Am Kopfende befand sich nicht nur ein Schalltrichter, sondern ein stilisierter Wildschweinkopf aus Metall. Der Carnyx war über zwei Meter hoch und der Wildschweinkopf hatte eine Länge von 50 Zentimetern. Wenn der dann im Nebel plötzlich mit seinem schreckenerregenden Klang nebst einer wilden Horde Kelten vor den Römern auftauchte, dann kann ich mir schon Angstzustände vorstellen. Der Carnyx ist für mich deshalb die Mutter aller Vuvuzelas. (höre auch: Audio-Selbstversuch: Professor Kopiez bläst ins Horn)

In Ihrem Buch stellen sie dar, dass das Stadion nicht immer Ort des Gesangs war, sondern zufällige Folge beispielsweise der Popkultur in England. Wie verhält sich das in Afrika? Gibt es dort - unabhängig von der Vuvuzela - eine Fankultur?

Es gibt bezüglich Afrika wenige gesicherte Erkenntnisse. Das ist, wie auch Asien, gewissermaßen ein weißer Fleck der Forschung. Es wäre sicher ein interessantes Projekt, das interkultuell zu vergleichen. Anekdotisch witzig ist aber, dass uns bei unseren Nachforschungen der in Europa verbreitete „Ole,Ole,Ole“-Gesang in Ghana als Import aus Europa begegnet ist. Er heißt dort „European Football Power Song“.

Haben Sie nun eine Empfehlung für die wenigen deutschen Fans, wie sie sich gegen den Vuvuzela-Lärm denn noch in traditionell deutscher Gesangsform bemerkbar machen können? Die Schweizer haben ja immerhin die Kuhglocken, mit denen sie gegenhalten können ...

Ich schlage vor: Trompeter aller Vereine vereinigt Euch gegen die Vuvuzela! Schickt die Leute mit gutem Trompetenrepertoire dort hin, dann gibt es eine Chance, sich gegen die akustische Vuvuzela-Dampfwalze durchzusetzen. Als Donaldist kann ich nur sagen: „Lärm kann man nur mit Lärm bekämpfen“. Die Vuvuzela erfordert also ein Gegen-Instrument, das noch penetranter ist. Dieser Anforderung genügt die Trompete sehr gut, weil sie etwas höher in der Tonlage ist, einen tragfähigen Ton hat, der über weite Strecken reicht und die gut gespielt Leute gesanglich mitzieht.

Gibt es ein bestimmtes Trompetenstück, das gut geeignet wäre?

Mein spontaner Vorschlag wäre, hier den Namen des Endspielorts (Johannesburg) zu verwenden, z.B. mit dem Text „Wir fahr'n nach Johannesburg, Sha-la-la-la-la (…)“, gesungen auf die bekannte Melodie des Welthits von Boney M., „Brown girl in the ring“ von 1978. Das ist auch nicht schwierig zu spielen auf der Trompete.

Das Gespräch führte Daniel Meuren.

Quelle: FAZ.NET
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