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Sportreisen Wir im Stadion

27.08.2009 ·  Ohne uns Zuschauer hätte die Leichathletik-WM in Berlin niemals zu einem so großen Fest werden können. Im Angesicht des Wettkampfs haben wir zusammen gehalten. Wir haben gejubelt, geschwiegen, gepfiffen. Wir!

Von Lena Bopp, Berlin
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Auf der Tribüne ist es auch nicht schlecht. Wir zahlen im Berliner Olympiastadion zwar fünfzig Euro für die billigen Plätze, bekommen von dem kostenlosen Catering-Service für VIPs in den Katakomben des Stadions nichts mit - geschweige denn von den klimatisierten Logen der Sponsoren -, wir haben keine Touchscreens vor uns wie die Journalisten, mit denen sich Informationen zu jedem x-beliebigen der mehr als zweitausend Sportler abrufen lassen, und auch mit Wiederholungen in Zeitlupe auf den riesigen Leinwänden, die im Stadion hängen, versorgt man uns nur spärlich. Aber wir sind hier trotzdem eine Macht.

An guten Tagen, am vergangenen Donnerstag zum Beispiel, an dem die deutsche Hochspringerin Ariane Friedrich eine Goldmedaille gewinnen wollte (was ihr nicht gelang), an diesem Donnerstag waren wir etwa sechzigtausend Menschen. Wir alle haben geschwiegen, als die Athletin uns das vor ihrem Sprung mit dem Zeigefinger auf dem Mund bedeutete, und wir haben diejenigen unter uns mit bösen Blicken gestraft, deren Handys in die Totenstille hinein zu bimmeln wagten. An einem anderen Abend haben wir die deutsche Siebenkämpferin Jennifer Oeser bei ihrem 800-Meter-Lauf noch zu Platz zwei gebrüllt, nachdem sie schon gestürzt war. Wir haben die Wettkampfrichter ausgepfiffen, weil sie den Siebenkämpferinnen die Ehrenrunde versagen wollten. Und wir waren natürlich so fair, auch Usain Bolt zu beklatschen, obwohl er uns unheimlich ist.

Solide gefachsimpelt

Wenn die Wettkämpfe abends zu Ende waren, dann sind wir gesittet zu den bereitstehenden S-Bahnen marschiert und haben uns in den Waggons schwitzend, aber klaglos aneinander gerieben. Wir haben allen, die es hören wollten, von den Neuigkeiten aus dem Olympiastadion berichtet und untereinander solide gefachsimpelt. Auch sind wir übereingekommen, dass es mal wieder an der Zeit sei, das eigene sportliche Pensum deutlich zu erhöhen. Wir haben nur Wasser getrunken und uns sehr gut vertragen.

Und als wir dann am Ende der Woche von verschiedener Seite hörten, dass wir die angenehmste Sorte Sporttouristen seien, die Berlin seit langem gesehen habe, da spürten wir eine große Befriedigung. Auch wenn uns natürlich schon lange klar war, dass wir es mit den Fans von Hertha BSC allemal aufnehmen können.

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