25.01.2010 · Wer in Davos die Wege nachgeht, die auf den „Zauberberg“ führen, kann sich in der Wirklichkeit verirren. Vom Versuch, eine Romanfigur zu werden - und wie aus drei Tagen drei Wochen werden können.
Von Edo ReentsOb ich das Zimmer mit der Nummer 34 haben könne? „Das gibt es nicht mehr“, sagt die Dame am anderen Ende der Leitung. Und ob die Zwergin noch im Hause sei, die immer im Speisesaal bedient hat, Emerentia mit Namen? Die Dame stutzt. Ich gebe auf: „Na, dann bis Sonntag!“ Ich fahre auf drei Tage.
Drei Tage, das sind nach Maßstäben des „Zauberbergs“ drei Wochen, wobei nach dortigen Berechnungen der Monat die kleinste Einheit ist. Settembrini würde es impertinent nennen, für diese kurze Zeit herzukommen; aber es gibt ihn genauso wenig mehr wie die Zwergin. So könnte der Aufenthalt in Davos ganz angenehm werden, zwanglos und unbeaufsichtigt von abendländischer Vernunft, für die Lodovico Settembrini, der Italiener, ja stand.
Wie wird es sein, diese versunkene Welt abzuschreiten und vielleicht etwas zu spüren vom Geist eines Romans, der den Müßiggang feiert wie kein anderer; der, in Gestalt seines Helden Hans Castorp, dem die Arbeit einfach nicht bekommt, Stimmung macht gegen die gewissenlos-tätigen Menschen und deren Erwerbsdrang; den man also im Grunde als ein antikapitalistisches Manifest bezeichnen könnte? Es ist jedenfalls, wenn man herausfinden will, was es damit an historischer Stätte noch auf sich hat, Eile geboten: In wenigen Tagen beginnt der Weltwirtschaftsgipfel, dann kommt hier niemand mehr zur Besinnung.
Der Taxifahrer ist kein Sendbote des Todes
Im Flachland hat Tauwetter eingesetzt, so dass erst nachdem der Zug weit auf Schweizer Boden vorgerückt ist, wieder Schnee in Sicht kommt. „Denn Station Landquart liegt vergleichsweise noch in mäßiger Höhe; jetzt aber geht es auf wilder, drangvoller Felsenstraße allen Ernstes ins Hochgebirge.“ Die Rhätische Bahn, in die man umsteigen muss, meistert ihre Aufgabe spielend. „Neben ihm auf der Bank lag ein broschiertes Buch namens ,Ocean steamships', worin er zu Anfang der Reise bisweilen studiert hatte; jetzt aber lag es vernachlässigt da, indes der hereinstreichende Atem der schwer keuchenden Lokomotive seinen Umschlag mit Kohlenpartikeln verunreinigte.“ Hans Castorp hatte sich seinerzeit, im Hochsommer 1907, mit Lesestoff versorgt, um sich auf seine Ingenieurslaufbahn einzustimmen, aus der dann nichts wurde, weil er sieben Jahre auf dem Zauberberg, dem Internationalen Sanatorium Berghof, blieb. Ich für mein Teil habe das Buch „Zauberberg-Wanderung“ eingepackt, das nun, ohne Kohlenpartikel, neben mir liegt. Die Autorin Marianne Rott hat „literarische Stationen auf dem Thomas-Mann-Weg“ verzeichnet, „vom Waldhotel Davos zum Thomas-Mann-Platz auf der Schatzalp“.
Diese beiden Örtlichkeiten streiten sich um das geistige Erbe wie Naphta und Settembrini um die Seele Hans Castorps. Zwar ist das Roman-Sanatorium stark dem heutigen Waldhotel nachempfunden; aber das ehemalige Sanatorium Schatzalp, das deutlich höher liegt und heute ebenfalls ein Hotel ist, spielt eine Rolle, die leitmotivisch nicht unterschätzt werden darf: Hier beginnt die Bobbahn, auf der die Leichen nach unten sausen, von denen Hans Castorp gleich in der allerersten Nacht träumt.
