21.08.2009 · Stille bei Ariane Friedrich, Lautstärke bei Blanka Vlasic - das Berliner Publikum blieb fair. Wie schnell Usain Bolt über 200 Meter laufen würde, erfuhr Harald Schmid vorab. Und drei deutsche Athleten verrieten den Kleinen große Geheimnisse. Die WM-Kolumne.
Von Harald SchmidSie fand im letzten Augenblick die Contenance wieder. Applaus und Bolts Kurvenlauf hatten sie aus der Fassung gebracht. Jetzt hob sie wieder den Finger und erzeugte eine elektrisierte Stille im Olympiastadion. Mit einem Aufschrei feierte dann das Publikum Ariane Friedrichs erfolgreichen Sprung über 2,02 Meter. Es war der letzte Versuch, bei dem ihre mentale Stärke ausreichte. Danach tanzte Blanka Vlasic nach gelungenen 2,04 Metern - das war eine zu starke Botschaft für die Konkurrentinnen. Ich stand mit internationalen Gästen auf der Tribüne, und die brachten es nochmals auf den Punkt: „You must understand it is body and mind.“
Die Zuschauer feuerten alle Springerinnen an, machten keinen Unterschied zwischen Ariane Friedrich und Blanka Vlasic. Das ist wahre Fairness. Das i-Tüpfelchen wäre eine gemeinsame Ehrenrunde der Konkurrentin im Stadion gewesen (siehe auch: Leichtathletik-WM: Die Weltrakete Ariane zündet nicht).
Manche Männer sind vielleicht stolz auf eine 100-Meter-Zeit um die zwölf Sekunden. Das gibt über 110 Meter in etwa dreizehn Sekunden, vielleicht etwas mehr. Springt man jetzt noch über zehn Hürden, von denen jede einzelne etwa 107 Zentimeter hoch ist, und kommt immer noch in dreizehn Sekunden ins Ziel, dann ist man Weltklasse.
„Mach keinen zusätzlichen Schritt kurz vor der Hürde“
Der Zehnkampf war ein heißer Wettbewerb. Das Stadion kochte in der Sommersonne. Die Zuschauer flüchteten von den Sitzplätzen. Nur die Zehnkämpfer hielten durch, liefen über Hürden, schleuderten den Diskus, machten unzählige Versuche im Stabhochsprung, warfen den Speer in den Abendhimmel, und kämpften bis zum Umfallen beim 1500-Meter-Lauf. Wer könnte es ihnen gleich tun?
Ein Berliner Taxifahrer hatte mir am gestern schon vorausgesagt, wie schnell Usain Bolt die 200 Meter laufen würde. Bolt möge ja die 100 Meter gar nicht, müsse aber auf Anweisung seines Trainers laufen. Die 200 Meter seien aber seine Paradestrecke. Da würde er auch sicher den Weltrekord brechen - mit 19,20 Sekunden könne man schon rechnen, was ja einfach nur klar sei bei 9,6 Sekunden auf der halben Distanz. So ging das Rennen dann auch aus, auch wenn es genau genommen 19,19 wurden (siehe auch: Leichtathletik-WM: Usain Bolt, die Zweite).
„Fixier die Hürde früh, mach keinen zusätzlichen Schritt kurz vor der Hürde. Selbst wenn die Kräfte schwinden, musst du das schaffen!“ Das ist eine alte Weisheit des 400-Meter-Hürdenlaufs. Das Rennen geht verloren, wenn man das nicht schafft. Und genau an der neunten Hürde, dort wo man schon richtig auf der Zielgeraden läuft, etwa bei 325 Metern, passierte es Lashinda Demus. Melaine Walker war schnell vorbei und uneinholbar als Erste im Ziel der 400 Meter Hürden (siehe auch: WM kompakt: Schnelle Walker - Brathwaites Brust - König Hardee).
Litwinow wirft weit, auch wenn er den Hammer zurückholen muss
Der kleine Flensburger Leichtathletikverein aus Weiche war von der Aktion „Leichtathletik macht Kinder stark“ mit seinen Kindern und Jugendlichen zur WM eingeladen worden und am Donnerstag zu Gast bei Athleten aus dem deutschen Team. Die jüngsten Leichtathleten von der Vereinsbasis waren begeistert und sehr interessiert, wobei sie auch einige ungewöhnliche Fragen stellten.
Sie wissen jetzt, dass Carolin Nytra keine Seitenstiche beim 100 Meter Hürdenlauf hat, Sergej Litwinow den Hammer im Training trotzdem weit wirft, obwohl er ihn immer selbst zurückholen muss, und Nadine Kleinerts Freund zwar etwas kleiner ist als sie, damit aber gut klar kommt.