Home
http://www.faz.net/-gaq-16qqf
Mehr Angebote
| Abo|Hilfe
Samstag, 11. Februar 2012
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER
Aktuelle Nachrichten online - FAZ.NET

0:2 gegen Argentinien Griechenland mauert sich ins WM-Aus

23.06.2010 ·  Trainer Rehhagel lässt seine Griechen stur auf torloses Remis spielen, doch die Taktik geht nicht auf: Argentiniens B-Team gewinnt 2:0 und trifft im Achtelfinale nun auf Mexiko. Griechenland ist draußen, doch Rehhagel verrät seine Zukunftspläne nicht.

Von Christian Kamp, Polokwane
Artikel Bilder (6) Lesermeinungen (2)

Lionel Messi wird diesen Abend in zwiespältiger Erinnerung behalten. Einerseits war es ein Ehrentag für den Star der Argentinier. In seinem 48. Länderspiel führte er sein Nationalteam zum ersten Mal als Kapitän an und war damit zugleich jüngster Spielführer der argentinischen WM-Geschichte. Andererseits wurde die Spielfreude des gerade noch 22 Jahre alten Fußballkünstlers doch erheblich gedämpft durch eine neunzigminütige Dauerbewachung durch Sokratis Papastathopoulos.

Das wichtigste aber aus argentinischer Sicht war, dass mit dem 2:0 gegen Griechenland am Dienstagabend im Peter-Mokaba-Stadion von Polokwane die Teilnahme am Achtelfinale unter Dach und Fach gebracht wurde. Martín Demichelis erzielte in der 77. Minute die Führung, Palermo erhöhte auf 2:0 (89.). Als Gewinner der Vorrundengruppe B trifft Argentinien am Sonntag auf Mexiko (siehe: 1:0 gegen Mexiko: Uruguay ist Gruppensieger).

Die Griechen hätten bei einem eigenen Remis und einem günstigen Ergebnis zwischen Nigeria und Südkorea ebenfalls noch in die nächste Runde einziehen können. So aber war es ihr letztes Spiel bei dieser WM und womöglich auch das letzte von Otto Rehhagel als Nationaltrainer. Sein Abschied nach neun Jahren, die vom Gewinn der Europameisterschaft 2004 gekrönt waren, wird in Griechenland allgemein erwartet. Der 71-jährige wollte sich zu seiner Zukunft aber nicht äußern: „Ich gebe überhaupt keine Entscheidung bekannt, meine Zukunft ist meine Privatsache“, erklärte er patzig im ZDF. Assistenz-Trainer Ioannis Topalidis gab allerdings seine Demission bekannt. Das WM-Aus nahm Rehhagel äußerlich gelassen: „Die Enttäuschung ist nicht so groß, denn wir haben gegen einen übermächtigen Gegner gespielt“, erklärte er.

Rehhagel wechselte drei Mal aus - aber keinen Stürmer ein

Die Argentinier konnten einigermaßen entspannt in dieses Spiel gehen. Nach den Siegen gegen Nigeria und Südkorea war ihnen der Einzug ins Achtelfinale ohnehin kaum noch zu nehmen. Trainer Diego Maradona machte seine Ankündigung wahr und schonte einige Stammkräfte. Neben Samuel (verletzt) und Gutiérrez (gesperrt) bekamen auch Heinze, Mascherano, di María, Higuaín und Tévez eine Pause. Dafür spielten Clemente Rodríguez, Burdisso, Bolatti, Verón, Otamendi, Milito und Agüero. Vor allem beim Blick auf das Sturmduo mit Milito vom Champions-League-Sieger Inter Mailand und Agüero vom Europa-League-Gewinner Atlético Madrid verbot sich der Gedanke an ein Wort wie „Reserve“.

Dass es dann aber vor den 38.890 Zuschauern doch ein eher wenig temperamentvoller Auftritt wurde, war gewiss der komfortablen Konstellation geschuldet. Die Manndeckung für Messi tat ihr Übriges, für Spielkunst blieb ihm kein Raum. Der 35 Jahre alte Verón versuchte, das Spiel zu lenken, doch meist in gemächlichem Tempo. Immerhin gaben sich die Argentinier überhaupt Mühe, etwas in Richtung Tor zu unternehmen. Und bei Schüssen von Agüero (19. und 32.), Verón (20.) und Messi (45.) fehlte nicht so viel.

Insgesamt war es aber ein überwiegend müder Kick. Von den Griechen blieben aus den ersten 45 Minuten vor allem zwei Szenen haften. Ein Zusammenprall von Samaras mit Demichelis, der beiden wehtat. Und dann noch die Grätsche von Samaras, mit der der einzige Stürmer in Rehhagels Team die Eckfahne erledigte. Auf mehr Offensive, etwa in Person von Gekas hatte Rehhagel wie erwartet verzichtet.

Die zweite Hälfte begann mit einer guten Chance für Samaras, der knapp vorbeischoss. Doch das war es dann schon wieder. Nach 55 Minuten hatte Rehhagel sein Wechselkontingent ausgeschöpft, ohne dass ein zweiter Angreifer ins Spiel gekommen wäre. Die Treffer gelang dann dem Münchner Demichelis aus dem Getümmel und Palermo. Es war wenig kunstvoll, aber höchst effektiv.

Griechenland - Argentinien 0:2 (0:0)
Griechenland:
Tzorvas - Papadopoulos, Moras, Kyrgiakos - Vyntra, Katsouranis (54. Ninis), Papastathopoulos, Tziolis, Torosidis (54. Patsatzoglou) - Karagounis (46. Spiropoulos) - Samaras. - Trainer: Rehhagel
Argentinien:
Romero - Otamendi, Demichelis, Burdisso, Clemente Rodriguez - Maxi Rodriguez (63. Di Maria), Bolatti, Veron - Messi - Milito (80. Palermo), Agüero (77. Pastore). - Trainer: Diego Maradona
Schiedsrichter:
Rawschan Irmatow (Usbekistan)
Tore:
0:1 Demichelis (77.), 0:2 Palermo (89.)
Zuschauer
in Polokwane: 38.891
Gelbe Karten:
Katsouranis - Bolatti

Quelle: FAZ.NET
Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen