22.01.2008 · Der große Optimismus, der die Davoser Konjunkturbetrachtungen des vergangenen Jahres geprägt hat, dürfte verflogen sein. Staatsfonds aus Kuweit, Korea oder Singapur sind die neuen Stars.
Von Carsten KnopDas Weltwirtschaftsforum in Davos wird in diesem Jahr ein Treffen besorgter Manager. Man wird zwar wie immer in betont zwangloser Atmosphäre zusammenkommen. Aber die Gespräche auf den Podien und im Rahmen abendlicher Einladungen dürften im Vergleich zum Vorjahr von erheblich größerem Ernst geprägt sein. Denn die Veranstaltung in den Schweizer Bergen findet inmitten einer tiefen Krise an den Finanzmärkten statt, die ihren Ursprung in schlechten amerikanischen Hypothekenkrediten hatte und die noch lange nicht beendet zu sein scheint.
Über die Auswirkungen der Krise auf die reale Wirtschaft und die Stimmung der Verbraucher wird in Davos gestritten werden. Die allgemeinen Diskussionsthemen rund um die Globalisierung der Wirtschaft, die interdisziplinäre Zusammenarbeit in grenzüberschreitenden Teams, die Innovationskultur in Unternehmen oder rund um Umwelt und Klimawandel, die sich die Veranstalter des Forums überlegt haben, werden von anderen Fragen überlagert werden: Wie lange wird die Unsicherheit noch andauern? Werden die Banken um die Welt weitere Milliardenbeträge abschreiben müssen?
Staatsfonds wittern ihre Chance
Der große Optimismus, der die Davoser Konjunkturbetrachtungen des vergangenen Jahres - zu Recht - geprägt hat, dürfte im Kongresszentrum und den umliegenden Hotels jedenfalls verflogen sein. Die Frage nach der Transparenz von Hedge-Fonds und privaten Finanzinvestoren, die vor zwölf Monaten die Gespräche in den einzelnen Foren und auch die Eröffnungsrede von Bundeskanzlerin Angela Merkel beherrscht hat, wird in den Hintergrund treten. Denn in den kommenden Tagen wird eher das Für und Wider der Investitionen sogenannter Staatsfonds betrachtet werden, die besonders den angeschlagenen Banken in diesen Wochen hilfreich zur Seite stehen. Für Private-Equity-Häuser hingegen, die Blackstones und KKRs, stimmt derzeit das finanzielle Umfeld nicht. Sie halten sich mit neuen Engagements auffallend zurück oder sagen gar Geschäfte ab, deren Finanzierung längst gesichert schien. Man darf sie als gefallene Stars von Davos bezeichnen.
Die Staatsfonds aber, ob aus Kuweit, Korea oder Singapur, wittern jetzt vor allem in dem einen oder anderen amerikanischen Finanzinstitut lukrative Möglichkeiten zur Geldanlage. Ihre Investitionen in die Citigroup und Merrill Lynch sind die jüngsten Beispiele. Welch ein Wandel: Charles Prince, der soeben entlassene Chef der Citigroup, war im vergangenen Jahr noch einer der wichtigsten Prominenten des Weltwirtschaftsforums. Jetzt ist er nicht mehr da. Der neue Merrill-Lynch-Vorstandsvorsitzende John Thain hingegen war im Januar 2007 noch Chef der New Yorker Börse Nyse. Damals konnte er ganz entspannt zum frühmorgendlichen Frühstück in ein gemütliches Hotel mit holzgetäfelten Wänden einladen. Von einer solchen Entspanntheit dürfte Thain angesichts der fortdauernden Sanierungsbemühungen im Haus seines neuen Arbeitgebers inzwischen weit entfernt sein.
Zur Konferenz nach Saudi-Arabien
Aber nicht nur die Geldspritzen für die großen Banken kommen aus asiatischen Ländern und dem Nahen Osten. Es spricht Bände für die gestiegene Bedeutung dieser Länder für die Weltwirtschaft, dass so wichtige Davos-Stammgäste wie Daniel Vasella, der Vorstandsvorsitzende des Schweizer Pharmakonzerns Novartis, und John Chambers, der Vorstandschef des amerikanischen Netzwerkausrüsters Cisco, vor dem Besuch in dem berühmten Ski- und Luftkurort eine Konferenz im saudi-arabischen Riad besuchen.
Dafür nehmen die beiden sogar in Kauf, erst einen Tag nach der offiziellen Eröffnung die Hand des auf dem Weltwirtschaftsforum (WEF) omnipräsenten Organisators Klaus Schwab schütteln zu können. Denn auch Industriekonzerne sind längst - und durchaus auch unabhängig von der Finanzkrise - auf die zahlreichen potenten Investoren aus Ländern angewiesen, in denen das politische System nicht immer das einer Demokratie sein muss.
Beruhigende Kundengespräche
Wie aber sollen die westlichen Staaten damit umgehen? Soll man sich vor dem zu großen Einfluss von Staatsfonds aus ungeliebten, weil undemokratischen Ländern absichern? Wo sollen die Grenzen gezogen werden? Und ist in der größten Not nicht beinahe jedes Geld willkommen? Die Davoser Antwort auf diese Fragen wird hoffentlich sein, dass zu viel staatliche Eingriffe in dieser Hinsicht eher schaden als nützen. Und dass die heutige Welt ohne eine grenzüberschreitende Zusammenarbeit von Investoren, Banken und Unternehmen nicht funktionieren kann.
Damit nähert sich die Diskussion dann doch dem WEF-Oberthema 2008, in dem es um die kreative Kraft der interdisziplinären Zusammenarbeit über Grenzen hinweg geht, die nicht zuletzt von Technologieunternehmen wie eben Cisco möglich gemacht wird. Gerade die amerikanischen Vertreter dieser Branche werden Davos einmal mehr zum Kontakt mit ihren Kunden nutzen. Beruhigende Kundengespräche werden den geplagten Bankern ebenfalls ein Anliegen sein. Denn die Krise soll ja wieder zu Ende gehen. Schließlich prägt Optimismus den Geist von Davos.
Carsten Knop Jahrgang 1969, Redakteur in der Wirtschaft, verantwortlich für die Unternehmensberichterstattung, zuständig für „Die Lounge“.
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