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Davos 2008 Hauptversammlung der Weltelite

23.01.2008 ·  Pünktlich im Januar verbreitet sich der vielbeschworene „Geist von Davos“ rund um den Erdball. Selbst die schärfsten Kritiker können dem Treffen nicht wirklich etwas anhaben. Hinter dem Erfolg des Weltwirtschaftsforums stehen Klaus Schwab und ein gutes Marketing.

Von Jürgen Dunsch
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Rund um die Welt wird mit Begeisterung getagt. Aber keine Veranstaltung unter all den Konferenzen und Kongressen hat es zu solcher Prominenz gebracht wie das Weltwirtschaftsforum in Davos. Zum 38. Mal strömen diese Woche mehr als 2500 Teilnehmer zur Jahreshauptversammlung der globalen Elite in die Schweizer Berge, um über die großen Fragen der Welt zu debattieren.

Den Organisatoren des World Economic Forum (WEF) gelingt es dabei jedes Mal von neuem, ein Lehrbeispiel für erfolgreiches Konferenz-Marketing abzuliefern. Der Lohn: Pünktlich im Januar verbreitet sich der vielbeschworene „Geist von Davos“ rund um den Erdball. Selbst die schärfsten Kritiker konnten in all den Jahren dem Treffen nicht wirklich etwas anhaben.

Das Erfolgsrezept

Das World Economic Forum, beheimatet in einem der nobelsten Vororte von Genf, beschäftigt 277 Mitarbeiter im Durchschnittsalter von 36 Jahren. Sie erwirtschafteten zuletzt Einnahmen in Höhe von 115 Millionen Franken, unter dem Strich stand ein Überschuss von 2,8 Millionen Franken, welcher der als Stiftung organisierten Unternehmung zugutekam.

Was ist das Erfolgsrezept? Es trägt einen Namen, den des WEF-Gründers Klaus Schwab. Der Professor für Betriebswirtschaft hatte Davos 1971 als Managertreffen gegründet. Der in Deutschland geborene Schweizer, der vor Jahren eine Krebskrankheit niederrang, ist ein Phänomen. Im öffentlichen Auftritt wahrlich kein Volkstribun und im Englischen stark vom schwäbischen Akzent seiner Heimat geprägt, offenbart er seine Qualitäten hinter den Kulissen.

Eitelkeiten der globalen Elite

Schwab ist ein zäher Arbeiter. Unermüdlich reist er rund um den Globus, pflegt seine Kontakte und überzeugt die Wichtigen dieser Welt, im Januar in die Schweiz zu kommen. Mit Erfolg hätschelt der Menschenfänger die Eitelkeiten der globalen Elite, die in Davos ihre Selbstinszenierung betreibt. Vor allem jedoch winken in den Schweizer Bergen neue Geschäftskontakte. Aber Schwab wird Ende März 70 Jahre alt. Damit erhebt sich jedes Jahr schärfer die Frage, was eigentlich nach seiner Ära kommt.

Persönlich hat sich der WEF-Gründer im Lauf der Jahre als „nachdenklicher Globalisierer“ zu profilieren versucht. Schon vor Jahren stiftete er einen Preis für soziales Unternehmertum. Manche sagen, dies geschehe aus innerer Überzeugung, andere sehen dies als eine besonders gelungene Form von Marketing. Regelmäßig hört man, er sei ein Kandidat für den Friedensnobelpreis. Tatsache ist, dass Schwab in Davos die dialogbereiten Globalisierungskritiker eingebunden hat. Er bietet ihnen mit dem „Open Forum“ eine eigene Bühne. Kostenbeitrag des WEF für das Kritikerforum: Vergleichsweise bescheidene 20.000 Franken.

„Young Global Leaders“

Zur eigenen Rechtfertigung der Veranstaltung in Graubünden, nach deren Vorbild inzwischen Regionaltreffen rund um die Welt entstanden sind, zeichnet das WEF regelmäßig ein Risikoprofil dieser Welt - erwartungsgemäß auf hohem Sorgenniveau. Dieses Jahr war es besonders leicht, konnte „Global Risk 2008“ doch die Finanzmarktkrise zu einem großen Thema erheben.

Wenige Tage später schob das Forum eine Analyse unter 61.000 Befragten in 60 Ländern nach. Ergebnis? Für die nachkommende Generation wird eine unsicherere Welt befürchtet. Allerdings müssen auch Kritiker des WEF zugestehen, dass es die Fortschritte der Technik entschlossen nutzt. Dies gilt für das Internet als Arbeitshilfe, als Debattenthema und als Einladung an deren meist jugendliche Protagonisten wie zum Beispiel die Gründer von Google oder Facebook. Dies gibt den „Young Global Leaders“ im Forum Auftrieb, fristen sie ansonsten doch ein ziemliches Nischendasein.

Es fehlt nicht an Bekundigungen

Angestrengt bemüht sich Schwab, Prominente für seinen Lenkungsausschuss zu gewinnen wie jüngst den früheren britischen Premier Tony Blair. Zugleich träumt er regelmäßig davon, in Davos eine weltpolitische Frage voranzubringen. Unvergessen sind die Zusammentreffen verfeindeter politischer Lager aus Deutschland, Südafrika und Nahost: Helmut Kohl und Hans Modrow 1990, Nelson Mandela und Frederik de Klerk 1992 sowie Schimon Peres und Jassir Arafat 1994. Aber das ist Vergangenheit.

2007 richteten sich einige Hoffnungen auf die sogenannte Doha-Runde der Welthandelsorganisation (WTO). Es fehlte nicht an vollmundigen Bekundungen zur Wiederbelebung der Freihandelsgespräche, so von der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel und von Tony Blair. Aber geschehen ist nichts.

Dieses Mal sind schon die Erwartungen niedrig. Wenig fassbar ist meist auch das Generalthema, unter das jedes Davos-Treffen gestellt wird. 2007 bildete eine Ausnahme. Der Elite-Treff stand nämlich unter dem Motto „Das sich verschiebende Machtgleichgewicht“. Gemeint war der Aufstieg der Schwellenländer. In Davos wurde damals auch über die Bedeutung der Staatsfonds diskutiert. Ein Jahr später sind sie als Stütze kriselnder Banken in aller Munde.

Quelle: F.A.Z., 23.01.2008, Nr. 19 / Seite 14
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Jahrgang 1948, Korrespondent für Politik und Wirtschaft in der Schweiz.

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