Ich beziehe mein Basislager im Waldhotel, auf 1600 Metern Höhe. Kein „Mann in Livree, mit Tressenmütze“ holt mich ab am Bahnhof Davos Platz wie damals Hans Castorp. Der Taxifahrer ist kein Sendbote des Todes, er meint es auf andere Weise gut: Im Auto herrschen 26 Grad. Mit erhitztem Gesicht betrete ich das nordöstlich auf mittlerer Hanghöhe gelege Haus, das mit seinen majestätischen blauen Leuchtbuchstaben schon von ganz weitem aus zu sehen war, und lasse den schweizerischen Singsang, in dem die Hotelfrau alles Wissenswerte herunterrattert, über mich ergehen. Mit Befriedigung nehme ich zur Kenntnis, dass man mir die Zimmernummer 107 zugedacht hat: Immerhin, eine 7 ist vertreten, das ist fast noch besser als die 34, die Hans Castorp hatte, die ja nur als Quersumme eine 7 ergibt.
Auf dem Weg in den ersten Stock sehe ich aus den Augenwinkeln noch den „Skiraum Settembrini“, den „Salon Chauchat“ und die „Toiletten Hans Castorp“ ausgeschildert, gehe der Sache aber nicht nach. Ich verstaue das Gepäck auf 107, vergewissere mich des prächtigen, schon am Telefon in Aussicht gestellten Blicks aufs Tal, das nun in glitzerndem Dunkel daliegt, und gehe dann, bewaffnet mit meiner Broschüre, hinunter in die Bar, die einen absolut nicht klinischen Eindruck macht. Redselige Rheinländer jenseits der Rentengrenze sitzen in Mannschaftsstärke beisammen - ein guter oder schlechter Russentisch, wie man will; ansonsten ist man ungestört.
Die Luft ist frisch - und nichts weiter
Der glatzköpfige Kellner bringt, statt des Kulmbachers, das Hans Castorp so dösig machte, einen halben Liter Feldschlösschen Hopfenperle und sorgt, ganz wie Settembrini in Hans Castorps Zimmer, sofort für helleres Licht. Gegen halb zwölf suche ich das Zimmer auf, in das keine anzüglichen Geräusche von nebenan dringen. Nach traumloser Nacht, gestärkt vom ausgezeichneten Frühstück, zu dem ich mich romangetreu gegen acht Uhr einfinde, betrete ich, mit Marianne Rotts Broschur unter dem Arm, gegen 10 Uhr den von der Gemeinde Davos vor drei Jahren eingerichteten, für Zauberberg-Verhältnisse also noch tauffrischen Thomas-Mann-Weg, der an der Rückseite des Waldhotels beginnt und den auch Hans Castorp und Joachim Ziemßen bei ihrem ersten gemeinsamen Spaziergang gegangen sind. Er hat zehn Stationen, an jeder ist eine Tafel mit einem „Zauberberg“-Zitat befestigt.
Leider schlage ich schon bei der ersten Abzweigung die falsche Richtung ein, weil ich nicht weiß, was mit dem „scharfen Knie“ gemeint ist, von dem im Roman die Rede ist, und, statt „steiler nach rechts“, flach nach links gehe. Obwohl ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht wissen kann, dass ich einen Fehler mache, habe ich das Gefühl, dass es der richtige Fehler ist, da er zu der Lizenz passt, die ich mir außerdem nehme - wenn schon herumirren, dann richtig! Castorp und Ziemßen nahmen diese Route, wie wir wissen, im Hochsommer. Jetzt aber ist knietiefer Winter, und so liegt es auf der flachen Hand, statt den Thomas-Mann-Weg nachzustiefeln, einfach das Schnee-Erlebnis nachzustellen, bei dem Hans Castorp seine herausragende Vision hatte (obwohl oder weil er dabei beinahe umgekommen wäre) und von dem wir nie erfahren werden, wo genau er dabei herumirrte. Der „Zauberberg“-Erzähler verfuhr, nicht nur, was die Örtlichkeiten betrifft, unzuverlässig; viele Bücher sind darüber schon geschrieben worden. Halten wir uns an den Geist, nicht an den Buchstaben.
