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4:0 gegen Argentinien Deutschland stürmt ins WM-Halbfinale

03.07.2010 ·  Welch eine Leistung: Mit 4:0 besiegt die deutsche Nationalelf Argentinien. Thomas Müller trifft früh per Kopf, Miroslav Klose mit zwei Toren und Arne Friedrich machen alles klar.

Von Michael Ashelm, Kapstadt
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Deutschlands führende Frau gratulierte als eine der Ersten in der Kabine. „Das ist ein Traum“, sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel zu den deutschen Spielern. Und dann gab sie ihnen noch einen Wink der Hoffnung mit auf den Weg in die letzte WM-Woche, bevor sie sich wieder auf den Rückflug nach Deutschland begab. „Es ist so nahe.“ So nahe der Traum vom Finale, so nahe eine der größten Erfolgsgeschichten des deutschen Fußballs.

Denn der Siegeszug der deutschen Nationalmannschaft bei dieser Fußball-Weltmeisterschaft wird immer ungeheuerlicher. Nach dem Erfolg über England folgte am Samstag der nächste Coup mit dem 4:0 im Viertelfinale gegen die hocheingeschätzten Argentinier. Zwei Tore von Miroslav Klose (68. und 89. Minute) sowie die Treffer von Thomas Müller (3.) und Arne Friedrich (74.) markieren einen neuen Höhepunkt bei dieser WM-Mission.

„Diese Mannschaft war getrieben von einem unglaublichen Ehrgeiz. Wenn sieht, mit welcher Kraft und mit welchem Tempo sie Druck gemacht und die Tore herausgespielt hat, war das klasse“, sagte Bundestrainer Joachim Löw. Dann lobte er den an diesem Tag überragenden Bastian Schweinsteiger, der wieder einmal das Herz und der Motor des deutschen Spiels war. „Es war ein grandioses Länderspiel von ihm, was er gelaufen ist und gearbeitet hat. Er hat die Mannschaft geführt und sie organisiert. Bei fast jedem Angriff war er in der Offensive“, sagte Löw.

Nach Brasilien versinkt nun auch Argentinien in einem Tränenmeer der Enttäuschung. Die verheerende Niederlage bedeutet wahrscheinlich auch das Ende des Nationaltrainers Diego Maradona. Dieser zeigte sich am Samstag in tiefer Trauer und wusste nicht, ob er überhaupt noch weitermachen wollte. „Das ist die schwerste Niederlage meines Lebens, ein Schlag ins Gesicht“, sagte Maradona.

Torschütze Thomas Müller fehlt im WM-Halbfinale

Dafür darf Deutschland feiern. Einziger Negativpunkt des sensationellen Abends von Kapstadt: Der wie Schweinsteiger ebenso überragende 20 Jahre alte Torschütze Müller kann nach seiner zweiten Gelben Karte nicht am Halbfinale am Mittwoch in Durban gegen Spanien (20.30 Uhr / FAZ.NET-WM-Liveticker) teilnehmen. Er ist gesperrt. „Natürlich habe ich mich geärgert, aber ich werde das schon packen“, sagte der Münchner.

Der Bundestrainer hatte seine Siegerelf vom England-Spiel von Beginn an gegen die Argentinier aufgeboten. Löw hatte vor der Partie betont, wie hoch er vor allem die Offensivqualitäten des Gegners einschätzte. Die stürmischen Stars Lionel Messi, Gonzalo Higuain, Carlos Tevez und Angel di Maria waren bei dieser WM bisher der Schrecken jeder Abwehr. Doch man traute seinen Augen nicht: Ein konzentrierter Start brachte der deutschen Mannschaft schnell den erhofften Vorteil.

Diego Maradona stampft mit den Füßen auf den Boden

Vor den Augen der Bundeskanzlerin und dem verletzten Michael Ballack, die beide auf der Tribüne Platz nahmen, sorgte wieder Müller für den ersten Knalleffekt im Spiel. Ein schön gezirkelter Freistoß von links von Bastian Schweinsteiger landete auf dem Kopf des Bayern-Kollegen, der nach drei Minuten per Kopfball zur schnellen Führung vollendete. Müllers vierter WM-Treffer.

Ein traumhafter Blitzstart, der die Argentinier schwer schockte. Ihr Trainer Maradona ärgerte sich am Spielfeldrand, stampfte mit den Füßen auf den Boden. Es dauerte zwanzig Minuten, bis seine Mannschaft besser ins Spiel kam. Vor allem die offensiven Kräfte der Argentinier brauchten einige Anlaufzeit, um Schwung aufzunehmen, was vor allem an den gut verteidigenden Deutschen lag. Wenn Miroslav Klose in der 24. Minute auf ein perfektes Zuspiel von Müller besser aufs Tor gezielt hätte, die Vorentscheidung wäre schon da gefallen.

