22.08.2009 · Marion Wagner, Anne Möllinger, Cathleen Tschirch und Schlussläuferin Verena Sailer liefen im Finale über 4x100 Meter 42,87 Sekunden. Betty Heidler schleuderte den Hammer so weit wie noch nie: 77,12 Meter.
Die deutsche Frauen-Sprintstaffel über 4 x 100 Meter hat bei der Leichtathletik-WM in Berlin die Bronzemedaille gewonnen. Marion Wagner aus Mainz, die Mannheimerin Anne Möllinger, Cathleen Tschirch aus Leverkusen und Schlussläuferin Verena Sailer (Mannheim) liefen am Samstag im Finale 42,87 Sekunden. „Wir wussten, dass wir heute schnell sind, so was ahnt man“, meinte Sailer, die sich mit 13 Hundertstelsekunden vor der russischen Schlussläuferin über die Ziellinie geworfen hatte.
Der Sturz hatte ihr blutende Wunden am Arm, oberhalb der Hüfte und am Oberschenkel eingebracht. „Eine Medaille - das ist der Wahnsinn. Dafür lege ich mich gern auf die Schnauze. Ich habe gesehen, dass ich Dritte bin und mir nur gesagt: Renn, renn. Das habe ich getan, bis ich auf dem Boden lag. Jetzt fängt es langsam an wehzutun“, sagte die 23-jährige Sailer. Startläuferin Wagner jubelte: „Die Entscheidung, mich an den Start zu stellen war richtig. Wir hatten eine einmalige Chance, die haben wir genutzt.“ Weltmeister wurde erwartungsgemäß das Quartett aus Jamaika mit 100-Meter-Weltmeisterin Shelly-Ann Fraser in 42,06 Sekunden. Die Silbermedaille ging an die Bahamas. Die amerikanische Staffel der Frauen war im Vorlauf ausgeschieden.
Betty Heidler wirft persönlichen Rekord und holt Silber
Titel verloren, Silber gewonnen - beim Weltrekord nur zugeschaut, aber den deutschen Rekord verbessert: Die in Berlin-Marzahn aufgewachsene Hammerwerferin Betty Heidler erlebte bei ihrem WM-Heimauftritt im Olympiastadion ein Wechselbad der Gefühle. Im letzten Versuch verbesserte sie ihren Rekord auf 77,12 Meter. Dennoch hatte die Frankfurterin eine Spielverderberin: Die überragende Polin Anita Wlodarczyk schraubte den Weltrekord auf 77,96 Meter, verletzte sich danach beim Freudensprung - und eroberte zum ersten Mal Gold.
Die entthronte Weltmeisterin Heidler jubelte jedoch lauthals: „Das ist der Hammer!“ Die Weltmeisterin von Osaka 2007 schleuderte die vier Kilo schwere Kugel am Stahldraht im sechsten Durchgang auf 77,12 Meter hinaus. Ihre bisherige Bestmarke vom 28. Juli 2006 in Leverkusen stand bei 76,55. So weit wie nie zuvor kam auch Katrin Klaas: Als Vierte mit 74,23 Meter feierte die Polizistin mit persönlicher Bestleistung ihre beste internationale Platzierung und lag zeitweise sogar auf Bronze-Kurs. Am Ende wurde sie aber von der Slowakin Martina Hrasnova um 56 Zentimeter geschlagen.