21.06.2010 · In Österreich sorgt die deutsche WM-Niederlage gegen Serbien für Jubelstürme. In seiner Häme kennt das Land keine Höflichkeitsgrenzen mehr. Man ist sich einig: Schöner war nur der Sieg gegen die Piefkes 1978 in Córdoba.
Von Dirk SchümerSkepsis und Sorge mag die deutsche Niederlage gegen Serbien daheim ausgelöst haben. Das vermaledeite 0:1 hat aber immerhin auf neutralem Boden für Jubelstürme gesorgt: in Österreich. Die dortige Nationalmannschaft hat sich, wie fast immer, nicht für Südafrika qualifizieren können, der Schadenfreude gegenüber dem erfolgreicheren Nachbarn tut das aber keinen Abbruch. „Deutschland blamiert sich gegen Serbien“ - diese Schlagzeile lachte den Österreichern groß vom Boulevard entgegen. Die Blattmacher kalkulierten korrekt: Wenn Spielberichte von der Weltmeisterschaft sonst auf den hinteren Seiten landen, so konnte man mit einer vermeintlichen deutschen „Blamage“ (gesprochen „Blamaaasch“) die heikle Laune der Landsleute schlagartig bessern.
Zu wem man denn halten solle, dazu gab schon vor der WM das katholische Wochenblatt „Die Furche“ der Leserschaft einen Fingerzeig: „Mischen wir uns unter die Favoriten, lassen wir Brasilianer oder - horribile dictu - Deutsche um uns sein.“ Was an den Deutschen denn so horribel ist, davon können sich die Österreicher im Werbefernsehen ihr Bild machen. Im Spot eines Elektronikkaufhauses plant ein Österreicher eine Fan-Reise nach Südafrika. Aber das Wetter ist dort winterlich und - oje - „die Deitschn san oa da“. Und dann walzen im Schwarzweißtrikot vier verfettete, besoffene, grölende Deutsche ins Bild, um unseren armen Österreicher mit Bratwurstfett und Senf zu beschmieren, mit Bier zu übergießen, zu rülpsen und ihn am Ende auch noch eklig abzulecken. Die Konklusion ist klar: Um derart widerliche Kontakte zu vermeiden, bleib ich besser daheim und kauf mir einen neuen Fernseher.
Eine derartige Reklame mit Bezug auf - sagen wir mal - Afrikaner oder Israelis hätte diplomatische Verwicklungen oder eine Klage vor dem Gerichtshof für Menschenrechte zur Folge. Aber es geht hier ja nur um Deutsche, die ihre allbekannte Humorlosigkeit auch noch dadurch bestätigen, dass sie sich über solch harmlose Witzchen immer gleich aufregen. Auch in den österreichischen Kinos ist die Hassreklame der Brüller. Fast so schön wie der Sieg gegen die Piefkes 1978 in Córdoba.