Kurz hinter dem Zielstrich brach Andre Höhne erschöpft zusammen, doch schon Minuten später ließ er sich von zehntausenden Fans für Platz fünf im 50 Kilometer Gehen feiern. Dabei war der 31-jährige Berliner recht verhalten auf Platz 19 gestartet, hielt aber seine Marschtabelle exzellent ein und blieb in 3:43,19 fast sechs Minuten unter seiner bisherigen Bestzeit. „Unglaublich - ich habe alles ausgereizt, mehr war absolut nicht drin“, meinte Höhne noch mit wackligen Beinen und einem riesigen Eisbeutel auf dem Kopf. „Hier in Berlin so weit vorn zu sein, ist für mich das Größte.“ S
öhnchen Luca feierte den Papa mit einer Deutschland-Fahne in der Hand, Ehefrau Janin hatte ihren Gatten auf dem schweren Gang über die 25 Runden auf dem Pracht-Boulevard Unter den Linden so heftig angefeuert, dass sie fast heiser war. „Ich habe den beiden so viel zu verdanken. Was sie für Entbehrungen auf sich nehmen, wenn ich sechs Monate in den Trainingslagern bin, ist unfassbar“, sagte Höhne. Sein 14. Platz über die 20 Kilometer zum Auftakt hatte ihn gewurmt. „Ich wusste, dass ich mehr drauf habe. Das habe ich heute bewiesen“, meinte Höhne, nachdem er fast seine beste WM-Plazierung mit Platz vier im Jahr 2005 - damals aber über 20 km - wiederholt hatte. „Jetzt sind wohl die 50 Kilometer meine neue Lieblingsstrecke“, sagte Höhne, der nach zwei Roten Karten die Disqualifikation abwendete.
Volksfeststimmung wie beim Marathon
Noch fast fünf Minuten schneller als der Berliner war Sergej Kirdjapkin, der vier Jahre nach seinem Erfolg in Helsinki seinen zweiten Titel erkämpfte. In Weltjahresbestzeit von 3:38:35 Stunden holte er in der dritten und letzten Geher-Konkurrenz von Berlin das dritte Gold für Russland. Der Russe startete bei Kilometer 42 seinen Angriff auf die Spitze, überholte noch vier Konkurrenten und baute die Führung bis ins Ziel immer mehr aus. Beim Gang durch zahlreiche Pfützen nach nächtlichen Gewittern in der Berliner City war zuvor für einige Favoriten das Aus gekommen.
Der Südtiroler Olympiasieger Alex Schwazer gab wegen Magenschmerzen auf, Weltrekordler Denis Nischegorodow aus Russland, der lange zum Spitzentrio gehörte, musste nach Kilometer 35 das Toiletten-Häuschen aufsuchen, fiel zurück und gab acht Kilometer vor dem Ziel entnervt auf. In dem Japaner Yuki Yamazaki wurde ein weiterer Favorit von den Referees disqualifiziert. Trotz des zeitweiligen Regens feierten Zehntausende auf dem Zwei- Kilometer-Rundkurs die Geher mit viel Beifall, Trompetenstößen und Paukenwirbel. Samba-Bands und Trommlergruppen verbreiteten Volksfeststimmung wie sonst traditionell nur zum Berlin-Marathon.
