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Fehlentscheidungen bei der WM Blatter kündigt Debatte über technische Hilfe an

29.06.2010 ·  Wende beim Weltverband: Nach Tevez' Abseits- und Lampards Wembleytor schließt der Fifa-Präsident technische Hilfsmitteln nun nicht mehr kategorisch aus. Blatter entschuldigte sich bei England und Mexiko für die krassen Fehlentscheidungen.

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Nach mehreren krassen Schiedsrichter-Fehlentscheidungen bei der WM in Südafrika schließt Fifa-Präsident Joseph Blatter die Einführung von technischen Hilfsmitteln im Fußball nicht mehr aus. „Nach den bisherigen Erfahrungen bei dieser WM wäre es Nonsens, das Thema Torlinien-Technologie nicht noch einmal zur Sprache zu bringen“, sagte Blatter am Dienstag in Johannesburg.

Ein erstes Gespräch mit den Mitgliedern des International Football Association Boards (IFAB), die in Regelfragen das letzte Wort haben, soll es bei einem Arbeitstreffen am 21. und 22. Juli in Cardiff geben. Die nächste reguläre Sitzung hätte es erst im März 2011 gegeben. Bisher hatte die Fifa die Einführung eines Chips im Ball oder des Videobeweises vehement abgelehnt. Zuletzt hatte sich das IFAB im März 2010 rigoros gegen technische Hilfe ausgesprochen. Für die laufende WM schloss der 74 Jahre alte Blatter eine Regeländerung aus. „Wir können nicht für zehn Spiele etwas ändern“, sagte der Schweizer.

Blatter machte allerdings klar, dass ausschließlich die Einführung einer Torlinie-Technologie zur Diskussion stehe. „Den Videobeweis wie im Eishockey wird es nicht geben, dafür gibt es im Fußball zu wenige Unterbrechungen“, sagte der Schweizer, der zuvor zu den Vorkommnissen im WM-Achtelfinale geschwiegen hatte. Der Fifa-Präsident betonte auch, dass das argentinische Abseitstor gegen Mexiko durch den Einsatz von technischen Hilfsmitteln nicht zu verhindern gewesen wäre, weil es ein krasser menschlicher Fehler des Schiedsrichter-Gespanns gewesen sei.

„Die Engländer haben sich für meine Entschuldigung bedankt“

Im Achtelfinale zwischen Deutschland und England (4:1) hatte Schiedsrichter Jorge Larrionda aus Uruguay ein klares Tor von Frank Lampard nicht gegeben, obwohl der Ball nach einem Lattentreffer rund 40 Zentimeter hinter der Linie aufgesprungen war. In der Partie Argentinien gegen Mexiko (3:1) übersah Schiedsrichter Roberto Rosetti beim Führungstreffer der Südamerikaner eine klare Abseitsstellung des Torschützen Carlos Tevez.

Blatter erklärte, er habe sich bei den betroffenen Teams aus England und Mexiko für die schlechten Schiedsrichter-Leistungen entschuldigt. „Ich habe ihnen gesagt: Es tut mir leid, was geschehen ist“, erklärte der Fifa-Präsident. „Die Engländer haben sich für meine Entschuldigung bedankt und haben akzeptiert, dass man manchmal verlieren und manchmal gewinnen kann. Die Mexikaner haben ihren Kopf gesenkt und es ebenfalls hingenommen.“ Blatter versprach zudem noch größere Anstrengungen, um die Schiedsrichter besser auszubilden und auf die Anforderungen bei den großen Turnieren vorzubereiten.

Die beiden Torrichter könnten Standard werden

Für die Einführung technischer Hilfsmittel im Fußball ist ausschließlich das IFAB als Regelwächter des Fußballs zuständig. Anfang März dieses Jahres hatte das aus traditionell vier britischen Vertretern (England, Schottland, Wales und Nordirland) und vier Abgesandten der Fifa bestehende Gremium technischen Hilfsmitteln eine Absage erteilt. In den Bezug auf die Chip-Technologie hat Blatter allerdings Vorbehalte, „denn die Produktion für alle Profiligen ist problematisch“.

Eine weitere Möglichkeit könnte die Einführung von zwei Torrichtern sein, wie Blatter mit Verweis auf die Fifa-Statuten erklärte. Diese Möglichkeit der Unterstützung des Schiedsrichters, der beiden Assistenten und des Vierten Offiziellen wird durch die Europäische Fußball-Union (Uefa) forciert. Bereits in der Saison 2009/2010 waren die beiden Torrichter in Europa-League-Begegnungen getestet worden. Sie werden in der neuen Saison auch in der Champions League und in den Qualifikationsspielen für die Euro 2012 in Polen und der Ukraine zum Standard gehören.

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