Die Luft ist frisch - und nichts weiter. Sie entbehrt „des Duftes, des Inhaltes, der Feuchtigkeit“, sie geht leicht ein und sagt der Seele nichts. Von unten dringen gedämpft Verkehrsgeräusche herauf; vermutlich sind schon Planierraupen im Einsatz, die das Tal an die Anforderungen des Weltwirtschaftsgipfels anpassen. Bis auf hämmernde Spechte und herumtrippelnde Krähen, die sich kopfüber in die sich plötzlich auftuenden Schluchten stürzen, ist kein Leben zu sehen oder zu hören. Ein letztes Mal für Stunden höre ich die Kirchturmglocken im Tal, die elf Mal schlagen - Hans Castorp würde um diese Zeit sein erstes Kulmbacher trinken. Ich folge dem Schild „Winterwanderweg“, der, leider ohne Kilometerangaben, offenbar auch auf die Schatzalp führt.
Sind hier früher Leichen im Bob hinuntergesaust?
Das nun ganz eindeutig sonnige Wetter macht meine Pläne, wie Hans Castorp irgendwie in Turbulenzen zu geraten, von vornherein zunichte. Andererseits: Was ist, wenn sich hier, in der nun schon fast absoluten Stille, durch ein einziges Geräusch eine Lawine löst - eine Gefahr, die von den Graubündener Zeitungen heute morgen immerhin als „mäßig“ bezeichnet wurde? Plötzlich lese ich: „Nicht nur der Humanismus, - Humanität überhaupt, alle Menschenwürde, Menschenachtung und menschliche Selbstachtung sei untrennbar mit dem Worte, mit Literatur verbunden -, und so sei auch die Politik mit ihr verbunden, oder vielmehr: sie gehe hervor aus dem Bündnis, der Einheit von Humanität und Literatur, denn das schöne Wort erzeuge die schöne Tat.“
Es wird nicht nötig sein, den Leser zu verständigen, dass es sich hierbei um das gedankliche Eigentum Herrn Settembrinis handelt; und so steht es wortwörtlich auf der Tafel Nummer 5. Vier habe ich, herumirrend wie Hans Castorp seinerzeit im Schnee, verpasst. Rein themtatisch bin ich offenbar genau an der richtigen Stelle auf den rechten Weg eingebogen, auf dem ich beflügelt, wenn auch auf Grund der nun spürbareren Steigung leicht schwitzend fortfahre. Tafel 6, die das Leben als ein Mittelding zwischen Materie und Geist definiert, lasse ich als eine Selbstverständlichkeit links liegen, und da kommt irgendwann die Holzbrücke in Sicht, unter der die blau-gelbe Bergbahn steht - „Schatzalp“ ist erreicht! Dass ich dazu satt der vorgegebenen fünfunddreißig Minuten deren neunzig gebraucht habe, steigert meine Erleichterung eher noch.
Ob es stimme, dass hier früher Leichen im Bob heruntergesaust sind und wo das genau gewesen sei, frage ich an der Rezeption, die sofort den Direktor ruft. Der Chef des gewaltigen Komplexes, der über eine einhundertfünf Meter breite Front verfügt, führt mich, sichtlich froh, einen Zauberberg-Interessenten begrüßen zu können, sofort durchs ganze Haus, das sich, wie schon von außen zu sehen ist, den modernen Zeiten viel weniger angepasst hat als das Waldhotel. „Wir sind der Zauberberg!“, sagt ohne weiteres Martin Nowak, der vielleicht vierzig Jahre alt ist und aus Jena stammt. Willkommen also auf 1861 Metern Höhe! Die Medizin, erzählt Nowak, wolle wissen, dass Tuberkel-Bazillen schon auf 1500 Metern unschädlich seien; aber darauf solle man es lieber nicht ankommen lassen. Wir inspizieren einige von den gut neunzig Zimmern, bewundern dabei allerlei Kuriosa wie eine hölzerne Toilettenspülung und stapfen auch ums Haus herum durch den Schnee, wobei der nur mit einem Nadelstreifenanzug bekleidete Nowak auf meine Bedenken hin klassisch-zauberbergisch sagt: „Mich friert nicht.“ Schließlich steigen wir ins Gewölbe hinab, durchqueren den noch heute noch so genannten Leichengang, und dann öffnet der Direktor eine Klappe: Also von hier aus rutschten die Leichen ins Tal? „Ja!“ Nowak strahlt.