Den Argentiniern fehlt eine echte Chance in Halbzeit eins

Zu ihrem Nachteil verlangsamten die Deutschen ihr anfangs so mutiges Spiel, gerade die Bewegung ohne Ball wurde weniger, wovon der Gegner profitierte. Messi und Tevez, mit sporadischer Unterstützung von Di Maria, setzten vor dem deutschen Strafraum einen kleinen Wirbel in Gang. Eine echte Torchance allerdings fehlte den Argentiniern in der ersten Halbzeit, dafür waren ihre Pässe zu schlampig.

Eine gute Figur machte in dieser Phase der deutsche Torwart Manuel Neuer, der Möglichkeiten von Tevez (20.) und Di Maria (33.) vereitelte und sich im Luftkampf immer robust durchzusetzen wusste. Zudem wirkte die Innenverteidigung mit Arne Friedrich und Per Mertesacker hellwach gegen die Vorstöße der Argentinier. Einziges Hiobsbotschaft vor der Pause: Müller erhielt in der 35. Minute wegen eines vermeintlichen Handspiels die Gelbe Karte - eine schwerwiegende Verwarnung.

Müller spitzelt, Podolski legt vor - und Klose trifft zum 2:0

Die Argentinier versuchten nach der Pause noch einmal nachzusetzen - doch ohne zählbaren Erfolg. In der 48. Minute verfehlt Di Maria das Tor der Deutschen nur knapp, dann retteten im Strafraum Mertesacker mit dem Kopf gegen Tevez (53.) und Kapitän Philipp Lahm per Grätschschritt gegen Messi (64.). Zudem zeigte sich wieder Torwart Neuer (63. und 65.) gut auf dem Posten. Die anstürmenden Argentinier wurden zwar besser, doch es fehlte die zwingende Torchance.

Und so mussten sie plötzlich den zweiten Schock hinnehmen. Wieder war Müller am Werk. Im Liegen gab er in der 68. Minute den Ball vor dem argentinischen Strafraum weiter an Podolski, der links die Übersicht bewahrte und Klose anspielte. Der hatte in seinem 100. Länderspiel für Deutschland keine Mühe, zum 2:0 zu erhöhen. Es war sein 51. Treffer für Deutschland - und der 13. in einem WM-Turnier. Da sprang die Kanzlerin in ihrer roten Jacke an der Seite des südafrikanischen Präsidenten Jacob Zuma begeistert von ihrem Sitzplatz auf.

„Damit habe ich im Leben nicht gerechnet. Wie ein Märchen.“

Und Maradona? Der sah das Ungemach wohl auf sich kommen. Wie versteinert stand er am Rand, Arme vor der Brust verschränkt, schon da der traurige Blick. Er wusste als Coach keine Antwort. Als ausgerechnet mit Friedrich ein Abwehrspieler der Deutschen das Ende der Argentinier in diesem Turnier besiegelte, war die Luft heraus aus dem argentinischen Spiel. Der überragende Schweinsteiger hatte sich auf der linken Seite durchgespielt und in der Mitte den heranstürmenden Friedrich bedient.

Der Innenverteidiger schob den Ball kraftvoll über die Linie - die Krönung einer tollen Weltmeisterschaft für ihn, dem im 77. Spiel für Deutschland endlich der erste Treffer gelang: „Damit habe ich im Leben nicht gerechnet. Das ist wie ein Märchen.“ Der Wille zur Wende der einfallslosen Argentinier war damit endgültig gebrochen. Mit dem Tor zum 4:0 (89.) schickte sie Klose in eine tiefe Depression. Im Unterschied zu der Niederlage bei der WM 2006 gratulierten die Argentinier am Ende aber mit fairer Geste.

Argentinien - Deutschland 0:4 (0:1)
Argentinien:
Romero - Otamendi (70. Pastore), Demichelis, Burdisso, Heinze - Maxi Rodriguez, Mascherano, Di Maria (75. Agüero) - Messi - Tevez, Higuain. - Trainer: Maradona
Deutschland: Neuer - Lahm, Mertesacker, Friedrich, Boateng (72. Jansen) - Khedira (77. Kroos), Schweinsteiger - Müller (84. Trochowski), Özil, Podolski - Klose. - Trainer: Löw
Schiedsrichter: Rawschan Irmatow (Usbekistan)
Tore: 0:1 Müller (3.), 0:2 Klose (68.), 0:3 Friedrich (74.), 0:4 Klose (89.)
Zuschauer in Kapstadt: 64.100 (ausverkauft)
Gelbe Karten: Otamendi, Mascherano (2) - Müller (2)

Quelle: FAZ.NET
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