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Weltrekord über 200 Meter Usain Bolt, die Zweite

20.08.2009 ·  Der jamaikanische Sprintstar gewinnt auch über 200 Meter unangefochten die Goldmedaille - und stellt bei seinem zweiten WM-Titel in 19,19 Sekunden die nächste Bestmarke auf.

Von Michael Reinsch, Berlin
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Elf Hundertstelsekunden - das ist die unglaubliche Marke, um die Usain Bolt am Donnerstagabend auch seinen Weltrekord über 200 Meter verbesserte. In einem Sturm der Begeisterung, den 54.000 Zuschauer im erstmals bei dieser Weltmeisterschaft fast ausverkauften Olympiastadion entfachten, verbesserte er die Bestmarke für die halbe Stadionrunde auf 19,19 Sekunden. Erst im vergangenen Jahr hatte der Jamaikaner bei den Olympischen Spielen von Peking den vermeintlichen Jahrhundert-Weltrekord von Michael Johnson, zwölf Jahre lang unerreicht, um zwei Hundertstelsekunden auf 19,30 Sekunden verbessert. Und erst am vergangenen Sonntag hatte er seinen Weltrekord über 100 Meter von 9,69, schier unfassbar, um elf Hundertstel auf 9,58 Sekunden verbessert (siehe: Usain Bolts Rekordlauf: Gottes Werk und Teufels Beitrag ).

Bolt holte damit die fünfte Goldmedaille für das jamaikanische Team und ist der erste Sprinter, der sowohl bei den Olympischen Spielen als auch bei der Weltmeisterschaft auf beiden Distanzen siegt. In Berlin hat er sich damit bereits 320.000 Dollar Sieg- und Rekordprämien vom Veranstalter gesichert, und noch steht die Sprintstaffel aus, die sein Team in Peking ebenfalls in Weltrekordzeit gewann.

„Ich hatte es mir vorgenommen, habe mich angestrengt und habe es geschafft“, sagte Bolt nach dem Lauf. „In Peking hatte ich noch gedacht, der Rekord von Michael Johnson sei unerreichbar. Dann habe ich ihn unterboten; seitdem glaube ich, dass alles möglich ist.“ Als sei es die Ankündigung, dass er Ernst machen werde, hatte Bolt vor dem Start mit der Kamera geflirtet. Mit über der Brust verschränkten Armen wartete er verschmitzt auf den Jubel des Publikums, dann erst begann er grinsend mit der Pantomime, in der er seine Augenbrauen und seine Haare glatt streicht.

Er wusste, dass er am nächsten Tag ohnehin Grund zum Feiern haben würde. Der Sieg schien ihm, dem schnellsten Sprinter der Welt und der Geschichte, so gewiss wie sein Geburtstag an diesem Freitag. Usain Bolt wird 23 Jahre alt. „Mein Geburtstagsgeschenk wird sein, dass ich lange schlafe“, sagte er. „Ich bin richtig müde.“ Auf der blauen Bahn des Berliner Olympiastadions lief der schlaksige Sprinter von 1,93 Meter Körpergröße die halbe Runde vom Anfang durch die Kurve bis ins Ziel vermutlich zum ersten Mal in dieser Saison so schnell er konnte und trudelte nicht aus.

Deutlich war zu erkennen, wie Bolt die Distanz abarbeitete

Seine Reaktionszeit war die beste aller Finalisten. 133 Tausendstelsekunden brauchte er zur ersten Bewegung aus den Startblöcken. Nicht viel weniger dürften die Zuschauer gebraucht haben, von denen der Großteil mit dem Startschuss in die Stille aufsprang und Bolt mit einem lang anhaltenden Schrei begleitete. Als die acht Teilnehmer auf die letzten hundert Meter einbogen, hatte Bolt schon einen Vorsprung von zwei, drei Metern. Die Gerade lief er mit zusammengebissenen Zähnen; deutlich war zu erkennen, wie er, hoch aufgerichtet und mit Riesenschritten, die Distanz abarbeitete. „Ich werde am Tag nach dem Rekord wohl nicht gehen können“, sagte er voraus. Selbst Wunderläufer bekommen einen Muskelkater.

Bolt blickte sich nicht einmal um, aber schaute, als er über die Ziellinie lief, sofort auf die Digitaluhr neben der Bahn. Sie blieb bei 19,20 Sekunden stehen, und damit war Bolt hoch zufrieden. Er war schon auf der Ehrenrunde mit der jamaikanischen Flagge, als die Zeit um eine Hundertstelsekunde korrigiert wurde. Im Ziel war Bolt 62 Hundertstelsekunden vor Alonso Edward aus Panama (19,81), Dritter wurde der Amerikaner Wallace Spearmon (19,85) vor seinem Landsmann Shawn Crawford (19,89). Fünf Läufer blieben unter 20 Sekunden; Bolts Landsmann Steve Mullings war mit 19,98 Fünfter.

„Irgendwann werden die Leute aufhören zu fragen“

„Es macht mir nichts, wenn die Leute danach fragen, ob ich wirklich sauber bin“, sagte Bolt in der Pressekonferenz nach dem Lauf. „Ich werde dauernd getestet, und ich arbeite hart. Ich mache einfach weiter, und irgendwann werden die Leute aufhören zu fragen.“ Für die vierte Goldmedaille Jamaikas bei dieser Weltmeisterschaft hatte zuvor Melanie Walker gesorgt. Die Olympiasiegerin von Peking brauchte für die 400 Meter Hürden 52,42 Sekunden; so schnell war noch keine Läuferin bei einer Weltmeisterschaft gewesen.

Vorher hatten bereits Olympiasiegerin Shelly-Ann Fraser und eben Bolt für die Fortsetzung der Dominanz der jamaikanischen Sprinter gesorgt, indem sie die 100-Meter-Läufe gewannen. Außerdem hatte am Mittwoch die 34 Jahre alte Brigitte Foster-Hylton über 100 Meter Hürden ihre erste Goldmedaille gewonnen. Noch im vergangenen Jahr hatte sie nach den Olympischen Spielen ihren Ausrüstervertrag verloren. Trainer Stephen Francis überredete sie, dennoch eine weitere Saison zu bestreiten. „Ihm habe ich alles zu verdanken“, sagte sie.

200 m (0,3 m Gegenwind):

GOLD: Usain Bolt (Jamaika) 19,19 Sekunden (Weltrekord)
SILBER: Alonso Edward (Panama) 19,81
BRONZE: Wallace Spearmon (USA) 19,85,

4. Shawn Crawford (USA) 19,89, 5. Steve Mullings (Jamaika) 19, 98, 6. Charles Clark (USA) 20,39, 7. Ramil Gulijew (Aserbaidschan) 20,61, 8. David Alerte (Frankreich) 20,68. - im Halbfinale ausgeschieden: Robert Hering (Jena). - im Zwischenlauf ausgeschieden: Aleixo-Platini Menga (Leverkusen), ... im Vorlauf ausgeschieden: Alexander Kosenkow (Wattenscheid)

Quelle: FAZ.NET
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Jahrgang 1958, Korrespondent für Sport in Berlin.

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