Der geniale Weg führt über den Tod
Ein Schild verweist auf einen Wasserfall - etwa jenen, an dem Mynheer Peeperkorn, der großartige Holländer, seine Rede hielt, die man aber auf Grund des tosenden Wassers schon rein akustisch nicht verstehen konnte? Ich mache mich auf eigene dahin Faust auf. Unterwegs glaube ich schon plätscherndes Wasser zu hören - träume, halluziniere ich wie ein Wüstenwanderer? Der Weg spitzt sich zu und nach einer Weile, die die von Nowak geschätzten fünf Minuten um ein Vielfaches übertrifft, erreiche ich den Wasserfall. Er steht still und stumm da: total eingefroren. Wie Riesenschlangen hängen die vereisten Wasseradern herunter. Hätte Mynheer Peeperkorn seine Rede doch bloß im Winter gehalten - wer weiß, ob Hans Castorp, Naphta und Settembrini, die damals anwesend waren, nicht doch einmal etwas Bedeutendes zu hören bekommen hätten?
Schon nach vier Uhr, Zeit, an den Abstieg zu denken; Dunkelheit sollte man hier nicht riskieren. Querfeldein gehe ich zurück, wobei ich gelegentlich bis zur Hüfte im Schnee versinke, dessen Oberfläche schroff-verfroren ist. In der Aufregung, mit der Schatzalp wieder Zivilisation erreicht zu haben, übersehe ich wichtige Texttafeln, die ich später in der Broschüre nachschlagen muss: „Der Mensch soll um der Liebe und Güte willen dem Tode keine Herrschaft einräumen über seine Gedanken.“ Der so genannte Kursiv- und Ergebnissatz, Hans Castorps berühmte Schneevision. Und, sicherlich brisanter: „Zum Leben gibt es zwei Wege. Der eine ist der gewöhnliche, direkte und brave. Der andere ist schlimm, er führt über den Tod, und das ist der geniale Weg!“
Da ich noch am Leben und dem Tode noch nicht einmal auf Sichtweite nahegekommen bin, kann ich kaum Anspruch darauf erheben, dass mein Weg genial war, ja, dass ich überhaupt etwas gelernt habe. Das gute Wetter wusste eine dramatische, und das heißt ja erst: fruchtbar-lehrreiche Auseinandersetzung mit Lebensprinzipien, wie sie Hans Castorp vor Augen standen, zu verhindern. Was ich wissen muss, steht ja im „Zauberberg“ und lässt sich nicht in frischer, ansonsten aber eigenschaftsloser Luft erspüren. Die hochzivilisierte Atmosphäre des Waldhotels umschmeichelt mich eine Stunde später. Beim Diner greife ich gewaltig zu. Was ich geträumt, ist im Verblichen begriffen. Was ich gedacht, verstehe ich schon diesen Abend nicht mehr so recht.
So ähnlich mag es Davos selber mit dem Roman ergangen sein. Man hat, auch nach fünfundachtzig Jahren, in denen sich mancher Rufmord-Vorwurf, den man dem Autor gemacht hat, mit dem Hinweis auf literarische Phantasie hätte entkräften lassen, nicht den Eindruck, dass das Buch hier nennenswerte Spuren hinterlassen hätte. Kein Exemplar davon liegt in den Schaufenstern der Buchhandlungen, und auf das Medizinische Museum in Davos Platz, in dem sich wahre und so auch im Roman verwendete Folterinstrumente besichtigen lassen, verweist kein Schild, im Gegensatz zum Ski-Museum, das gleich danebenliegt. Am sorgfältigsten bemüht man sich noch im Waldhotel um dieses einmalige Erbe, wo man es übrigens gar nicht gerne hört, dass sich die Schatzalp für den Zauberberg hält.
