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Deutsches Mannschaftsquartier Mit dem Charme eines Luftschutzbunkers

07.06.2010 ·  Außen kitschig, innen düster: Das Velmore ist vermutlich das ungastlichste Hotel, das sich der DFB aussuchen konnte. Die deutsche Nationalmannschaft ist heute dennoch eingezogen.

Von Thomas Scheen, Pretoria
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Der erste Tag der deutschen Nationalmannschaft auf südafrikanischem Boden nach der Ankunft in Johannesburg heute dürfte ein anstrengender. Nach einem elf Stunden dauernden Flug will die Auswahl des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) noch am selben Tag ein erstes öffentliches Training in Pretoria absolvieren. Immerhin: In der Kategorie schöner Reisen haben die Deutschen die anderen Mannschaften locker abgehängt. Nicht weniger als der erste Linienflug der Lufthansa mit einem Airbus A380 war es, der das DFB-Team ans Kap beförderte. Ob das Team um Trainer Joachim Löw indes in der Kategorie schöner Wohnen ebenfalls beeindrucken wird, darf bei der Wahl des Quartiers für die kommenden vier Wochen bezweifelt werden. Die Unterkunft der Deutschen, das angebliche Vier-Sterne-Hotel Velmore Grande bei Pretoria, ist die mit Abstand umstrittenste Fußballerherberge und war sogar Gegenstand einer parlamentarischen Debatte in Südafrika. Im Kern ging es dabei darum, ob sich eine Stadtverwaltung, in diesem Fall die von Pretoria, von einem Hotelbesitzer erpressen lassen soll, nur weil der illustre Gäste erwartet.

Der Besitzer des Velmore, Emil Keyser, hat speziell für das deutsche Team einen zweiten Hoteltrakt errichten lassen, für den er keine Baugenehmigung hat. Das ist an sich nichts Ungewöhnliches in Südafrika, weil die Behörden derart langsam sind bei der Zuteilung von Genehmigungen, dass nahezu jeder Bauherr drauflosbaut und die Konventionalstrafe gleich mit einkalkuliert. Beim Velmore-Hotel aber kam hinzu, dass sowohl der neue Trakt als auch das 2004 fertiggestellte Haupthaus nach Auffassung des Landwirtschaftsministeriums der Provinz Gauteng unterhalb der Flutlinie des Hennops-Flusses liegen, der das Hotelgelände durchquert.

Vorläufige Betriebserlaubnis

Bei der Gelegenheit kam heraus, dass das Velmore-Hotel seit 2005 Ärger mit dem Landwirtschaftsministerium hat wegen Verstößen gegen Umweltauflagen. Selbst die südafrikanische Polizei hatte den Deutschen nahegelegt, sich ein anderes Quartier zu suchen, weil das Gelände nicht ihren Sicherheitsansprüchen genügt. Tatsächlich ist das Hotel zur Straße hin zwar von einer Mauer und schweren Eisengittern geschützt. Nach hinten aber, jenseits des Hennops-Flusses, existiert nicht einmal ein Drahtzaun.

In der vergangenen Woche schließlich erteilte ein Gericht in Pretoria eine vorläufige Betriebserlaubnis für das Hotel, wobei davon ausgegangen werden darf, dass der Internationale Fußball-Verband (Fifa) hinter den Kulissen einigen Druck ausgeübt hat. Das Velmore ist dem DFB schließlich von der Fifa-Agentur Match angeboten worden, die im Falle einer Schließung Ersatz hätte besorgen müssen.

Hochwassergefahr gering

Die provisorische Betriebserlaubnis ist mit strengen Auflagen verbunden. So muss das Management des Velmore tägliche Wetterberichte an die Stadtverwaltung schicken, die alle zwölf Stunden aktualisiert werden müssen, um auf ein Hochwasser des Hennops vorbereitet zu sein. Zudem wurde das Hotel aufgefordert, Evakuierungspläne für das Trainingsgelände, die beiden Schwimmbäder und das Spa zu erstellen, weil diese Einrichtungen unterhalb der Flutlinie liegen.

Das klingt dramatischer, als es ist, weil die Winter in Südafrika trocken und die Hochwassergefahr entsprechend gering ist. Das Gerichtsurteil ist vielmehr der Versuch der südafrikanischen Verwaltung, den „Goldgräbern“, wie die auf schnellen Profit erpichten Investoren genannt werden, ihre Grenzen aufzuzeigen. Dass die Betreiber des Velmore zweifellos zu dieser Kategorie gehören, zeigen alleine die Beanstandungen am Neubau: Weder gab es Brandschutztüren noch Feuermelder.

Kleiner und buckliger Trainingsplatz

Jenseits des juristischen Streits, für den der DFB nichts kann, ist das Velmore wohl das ungastlichste Hotel, das sich in diesem Teil Südafrikas finden lässt. Das ist umso unverständlicher, als es in Gauteng an allem mangelt, nur nicht an opulenten Herbergen mit angeschlossenem 18-Loch-Golfplatz. Über Geschmack lässt sich bekanntlich nicht streiten, aber diese Unterkunft ist einfach nur deprimierend. Das kitschige Äußere wird in seiner Hässlichkeit vom düsteren Ambiente im Innern noch übertroffen. Die alles beherrschenden Farben sind Schwarz und Dunkelbraun, womit das Velmore in etwa den Charme eines Luftschutzbunkers versprüht.

Es gibt einen kleinen und buckligen Trainingsplatz, der an den Fluss angrenzt, für die Benutzung der beiden Pools empfiehlt sich bei der derzeitigen Witterung eine Qualifizierung als Eistaucher, und mitunter bleibt das warme Wasser in den Zimmern ein schöner Traum. Die Verarbeitung der beiden Gebäude und die Qualität der Zimmerinterieurs sind lausig und sehen genauso aus, wie sie offensichtlich gemeint sind: geringe Investition, schnelle Amortisierung, satter Gewinn.

Trotzdem wird es kaum einem aus dem deutschen Team in den Sinn kommen, vor den Toren des Velmore nach Trost für die Augen zu suchen. Dafür sorgt allein die isolierte Lage des Hotels. Die benachbarte Käsefabrik ist wahrlich keine Attraktion, und die einzige Abwechslung, die das nächste Dorf zu bietet hat, ist der wöchentliche Altkleidermarkt.

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