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Gottes Gerechtigkeit? Irland genießt Frankreichs Desaster

18.06.2010 ·  Irland frohlockt: Das Desaster der französischen nationalmannschaft wird als ausgleichende Gerechtigkeit für das Handtor Henrys im Qualifikationsspiel gegen Irland empfunden.

Von Johannes Leithäuser, London
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Süßer hätte die Rache aus irischer Perspektive nicht ausfallen können: Ausgerechnet eine Mannschaft in grünen Trikots brachte der französischen Equipe jene WM-Niederlage bei, die auf der irischen Insel nicht als schadenfrohes Ereignis, sondern eher als göttliche Gerechtigkeit empfunden wird. Schließlich hatten die Franzosen vor gut einem halben Jahr durch ein – aus irischer Sicht – völlig regelwidrig entstandenes Tor die Hoffnungen der „Jungens in Grün“ von der atlantischen Insel auf eine Teilnahme an der Fußball-Weltmeisterschaft rüde zunichtegemacht. „Das ist genau das, was Frankreich verdient“, schrieb die Irish Times. „Da wird wohl kaum jemand eine Träne vergießen“, ergänzte der Irish Examiner.

Irland sah sich im November betrogen von der Ignoranz eines schwedischen Schiedsrichters und von der Unbeugsamkeit des Fußballweltverbandes, der jede Forderung nach einer Wiederholung des Spieles eisern abwehrte. Die Iren, zu jener Zeit ohnehin schwer getroffen von der globalen Wirtschafts- und Finanzkrise, hatten in ihrem Fußballglück einen vorübergehenden Trost gefunden. Doch nach Thierry Henrys erfolgreichem Handspiel vor dem Treffer von William Gallas versank die gesamte Nation, jedenfalls die Iren der Republik Irland, einen langen Moment lang in ihren – während langer Jahrhunderte der britischen Besatzung gekräftigten – schicksalsergebenen Minderwertigkeitskomplex.

Irland wendet sich den Nationalsportarten zu

Das Gefühl hielt sich ungefähr drei Tage lang, dann wandten sich die irischen Sportfans wieder den aktuellen Ereignissen in anderen Sportarten zu: Immerhin haben sie in der Kategorie „Nationalsportarten“ gleich mehrere zur Auswahl. Hurling gehört auf jeden Fall dazu, ein Spiel mit Ball und Schlägern, das womöglich die dinosaurierhafte Frühform anderer Ballsportarten wie Hockey oder Golf gewesen sein könnte. Weiters ist zu irischen Nationaldisziplinen auch Rugby zu zählen, dessen populärsten internationalen Wettbewerb, die „Six-Nations-Championship“, Irland just im vergangenen Jahr seit einem Vierteljahrhundert erstmals wieder gewann (in diesem Jahr hieß der Sieger allerdings Frankreich).

Die französische Nationalmannschaft unterlag Mexiko bei dem WM-Spiel am Donnerstagabend mit 0:2. Während bei den mexikanischen Fans die helle Freude der südafrikanischen Kälte keine Chance lässt, herrscht in Paris Wut über die Leistung der eigenen Mannschaft vor.

Dann gibt es noch Gaelic Football, also Gälischen Fußball, gemessen an den Zuschauerzahlen, das populärste Mannschaftsspiel in Irland, das in Teams von je 15 Spielern gespielt wird – allerdings auf einem Feld, das eher den Rugby-Regeln gemäß ausgestattet ist.

Um Verwechslungen zu vermeiden, wird der gewöhnliche Fußball in Irland häufig mit dem Begriff „Soccer“ markiert – wie in Amerika auch. Der offizielle Fußball-(also Soccer-)Verband wiederum heißt Irish Football Association. Dessen Internet-Seite verzichtete erhaben auf jedes Wort zum französischen WM-Auftritt. Stattdessen informiert der Verband über die irischen Qualifikationsgegner zur EM 2012 – Frankreich gehört nicht dazu.

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