„Wir leben das, auch diese Dekadenz beim Essen“
Das Waldhotel ist in dieser Hinsicht allerdings auch erst neuerdings ambitioniert. Wer bis vor zehn Jahren einmal hier war, als es noch Bellevue hieß, musste den Eindruck gewinnen, dass man, bis auf ein im Originalzustand wiederhergestelltes Sanatoriumszimmer, jede Erinnerung zu tilgen bestrebt war. Nun aber heißt es, wenn auch vorsichtig: „Back to the roots“, wie der Gastgeber Michael Thomann die Strategie umschreibt. Wer sich aus dem edel-gemütlichen Mobiliar, das historischen Vorbildern unaufdringlich nachempfunden ist, erheben muss, um dorthin zu gehen, wo der Kaiser zu Fuß hingeht, den empfängt auf den Toiletten in Endlosschleife die „Zauberberg“-Lesung Gert Westphals. Der Direktor sagt ohne falsche Bescheidenheit: „Wir leben das, auch diese Dekadenz beim Essen.“ Wer im Restaurant „Mann und Co.“, in dem wie zu Hans Castorps Zeiten äußerst aufmerksame „Saaltöchter“ ihren Dienst verrichten, gegessen hat, wird ihm nicht widersprechen können.
Ganz unbedingt ist dies, freilich nur für den, der es sich leisten kann, eine Welt des Müßiggangs, wie sie auch der „Zauberberg“-Erzähler kaum verführerischer geschildert hat. Sie funktioniert, auch hierin der Vorlage nicht unähnlich, nach streng kapitalistischen Prinzipien - Paradox unseres Lebens, das der nun quasi schon vor der Tür stehende Weltwirtschaftsgipfel (es ist der vierzigste) wohl wieder ins Recht setzen wird. Fast 6000 Menschen, darunter auch Google- und Apple-Gründer, wollen dann auf einen Schlag untergebracht sein, und es ist nicht anzunehmen, dass die sich nicht alle mit einer Absteige zufrieden geben.
Die Fäden laufen beim Davoser Tourismus-Direktor Reto Branschi zusammen, der mich vor meiner Abreise in seinem geräumigen Büro drunten im Tal empfängt. Was den Gipfel anbelange, frage ich, vermutlich viel zu naiv, ob es denn inzwischen nicht auch kapitalismuskritische Stimmen gebe? Branschi antwortet seelenruhig: „Nein, ich glaube nicht. Die normale Bevölkerung - und die ist ja überall gleich, odrr? - steht hinter der Veranstaltung.“ Aber den „Zauberberg“, den habe er doch gelesen? „Sicher.“ Und? „Ich war eigentlich eher enttäuscht. Wenn man in Davos aufgewachsen ist, dann kennt man das alles schon. Die ganzen philosophischen Ausführungen, die sind natürlich etwas anderes. Aber schlussendlich kommt es auf den Inhalt an, odrr?“
Ich gebe auf; es ist zwecklos, diese Welt für die Reize von Müßiggang, Krankheit und Tod gewinnen zu wollen. Draußen, vorm Belvedere-Hotel, patroulliert Militärpolizei und umzäunt das riesige Haus, in dem die meisten und wichtigsten Gipfelstürmer unterkommen werden, mit Stacheldraht. Es ist nicht, wie im „Zauberberg“, der Krieg; es ist die Wirtschaft, die Wirtschaft in der Krise, die nun über den Ort hereinbricht. „O Scham unserer Schattensicherheit! Hinweg! Wir erzählen das nicht!“ Der Hotel-Concierge, der mich zum Bahnhof fährt, schimpft auf die Absperrungen: „So viel Chaos wegen vier Tagen. Wie im Gefängnis.“ Ich halte wilde Abreise und fahre zurück ins Flachland.