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Leichtathletik Für Steffi Nerius gibt es kein „Halligalli“

 ·  Immer lockerer, immer weiter: Die Speerwerferin Steffi Nerius rückt in den Fokus. Die WM soll der krönende Karriereabschluss werden. Danach wartet ihr Traumjob.

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Nein, so fällt der Abschied kein bisschen schwer. „Wenn ich hier mit 58 Metern und Platz fünf aus dem Stadion gegangen wäre, dann wäre ich jetzt unzufrieden. Aber mit so einem Knaller, da bin ich super happy.“ Der Knaller, von dem Steffi Nerius spricht, das sind die 66,82 Meter, mit denen sie am Freitagabend das 15. Bayer-Meeting gewonnen hat. Ihr Meeting, denn die Frau, die mit 19 Jahren von der Ostseeinsel Rügen des Speerwerfens wegen in den deutschen Westen zog, gilt in Leverkusen schon als Urgestein. Sie befindet sich ja die ganze Zeit auf Abschiedstour, denn nach der Saison ist Schluss. Definitiv. Immerhin ist sie jetzt 37 Jahre alt.

Natürlich ist das Heim-Meeting in dieser Serie etwas Besonderes. Und wie immer hat sich Steffi Nerius, die Frau mit den Stirnband-Botschaften, auch für „ihr“ Publikum etwas einfallen lassen. „Vielen Dank für Eure Treue“, prangt es schwarz auf weiß auf ihrer Stirn. Das Dumme ist, je länger diese letzte Saison dauert, desto besser kommt Steffi Nerius in Schuss. Die 66,82 Meter vom Freitag bedeuten Platz fünf der Weltjahresbestenliste. Und sie hat in jüngster Zeit auch die Hierarchie im deutschen Speerwerfen auf den Kopf gestellt.

Die letzten drei Duelle mit Christina Obergföll hat sie allesamt gewonnen, inklusive der deutschen Meisterschaften. Besonders weh dürfte sie der eigentlichen Nummer eins und Jahresbesten (68,59 Meter) aus Offenburg am Freitag getan haben; mit ihrem Sieg ausgerechnet im DKB-Cup, einer Wettkampfserie, bei der es um viel Geld geht, hat sie Christina Obergföll aus dem Jackpot geworfen. Und während die Badenerin (63,11 Meter) schwächelt und verkrampft, ist Steffi Nerius so locker und entspannt wie lange nicht.

„Ich kann auch gewinnen, wenn die anderen so weitermachen“

Sie hat nichts mehr zu verlieren, das macht sie frei im Kopf, aber sie ist andererseits auch nicht gewillt, so sang- und klanglos zu verschwinden. „Eine Halligalli-Abschieds-Tournee“, wie sie es nennt, wäre für sie nicht in Frage gekommen. Der Ehrgeiz ist noch da, der Wille, noch einmal alles aus ihrem Körper herauszuholen, der oft genug nur mit Schmerzmitteln seinen Dienst versehen hat. Sie hat schließlich noch einiges vor.

Bei den Weltmeisterschaften in Berlin zum Beispiel. Das ist sie schon ihrem Ruf schuldig. Sie hat von Weltmeisterschaften immerhin drei Bronzemedaillen mitgebracht, war 2006 Europameisterin in Göteborg. Sie ist so etwas wie eine Medaillenbank. Und es gibt derzeit keinen Grund, warum diese Serie in Berlin reißen sollte. „65 bis 70 Meter“, glaubt Steffi Nerius, die der Konkurrenz zudem die jahrelange Erfahrung voraus hat, sollten für eine Medaille reichen. „Das traue ich mir durchaus zu.“ Und weil die gesamte Speerwurf-Branche derzeit noch auf die ganz weiten Würfe wartet, ist es gar nicht vermessen, wenn sie sagt: „Ich kann auch gewinnen, wenn die anderen so weitermachen.“

Aber selbst WM-Gold, behauptet Steffi Nerius, würde nichts an ihrer Entscheidung ändern. Am 12./13. September beim Weltfinale in Thessaloniki soll definitiv der letzte Speer der langen Abschiedstournee fliegen. Und dann wartet ihr Traumjob. Am 1. Oktober tritt Steffi Nerius offiziell eine volle Stelle als Trainerin in der Behindertensport-Abteilung von Bayer Leverkusen an. Das hat sie bislang schon nebenbei gemacht. „Ich werde einen ausgefüllten Arbeitsablauf haben“, sagt sie. „Insofern wird es mir wahrscheinlich nicht langweilig.“ So ganz überzeugt klingt es noch nicht.

Sie laufen, werfen, gehen, springen und haben dabei nur ein Ziel: Die Leichtathletik-WM vom 15. bis 23. August in Berlin. FAZ.NET begleitet die Topathleten auf ihrem Weg zu dem Sportereignis des Jahres: „Berlin, Berlin“ - Der Countdown zur Leichtathletik-WM 2009. Noch zwei Wochen.

Quelle: F.A.Z.
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Jahrgang 1956, Sportredakteur.

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