Home
http://www.faz.net/-gao-wh2w
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER
Aktuelle Nachrichten online - FAZ.NET

Weltwirtschaftsforum Zum Abschluss skeptisch

27.01.2008 ·  Rund 2500 Teilnehmer haben sich in diesem Jahr in Davos versammelt. Die Gegner des „Gipfels der Reichen“ hielten sich in diesem Jahr zurück. Am Wochenende ist das große Treffen mit pessimistischen Blicken in die Zukunft zu Ende gegangen.

Artikel Bilder (1) Lesermeinungen (0)

Mit pessimistischen Blicken in die Zukunft ist das Weltwirtschaftsforum in Davos am Wochenende zu Ende gegangen. Angesichts der weltweiten Börsenturbulenzen und einer drohenden Rezession in den Vereinigte Staaten mahnte der Chef des Internationalen Währungsfonds (IWF), Dominique Strauss-Kahn, am Samstag weltweite Anstrengungen zur Abwendung einer Wirtschaftskrise an. Japans Ministerpräsident Yasuo Fukuda, dessen Land derzeit der G-8 vorsteht, forderte einen „Sinn für die Dringlichkeit“ abgestimmter Maßnahmen gegen eine Wirtschaftskrise. Der Chef der Europäischen Zentralbank (EZB), Jean-Claude Trichet, schloss erneut eine Senkung des EZB-Zinssatzes aus.

Ungeachtet dessen, ob die Vereinigte Staaten tatsächlich in eine Rezession gerieten, werde sich das Wachstum ihrer Wirtschaft deutlich verlangsamen, sagte Strauss-Kahn in dem Schweizer Skiort. „Jeder versteht, dass die Krise, die wir erleben, aus den Vereinigte Staaten kommt, aber es ist eine Krise, die auf weltweiter Ebene bekämpft werden muss.“ Der IWF-Direktor lobte, dass die amerikanische Notenbank den Zinssatz gesenkt und die Europäische Zentralbank (EZB) wiederholt Milliardenbeträge in den Markt gepumpt hätten. Weitere Zinssenkungen müssten jedoch möglich sein.

Die Wirtschaftskrise müsse nicht mehr nur mit Währungspolitik, sondern auch mit befristeten Maßnahmen in der Haushaltspolitik bekämpft werden, unterstrich Strauss-Kahn. Er betonte die Mitverantwortung der Schwellen- und Entwicklungsländer, da die Finanzkrise anders als von ihnen erhofft auch sie treffen werde.

Hoffnung liegt auf der Doha-Runde

Der japanische Regierungschef Fukuda, dessen Land Anfang des Jahres von Deutschland den Vorsitz der Gruppe der sieben führenden Industrienationen und Russlands (G-8) übernommen hatte, warnte in Davos vor einer „übertrieben pessimistischen“ Sicht auf die kommenden Probleme. „Aber gleichzeitig brauchen wir einen Sinn für die Dringlichkeit, wenn wir uns mit einem abgestimmten Handeln beschäftigen.“ Die amerikanische Außenministerin Condoleezza Rice hatte bei ihrer Rede zur Eröffnung des Forums am Mittwoch betont, dass ihr Land „ein wichtiger Motor des Weltwachstums“ bleibe.

EZB-Chef Trichet sagte mit Blick auf die weltweiten Börsenturbulenzen, eine Korrektur der Märkte sei notwendig und erwartet worden. Eine Senkung des EZB-Zinssatzes schloss er erneut aus. Nur die Bekämpfung von Inflation dürfe die Entscheidungen der Institution lenken.

In Davos kam Hoffnung auf, dass 20 der 151 Mitgliedstaaten der Welthandelsorganisation (WTO) bald die festgefahrenen Verhandlungen über die geplante umfassende Liberalisierung des Welthandels fortsetzen könnten. Möglicherweise werde im April ein Treffen stattfinden, um die Streitpunkte der im November 2001 in der katarischen Hauptstadt Doha begonnenen Verhandlungsrunde zu lösen, sagte die Schweizerische Wirtschaftsministerin Doris Leuthard. EU-Handelskommissar Peter Mandelson warnte vor einer „Beerdigung“ der Doha-Runde.

Wenig Proteste

In Davos hatten sich in diesem Jahr rund 2500 Teilnehmer versammelt. Dazu zählten neben Unternehmenschefs der Popstar Bono, UN-Generalsekretär Ban Ki Moon und knapp 30 Staats- und Regierungschefs wie der britische Premierminister Gordon Brown und der afghanische Präsident Hamid Karsai und sein pakistanischer Kollege Pervez Musharraf. Ein Hauptthema war die amerikanische Immobilienkrise und die davon ausgelösten schweren Kursstürze an den Weltbörsen. Auch der Milliardenbetrug bei der französischen Großbank Société Générale war bei dem Forum in aller Munde.

Die Forum-Gegner waren in diesem Jahr zurückhaltender. In Davos demonstrierten am Samstag rund 100 Menschen gegen den „Gipfel der Reichen“, in Bern etwa 300.

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen