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Fußball-Nationalmannschaft Vorteil Trochowski

07.07.2010 ·  Thomas Müller muss im Halbfinale gegen Spanien am Mittwochabend wegen einer Gelbsperre pausieren. Piotr Trochowski wird den deutschen Senkrechtstarter wohl ersetzen – doch es gibt auch eine andere Möglichkeit.

Von Michael Ashelm, Durban
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Diese Lücke muss erst einmal adäquat gefüllt werden: fünf Spiele, vier Treffer und drei Torvorlagen. Der Ausfall des Senkrechtstarters Thomas Müller für das WM-Halbfinale gegen Spanien wegen einer Gelbsperre hält viele Freunde der deutschen Nationalelf in Atem – die Mannschaftsleitung und maßgebliche Spieler wiegeln allerdings vor der Partie an diesem Mittwoch in Durban (20.30 Uhr/ live im ZDF und FAZ.NET-WM-Liveticker) ab. „Wir müssen uns mit der Situation abfinden. Aber ich bin sicher, die Aufgabe wird von demjenigen, der Thomas ersetzen wird, zu meiner Zufriedenheit erledigt werden“, sagte Bundestrainer Joachim Löw.

Es gibt in dieser Sache einen nicht so schönen Vergleich mit der Weltmeisterschaft vor vier Jahren in Deutschland, als Torsten Frings wegen einer Tätlichkeit nach dem Argentinien-Spiel für das Semifinale gegen Italien ausgeschlossen wurde (siehe auch: Fifa-Urteil: Torsten Frings gegen Italien gesperrt). Das Fehlen des wichtigsten Mitstreiters von Kapitän Michael Ballack im defensiven Mittelfeld gilt seither als einer der Gründe, weshalb der große Titeltraum damals platzte. Parallelen werden allerdings von den Beteiligten nicht gerne gezogen. Die deutsche Elf zeigt sich überzeugt, Müllers Ausfall anders als den von Frings kompensieren zu können. „Unsere Mannschaft ist heute breiter und stärker aufgestellt als vor vier Jahren. Gerade im Mittelfeld sind wir schwer auszurechnen. Wir haben technisch starke Spieler, mit Bastian Schweinsteiger einen, der eine überragende Saison gespielt hat und wirklich ein Regisseur ist. Du kannst im Mittelfeld anspielen, wen du willst – der Ball bleibt am Mann“, sagt Innenverteidiger Arne Friedrich. „Wir haben uns weiterentwickelt und können über uns hinauswachsen.“

Dass ein Thomas Müller auf seine spezielle Art nicht zu ersetzen ist, leuchtet dennoch ein. Kein anderer entwickelte zuletzt auf der rechten Mittelfeldseite einen solchen Tordrang, zeichnete sich durch Ballfertigkeit, Kopfballstärke, unorthodoxe Laufwege und seine unermüdliche Einsatzbereitschaft aus. Müller überflügelte den in der Vorbereitung auf dieser Seite noch gesetzten Piotr Trochowski. Der Hamburger geht noch kunstvoller mit dem Ball um, verfügt über eine gefährliche Schusstechnik, doch ist sein Spiel weniger zielgerichtet und manchmal verschnörkelt.

Dennoch werden ihm die größten Chancen zugestanden, im Halbfinale aufzulaufen – zumal ihn der Bundestrainer in den zurückliegenden drei WM-Spielen jeweils für Müller einwechselte. „Ich fühle mich gut und würde gerne spielen“, sagt der 26 Jahre alte Trochowski. Die EM vor zwei Jahren war für ihn eine große Enttäuschung, er kam nicht für eine einzige Minute aufs Feld.

Kroos als Überraschung für die Spanier?

Löw ist immer für Überraschungen gut, macht er die endgültige Aufstellung doch im Einzelfall auch von der Analyse des Gegners abhängig. Und so gibt es selbstverständlich eine Alternative zu Trochowski. Der Bundestrainer selbst brachte Toni Kroos und sogar den angeschlagenen Cacau (Wirbelblockade) ins Gespräch. Kroos galt zeitweise als das Wunderkind des deutschen Fußballs, ist vielfältig begabt, verfügt ebenfalls über einen dynamischen Zug zum Tor und kann vor allem aus der Distanz hart schießen. Aber seine Lieblingsposition ist die linke Mittelfeldseite, wo er auch in Leverkusen meist eingesetzt wurde. Zudem gilt er derzeit im Nationalteam als Ersatzmann für die defensive Mittelfeldzentrale, falls hier Bastian Schweinsteiger oder Sami Khedira ausfallen sollte.

Der 20 Jahre alte Kroos hinterließ während der vergangenen Tage im Training einen überaus motivierten Eindruck, zudem käme sein Einsatz wohl für die Spanier weitaus überraschender als der von Trochowski. Der Spieler selbst zeigt sich bereit für die Aufgabe, auch wenn sie nicht direkt seinem Profil entspricht. „Ich empfinde es als großes Lob, dass der Trainer mir sogar diese Position zutraut. Wenn man schon bei der Nationalmannschaft dabei ist, würde man gern auf vielen Positionen spielen – natürlich auch rechts“, sagt Kroos. Dagegen hat der ausgebildete Stürmer Cacau nur Außenseiterchancen.

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