17.06.2010 · Vor dem zweiten WM-Spiel Griechenlands an diesem Donnerstag gegen Nigeria (16 Uhr) scheint das Aus für Trainer Otto Rehhagel bereits beschlossene Sache. Der Portugiese Fernando Santos soll offenbar sein Nachfolger werden.
Finale für Otto Rehhagel und seine Griechen? Der Nachfolger für den einst als „Rehhakles“ gefeierten Coach steht schon bereit, und selbst ein Sieg gegen Nigeria wird den 71 Jahre alten Trainer wohl kaum vor dem Aus nach der Fußball-Weltmeisterschaft bewahren. Seinen Spielern soll Rehhagel schon vor dem zweiten Spiel in der Gruppe B an diesem Donnerstag in Bloemfontein die bevorstehende Trennung angedeutet haben: „Ich möchte erhobenen Hauptes gehen. Wir haben schöne Momente erlebt. Es kann sein, dass wir in einigen Tagen nicht mehr zusammen sind.“ Selbst für den Weltverband hat die Zeit nach Rehhagel offenbar schon begonnen. Im für die Pressevertreter eingerichteten Medien-Kanal in Internet hatte die Fifa die Abschluss-Pressekonferenz vor dem Spiel im Free State Stadion mit „Trainer Theofanis Gekas und Spielern“ an - auch wenn das wohl nur ein Versehen war.
Der frühere Frankfurter Sotiros Kyrgiakos, der nach dem blamablen 0:2 gegen Südkorea gegen Nigeria neu in die Startelf rücken dürfte, wies zurück, dass Rehhagel sich bereits vom Team losgesagt habe. „Er hat nie gesagt, dass er geht“, betonte der Abwehrspieler, fügte jedoch an: „Jeder kann die Worte interpretieren, wie er will.“ Darüber hinaus appellierte Kyrgiakos vor dem Duell mit den „Super Eagles“, die nach dem 0:1 gegen Argentinien ebenfalls unter Zugzwang stehen, an den Teamgeist: „Wir müssen zusammenhalten und 100 Prozent geben. Wir haben noch 90 Minuten und werden alles versuchen.“
Der Glanz ist längst verblasst
Die Zeitung „Kathimerini“ schrieb am Mittwoch in einem Kommentar bereits eine kritische Würdigung von Rehhagels Wirken. „Was Rehhagel zu geben hatte, ist vollendet. Auch wenn ein Wunder geschehen sollte und wir würden uns für das Viertelfinale qualifizieren, ändert es nichts daran. Das Verhältnis Rehhagel - Nationalmannschaft muss beendet werden.“ Er lasse, so die Kritiker des Deutschen, antiquierten und zu defensiven Fußball spielen und halte in Nibelungentreue an „Lieblingen“ wie Angelos Charisteas fest.
Doch der Glanz ist längst verblasst, auch wenn Rehhagel die Elf auf den letzten Drücker noch zur zweiten WM-Teilnahme nach 1994 führte. „Ob Rehhagel sich praktisch von den Spielern verabschiedet hat oder nicht, ist unwichtig. Wichtig ist, was wir sehen. Der Verband soll sich hinsetzen und einen Trainer finden, der sich mit dem griechischen Fußball auskennt“, riet die Zeitung „Eleftherotypia“. Der Nachfolger soll in dem Portugiesen Fernando Santos laut Medienberichten bereits gefunden sein.