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Franka Dietzsch Erleichtert und frustriert

19.08.2009 ·  Der Diskus verlangt neben Kraft, Explosivität und Technik ganz viel Fingerspitzengefühl. Wenige hatten diese Mischung so oft und so lange zu bieten wie Franka Dietzsch - doch am Ende ihrer Laufbahn schied sie sang- und klanglos aus.

Von Michael Reinsch
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Als die DDR am Ende war und Sport so ziemlich das Letzte, was im Osten Deutschlands eine existentielle Perspektive bot, machten sich zwei junge Leichtathletinnen auf nach Westen. Sie wollten mal gucken, wie das so war in den Vereinen der alten Bundesrepublik, die Spitzensportler fürstlich entlohnten. Die eine blieb dort, studierte und baute sich eine berufliche Zukunft als Trainerin auf. Am Dienstag krönte sie, mit 37 Jahren, im Berliner Olympiastadion ihre Karriere mit dem Gewinn der Weltmeisterschaft: Steffi Nerius.

Die andere kehrte zurück, fand beim Sportclub Neubrandenburg eine Heimat, wurde drei Mal Weltmeisterin – und schied am Mittwoch, mit 41 Jahren ebenfalls am Ende ihrer sportlichen Laufbahn, sang- und klanglos aus: Franka Dietzsch, lange Jahre die beste Diskuswerferin der Welt. Die eine ging mit einem Paukenschlag, die andere hatte sich, bevor sie ihre Startberechtigung als Titelverteidigerin nutzte, längst innerlich verabschiedet. „Ich bin unendlich erleichtert und frustriert zugleich“, beschrieb Franka Dietzsch ihre Seelenlage, nachdem ihr am Mittwoch ein einziger Wurf gelungen war, der nur 58,44 Meter weit ging. Damit war ihr der letzte Schritt auf die große Bühne verbaut, auf der sie im Finale am Freitagabend Abschied nehmen wollte.

„Steffi ist 37. In dem Alter war ich auch noch Weltmeisterin“

Mit jedem schlechten Wettkampf sei ihre Distanz zum Sport größer geworden, behauptete Franka Dietzsch, als sie in den Katakomben des Olympiastadions mit den Tränen kämpfte. „Ich halte mich gut, oder?“, frage sie herausfordernd, und da war sie wieder die Athletin, die nichts mehr hasst als Niederlagen – auch gegen ihre eigenen Gefühle. Nicht einmal jetzt mochte sie im Vergleich mit ihrer Freundin schlechter dastehen. „Zur Erinnerung: Steffi ist 37. In dem Alter war ich auch noch Weltmeisterin“, rief sie. „Außerdem hat sie nicht meine gesundheitlichen Probleme.“

Schon im vergangenen Jahr hatte der lange Abschied der Franka Dietzsch begonnen, als sie erst lange verletzt war und dann lebensbedrohlicher Bluthochdruck festgestellt wurde. Die Olympischen Spiele in Peking ließ sie sausen, sie heulte zu Hause vor dem Fernsehgerät, als sie ansah, wie die Amerikanerin Stephanie Tafton-Brown mit nur 64,74 Meter die Goldmedaille gewann. Ihre eigene, zehn Jahre alte Bestleistung von 69,51 Meter versuchte sie jedes Jahr zu übertreffen. „Ich hoffe, dass der große Wurf noch kommt“, sagte sie selbst noch in der vergangenen Woche im Trainingslager Kienbaum. Doch mit dem Werfen haperte es – der Diskus verlangt neben Kraft, Explosivität und guter Technik ganz viel Fingerspitzengefühl. Wenige hatten diese Mischung so oft und so lange zu bieten wie Franka Dietzsch – und doch wird ihr Traum von den siebzig Metern unerfüllt bleiben.

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