03.08.2009 · Nach den deutschen Meisterschaften waren bereits 74 Leichtathleten nominiert worden, nun kamen weitere 18 Sportler für Berlin dazu. Die größten Gold-Hoffnungen ruhen auf Hochspringerin Ariane Friedrich.
Von Claus DieterleSie waren milde gestimmt, die Damen und Herren des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV), noch milder, als es Sportdirektor Jürgen Mallow schon am Sonntag in Wattenscheid unmittelbar nach dem Ende der DLV-Gala angekündigt hatte. Es war die letzte Gelegenheit, sich für die Weltmeisterschaften in Berlin (15. bis 23. August) zu empfehlen. Und so wurde selbst in strittigen Fällen im Zweifel für den Angeklagten entschieden, auch ohne hundertprozentige Normerfüllung.
Was zur Folge hat, dass der WM-Gastgeber Deutschland nun 92 Athleten nach Berlin entsendet - eines der größten Aufgebote bislang. Kurz vor Nominierungsschluss sind noch einmal 18 Athleten hinzu gekommen. Darunter einige, wie Hürdensprinterin Carolin Nytra, Weitspringerin Melanie Bauschke, Speerwerfer Tino Häber oder Diskuswerfer Markus Münch mit erfüllter Norm, andere aber auch ohne: 800-Meter-Läufer Robin Schembera etwa, 5000-Meter-Läufer Arne Gabius, Hindernisläufer Steffen Uliczka oder Weitspringer Nils Winter. Außerdem wurden acht Sprinter, die bereits in die Staffeln berufen waren, zusätzlich für die Einzelrennen benannt, darunter auch Verena Sailer.
Keine Überraschung war die Nominierung des U20-Weltmeisters im Kugelstoßen, David Storl. Dass der DLV den kurz vor seinem Karriereende stehenden Dreispringer Charles Friedek noch einmal ins WM-Aufgebot berief, dagegen schon. Der frühere Weltmeister war allerdings zweimal nur ganz knapp an der Norm gescheitert. Der DLV hat seinen Spielraum voll ausgeschöpft. Auch mit einem neu geschaffener Passus in den Nominierungsrichtlinien. In dem wird die internationale Konkurrenzfähigkeit als entscheidendes Kriterium zu Grunde gelegt.
Medaillen-Hoffnungen vor allem bei den Frauen
Die größten Gold-Hoffnungen ruhen auf der deutschen Hochsprung-Rekordlerin Ariane Friedrich. „Ich stehe in der Weltjahresbestenliste ganz oben, aber den Erfolgsdruck teilen wir uns im deutschen Team“, meinte die Topfavoritin. Zu den DLV-Medaillenanwärtern gehören im Werfer-Lager Titelverteidigerin Betty Heidler (Hammer), Vizeweltmeister Robert Harting (Diskus) und die WM-Dritten von 2007, Nadine Kleinert (Kugel) und Steffi Nerius (Speer) (siehe: Leichtathletik: Für Steffi Nerius gibt es kein "Halligalli").
Zum Kreis der Favoriten zählen auch die zweifache Siegerin des London-Marathons, Irina Mikitenko, und die Siebenkämpferinnen Jennifer Oeser und Lilly Schwarzkopf. Fragezeichen stehen hinter Diskus-Weltmeisterin Franka Dietzsch und Speerwerferin Christina Obergföll, die bei den Olympischen Spielen 2008 als einzige DLV-Athletin eine bronzene Medaille gewann. Beide stecken seit Wochen in einem Formtief. Weitsprung- Europarekordler Sebastian Bayer pausierte bei der DLV-Gala wegen einer Entzündung im Fuß, gab aber für die WM Entwarnung: „Eine reine Vorsichtsmaßnahme.“