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Steffi Nerius und Franka Dietzsch Die Unverwüstlichen

18.08.2009 ·  Franka Dietzsch und Steffi Nerius gehören beim Deutschen Leichtathletik-Verband seit Jahren zum Inventar. Jetzt sind die Oldtimer in Berlin auf Abschiedstour. Speerwerferin Nerius darf am Dienstagabend (19:25 Uhr) auf den letzten großen Wurf hoffen.

Von Claus Dieterle, Berlin
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Der Satz ist David Storl einfach so rausgerutscht, vor ein paar Tagen schon: „Meine Mutter ist sogar noch jünger als Franka Dietzsch.“ Das sollte überhaupt nicht despektierlich klingen, er wollte doch bloß die Altersdifferenz zwischen Junior und Seniorin im deutschen WM-Team andeuten. Kugelstoßer Storl ist Ende Juli 19 Jahre alt geworden, Franka Dietzsch seit Januar immerhin schon 41. Und weil die große alte Dame des Diskusrings neben einer gehörigen Portion Erfahrung über jede Menge Humor und Selbstironie verfügt und sie den jungen Riesenkerl, den sie „Storli“ nennt, ohnehin mag, sagt sie: „Den würde ich glatt adoptieren.“ Und dass der Storli schon am Samstag in der Qualifikation ausgeschieden ist, verzeiht sie ihm auch. Der Bursche, so jung, wie er ist, hat doch noch alles vor sich.

Bei ihr ist das anders: „Ich bin ja schon fast durch“, sagt Franka Dietzsch, die sich längst an ihren Ruf als Mutter der Kompanie gewöhnt hat. Die Zeit schreitet unaufhaltsam voran, eine neue Generation Leichtathleten ist herangewachsen, und da fällt es umso mehr auf, wenn unter all den frischen Kräften ein paar sind, denen das Leben schon ein paar mehr oder weniger tiefe Linien ins Gesicht geschrieben hat. Das ist ja nicht nur bei Franka Dietzsch so, auch Speerwerferin Steffi Nerius ist mittlerweile 37 Jahre alt.

Die beiden Damen sind wahre Medaillenbänke

Das sind die beiden Unverwüstlichen im deutschen Team, die den Ansturm der Jugend mehr oder weniger unbeschadet überstanden haben; zusammen 78 Jahre Lebenserfahrung, von der der Deutsche Leichtathletik-Verband oft genug profitiert hat. Denn die beiden Damen sind wahre Medaillenbänke.

Franka Dietzsch ist mit ihrer zehnten WM-Teilnahme seit 1991 deutsche Rekordhalterin, dazu dreimal Weltmeisterin, Titelverteidigerin, Europameisterin; Steffi Nerius war ebenfalls schon bei der letzten Heim-WM 1993 in Stuttgart dabei, dreimal WM-Dritte, Europameisterin 2006, und hat 2004 Olympiasilber gewonnen.

Franka Dietzsch steht noch ein Hintertürchen offen

Berlin ist ihre letzte Weltmeisterschaft, nach der Saison ist Schluss - zumindest sagen sie das im Moment noch. Wobei Franka Dietzsch sich fragen lassen muss, warum sie sich bei ihrer Reputation die WM noch antut, wo sie doch in diesem verkorksten Jahr nie in Form gekommen ist. Weiten unter 60 Meter sind für eine, die ansonsten den Diskus zwischen 64 und 69 Meter weit fliegen lässt, deutlich unter ihrer Würde. Warum es nicht geht? „Ich weiß es wirklich nicht“, sagt sie. Das Alter? „Nein, die Zubringerwerte stimmen“, und Trainer Dieter Kollark sagt ihr immer: „Franka, du bist nicht so, wie du es zeigst.“ Und sie entgegnet dann: „Aber warum zeige ich es dann nicht anders?“

Sie hat in dieser Saison noch bei keinem einzigen Wurf dieses „Schnipsen“ in den Fingerkuppen gefühlt, das ihr sonst immer gesagt hat: Oh, der fliegt. Das Komische aber ist, dass die Titelverteidigerin unerschütterlich glaubt: „Da geht noch was.“ Aber sie sagt auch: Eigentlich muss ich froh und glücklich sein, wenn ich am Freitag im Finale stehe.“

Steffi Nerius tritt am 1. Oktober einen Fulltime-Job an

Bei Steffi Nerius glauben längst alle, dass noch eine ganze Menge geht. Die Leverkusenerin sieht sich auf ihrer Abschiedstour mit anderen Fragen konfrontiert. Ob sie denn wirklich nach der Saison aufhören wolle, jetzt, wo sie so gut wie selten zuvor ist? Der Rest der Speerwurf-Welt schwächelt, und jetzt sagt Steffi Nerius selbst: „Wenn die anderen so weitermachen, kann ich sogar gewinnen.“ 66,82 Meter ist der Speer Ende Juli immerhin weit geflogen.

Ihre Technik war schon immer unglaublich präzise und hat ihr allzu großen Verschleiß erspart, und die Erfahrung hat sie und ihren Trainer Helge Zöllkau gelehrt, was sie ihrem Körper noch zumuten kann. Dazu kommen Lockerheit und Gelassenheit. Vielleicht liegt es auch daran, dass Steffi Nerius sich auf das Leben nach dem Sport freut, weil sie eine Alternative hat. Sie macht vom 1. Oktober an als Fulltime-Job, was sie schon seit Jahren nebenher macht: Trainerin in der Behindertensport-Abteilung bei Bayer Leverkusen. „Das wird auch schön“, sagt sie. Bei Franka Dietzsch steht immer noch ein Hintertürchen offen. „Aber nur wenn etwas Außergewöhnliches passiert.“ Und die berufliche Alternative? Gibt es angeblich. Verrät sie aber noch nicht.

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