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Stimmung in der Wirtschaft Topmanager erklären Krise für beendet

 ·  Der Optimismus hat wieder Einzug gehalten in den Vorstandsbüros der großen Unternehmen. Das ist das Ergebnis einer Umfrage von Pricewaterhouse Coopers unter 1200 Vorstandsvorsitzenden, darunter 63 deutschen Managern.

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Der Optimismus hat wieder Einzug gehalten in den Vorstandsbüros der großen Unternehmen. Das ist das Ergebnis einer Umfrage der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft Pricewaterhouse Coopers (PWC) bei rund 1200 Vorstandsvorsitzenden von Unternehmen aus 54 Ländern. Aus Deutschland waren 63 Manager vertreten. Hoffnung gibt den Managern vor allem das kräftige wirtschaftliche Wachstum in Schwellenländern wie China, während viele für die westeuropäischen und amerikanischen Industrienationen erst anschließend eine durchgreifende Erholung erwarten. Der Blick auf die Schwellenländer verharrt indessen nicht bei den Großen. „Wenn wir auf die sich entwickelnde Welt wie den Mittleren Osten und Südostasien blicken, schauen wir nicht so sehr auf China oder Indien, sondern auf Länder wie Indonesien, Pakistan, Thailand, Vietnam und die Philippinen, die gewachsen sind und weiterhin wachsen“, bemerkt Phil Cox, der Vorstandsvorsitzende der britischen International Power PLC. „Sogar während der Krise sind diese Länder um 5 oder 6 Prozent gewachsen.“

„Zwei von drei Vorstandschefs prognostizieren einen Konjunkturaufschwung spätestens in der zweiten Jahreshälfte 2010, nur knapp 30 Prozent rechnen erst 2011 mit einer Erholung“, heißt es in der Studie. Dabei zeigen sich die deutschen Unternehmensführer im Vergleich mit ihren westeuropäischen Kollegen sogar als besonders optimistisch gestimmt: „Mit steigenden Umsätzen im laufenden Jahr rechnen 87 Prozent der Befragten in Deutschland; hingegen nur 71 Prozent im Vereinigten Königreich und 80 Prozent in Frankreich.“

Es hätte schlimmer kommen können

Unter den Vorstandschefs ist eine Ansicht verbreitet, wonach die jüngste Krise zwar schlimm war und auch noch nicht alle Risiken beseitigt sind, es aber durchaus noch schlimmer hätte kommen können. Gegenwärtig sehen sie sich in einer Phase, in der einerseits Kostendisziplin und Risikobewusstsein weiterhin im Mittelpunkt stehen, andererseits aber die aus der erwarteten Erholung sich ableitenden Wachstumschancen nicht verpasst werden sollen.

Kostensenkungen unter anderem durch Arbeitsplatzabbau stand in den vergangenen Monaten vor allem in Unternehmen aus der industrialisierten Welt im Vordergrund, aber mittlerweile erkennen auch die Manager in den Schwellenländern die Brisanz des Themas: „93 Prozent der Vorstandsvorsitzenden in China und Indien und 90 Prozent in Korea beabsichtigen Kostensenkungen in den kommenden drei Jahren im Vergleich zu einem Durchschnitt von 78 Prozent für die gesamte Welt.“

Abbau von Arbeitsplätzen bleibt ein Thema

Der Abbau von Arbeitsplätzen bleibt ein Thema. International erwarten 25 Prozent der Vorstandsvorsitzenden weitere Stellenkürzungen; in Deutschland sind es gar 40 Prozent. Umgekehrt wollen im laufenden Jahr 27 Prozent der deutschen Topmanager Arbeitsplätze schaffen, während die Vergleichszahl für Brasilien (61 Prozent), Indien (59 Prozent) und China (53 Prozent) deutlich höher liegt.

