18.08.2009 · Ein Sprung, ein Satz – ökonomischer kann man eine Qualifikation nicht hinter sich bringen. Ja, Ariane Friedrich hat am Dienstag Minimalismus betrieben. Sie verschwendete jedenfalls keinen Krümel zuviel Energie vor dem Finale am Donnerstag.
Von Claus Dieterle, BerlinEin Sprung, ein Satz – ökonomischer kann man eine Qualifikation nicht hinter sich bringen. Ja, Ariane Friedrich hat am Dienstag Minimalismus betrieben. 1,95 Meter waren gefordert, um bei den Leichtathletik-Weltmeisterschaften ins Finale an diesem Donnerstag einzuziehen. Eine Region, in der im Hochsprung die Luft schon dünner wird. Da lässt man es normalerweise eher vorsichtig angehen, zumal Qualifikationen am Morgen nicht jedermanns Sache sind.
Was passieren kann, wenn man die Einstiegshöhe zu kühn wählt, hat am Tag zuvor die russische Stabhochsprung-Queen Jelena Isinbajewa schmerzlich erfahren müssen. Salto nullo, dreimal gerissen – aus und vorbei. Ariane Friedrich wird es im Hotel gesehen haben, aber beeindruckt hat sie es offenbar nicht. Sie verschwendete jedenfalls keinen Krümel zuviel Energie, lief in ihrem typischen Bogen an, hob ab, überquerte berührungsfrei die Latte – und konnte ihre Sache packen: 1,95 Meter, Finale, Pflicht erfüllt. Auch ihr anschließender Wortbeitrag war äußerst sparsam bemessen: „„Ich bin wirklich in hervorragender Form und werde am Donnerstag die Weltrakete starten.“ Sprach‘s und verschwand. Das kennt man ja seit Wochen.
Das Missgeschick der Konkurrentin
Ihre große Konkurrentin im Duell um den WM-Titel war da schon gesprächiger. Blanka Vlasic erzählte von ihrem Missgeschick am Morgen, als sie im Hotel mit dem Kopf gegen den Türrahmen geknallt war. „Es war alles voller Blut, ich musste mit sechs Stichen am Kopf genäht werden.“ Geschockt sei sie gewesen. Aber nur bis zur Qualifikation. Da stieg sie zwar schon 1,85 Metern ein, aber leistete sich keinen einzigen Fehlversuch. Das hat wiederum Günter Eisinger, den Trainer von Ariane Friedrich beeindruckt. „Wenn man sich den Kopf stößt und dann so super springt, ist das nicht schlecht.“ Aber „seiner“ Ariane traut er vielleicht noch mehr zu. Wenn sie die Spannung bis Donnerstag halten kann. „Heute beim Einspringen“, sagt er, „das war wie beim Istaf.“ Und da ist die für die LG Eintracht Frankfurt startende Ariane Friedrich im Juni mit 2,06 Metern deutschen Rekord gesprungen. Und Frau Vlasic sah damals blass aus.
Blass geworden sind auch die Angestellten des Athleten-Hotels in Berlin, als Ariane Friedrich am Montag, als sie aus dem Trainingslager in Kienbaum anreiste, mit einer Matratze unter dem Arm auftauchte: mal wieder der Rücken. Das war das einzige, was die Frankfurterin am abgeschiedenen brandenburgischen Trainingsdomizil auszusetzen hatte: Hervorragende Bedingungen, aber zu weiche Matratzen. Und schon schlichen sich wieder Verspannungen in dieses sensible Körperteil ein. Die hat der Physiotherapeut zwar wieder herausgeknetet, aber weil Eisinger sich schon wieder an Peking erinnert fühlte, hat man kurzerhand gehandelt. Ab nach Berlin, zum Probeliegen in einem schwedischen Möbelhaus.
Wie man sich bettet...
Und man ist fündig geworden. „Knochenhart“ sei die Matratze, wie Eisinger sagt, „aber für Ariane genau das Richtige.“ Dafür investiert man auch schon mal ein paar Euro aus eigener Tasche. Im Berliner Hotelzimmer steht jetzt das Original an der Wand, und die Hardcore-Version füllt den Bettrahmen. Jetzt sind alle zufrieden. Mit der Hoffnung: Wie man sich bettet, so fliegt man.