„Die Personalplanung deutscher Vorstandschefs erscheint nicht nur vor dem Hintergrund ihrer überdurchschnittlich hohen Wachstumserwartungen überraschend“, kommentiert Hans Wagener, der Vorstandssprecher von PWC Deutschland. „Auch der von ihnen selbst erkannte Fachkräftemangel spricht eher gegen einen Beschäftigungsabbau zur kurzfristigen Kostensenkung.“ So nennen 62 Prozent der deutschen Spitzenmanager Engpässe bei qualifiziertem Personal als Wachstumshindernis, jedoch nur 51 Prozent der Befragten insgesamt.

Deutlich erkennbar ist auch das Bemühen des Unternehmensmanagements, das Geld zusammenzuhalten. Ein Grund hierfür bilden Unsicherheiten über die künftige Fähigkeit der Banken, ausreichend Kredite zu vergeben. Kritik an den Banken ist aus der Industrie unüberhörbar. „Die Bank besitzt eine gesellschaftliche Aufgabe, die in der Finanzierung des Wachstums des Systems besteht“, betont Gerolamo Caccua Dominioni, der Vorstandsvorsitzende von Benetton. „Das wurde zum Schluss irrelevant. Relevant war nur noch die Schaffung von Mechanismen, mit denen man noch mehr Geld verdienen konnte.“

Während viele Manager die Beschaffung ausreichender Liquidität als das entscheidende finanzwirtschaftliche Problem des vergangenen Jahres betrachteten, sorgen sie sich nun vor allem um die Beschaffung ausreichenden Kapitals. 51 Prozent der Befragten insgesamt (und sogar 63 Prozent in Deutschland) stimmten der These zu, wonach die Banken zögerlicher in der Kreditvergabe geworden seien. Das gilt vor allem für kleinere Unternehmen.

SchwierigerZugang zu Bankkrediten erwartet

„Über die Hälfte der Vorstandsvorsitzenden erwartet einen schwierigeren Zugang zu Bankkrediten nach dem Einsetzen der wirtschaftlichen Erholung“, heißt es in der Untersuchung von PWC. „Wie immer man darauf blickt, so haben sich die Kapitalkosten definitiv erhöht“, befindet der Vorstandschef des britischen Spirituosenkonzerns Diageo, Paul S. Walsh. Die Finanzierung künftiger Investitionen gilt besonders dann als schwierig, falls als Folge von Inflation die Zinsen steigen sollten.

Einzelne Banken sehen sich jedoch als Gewinner innerhalb einer doch recht zerzausten Branche. „Ich denke, dass wir stärker werden und mehr Einfluss erlangen werden“, sagt Alfredo Sáenz vom spanischen Banco Santander. „Wir besitzen Kapital und ein gut ausgebautes Geschäft. Daher glaube ich, dass sich uns Gelegenheiten bieten werden.“

Mit der Krise hat die Sorge der Topmanager vor einer Zunahme staatlicher Eingriffe zugenommen. „Die Vorstandsvorsitzenden lehnen eine staatliche Regulierung keineswegs grundsätzlich ab, sie fordern jedoch Interventionen mit Augenmaß“, berichtete Wagener von PWC. „Insbesondere müssen die Vorgaben der Politik eindeutig und berechenbar sein.“ Insofern befürworten viele Manager eine enge Kooperation zwischen Staat und Wirtschaft. Staatliche Überregulierungen befürchten 71 Prozent der in Deutschland befragten Führungskräfte. „Wir brauchen sicherlich nicht noch mehr Regulierungen in der Medienbranche“, sagt Hartmut Ostrowski von Bertelsmann. „Aber wir haben in anderen Branchen gesehen, was geschieht, wenn Freiheiten missbraucht werden oder zu wenige Regulierungen existieren. Wir brauchen Regeln, die für alle Marktteilnehmer bindend sind.“

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Jahrgang 1960, Redakteur in der Wirtschaft, verantwortlich für den Finanzmarkt.

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