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Harald Schmids WM-Kolumne (8) Magische Stäbe und Hammer unter der Brücke

23.08.2009 ·  Schwierige Zeiten verlangen ungewöhnliche Maßnahmen: Anita Wlodarczyk hat sich eine eigene Hammerwurfanlage gebaut, Steven Hooker hat mit dem Stab Vabanque gespielt. Beide gewannen Gold. Und die deutschen Sprintfrauen zeigten den Jungs, wie man kämpft und gewinnt.

Von Harald Schmid
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Nun hat ist es dem deutschen Team doch gelungen, auf einer Laufstrecke eine Medaille zu holen. Die Läuferinnen der 4x100-Meter-Staffel der Frauen haben es mit großem Kampfgeist geschafft, zu den besten der Welt zu gehören. Es hat uns alle begeistert, wie sich Verena Sailer ins Ziel geworfen hat. Immer enttäuschter bin ich dagegen über die 4x400-Meter-Staffel der Männer. Ich hatte es schon geahnt, dass sie nicht in das Finale einziehen würden. Zu schwach waren die diesjährigen Bestzeiten der einzelnen Läufer. Trotzdem, bei optimalem Verlauf wäre eine Zeit um 3:02,5 Minuten möglich gewesen. Das hätte für das Finale gereicht. Dort treten heute die Nationen an, die schon immer zum Kreis der Großen im Staffellauf über die 400-Meter-Strecke zählen. Wir fehlen. Die Frauenstaffel hat danach wieder gezeigt, wie es geht! Ich freue mich schon auf den heutigen Endlauf.

Frankfurt ist ein Leichtathletikzentrum! Nach Ariane Friedrich und Pascal Behrenbruch haben nun Betty Heidler und Kathrin Klaas einen großen Wettkampf im Hammerwurf gezeigt (siehe: Leichtathletik-WM: Silber für Heidler - Bronze für Sprinterinnen). Kathrin Klaas war nah an der Medaille, Betty Heidler hätte fast ihren WM-Titel von 2007 verteidigt. Sie war in Bestform, doch das reichte diesmal nicht. Die Polin Anita Wlodarczyk warf zu weit: Weltrekord. Wie sie sagt, wäre sie vielleicht noch weiter gekommen, hätte sie sich beim Jubeln nach dem zweiten Versuch nicht den Fuß verstaucht.

Ab und zu hat sie ein ungewöhnliches Training durchgeführt: In ihrer Heimatstadt Posen hat sie sich unter einer Brücke in der Nähe ihrer Wohnung eine kleine Wurfanlage hergerichtet, denn sie hat kein Auto und konnte sich dann den umständlichen Weg zum Trainingsgelände sparen. Das mit dem Auto dürfte nun bei einer Siegprämie von 160.000 Dollar kein Problem mehr sein.

Magischer Stabhochsprung und Nachhilfe im Weitsprung

Mit Mike Powell, dem Weltrekordler im Weitsprung, habe ich nochmals das Problem der deutschen Weitspringerinnen durchgesprochen. Mit seinen Augen gesehen, fehlte ihnen Explosivität in der Bewegung und Anlaufgeschwindigkeit. Er gibt übrigens drüben in Los Angeles Nachhilfe im Weitsprung und hat daraus ein gutes Geschäft gemacht. (Ich werde mir das Modell für die 400 Meter Hürden überlegen.)

Dann das große Lob an Dwight Phillips. Auch er hatte in der Qualifikation Anlaufprobleme - übrigens auch Irving Saladino im Finale -, meisterte diese aber mit unglaublichem Geschick und traf sauber das Brett. „Das kannst du mit Erfahrung machen und wenn du schnell bist. Und Dwight ist sehr, sehr schnell.“ Dwight Phillips, ein Meister des Weitsprungs!

Stabhochsprung ist schon immer eine magische Disziplin gewesen. Selbst seriöseste Sportler spielen plötzlich Vabanque. Steven Hooker setze „Salto nullo“ gegen Gold. Nach seiner Verletzung hatte er sowieso keine andere Wahl. Er hat alles gesetzt, alles gegeben und alles gewonnen. Sein Bein hat es ausgehalten. Er flog über die Latte. Gold für den Glückspilz.

Harald Schmid war in den 70er und 80er Jahren einer der besten 400-Meter-Hürdenläufer der Welt und ein herausragender Repräsentant der internationalen Leichtathletik. Er wurde fünf Mal Europameister, gewann drei WM-Medaillen (zwei Mal Silber 1983 und Bronze 1987) und zwei Mal olympisches Edelmetall (Bronze 1976 mit der Staffel und 1984 über 400m Hürden).

Für FAZ.NET analysiert der promovierte Sportwissenschaftler in seiner Kolumne während der Leichtathletik-WM in Berlin jeden Wettkampftag. Der Gelnhausener betreibt eine Agentur für Sport und Kommunikation. Besonders am Herzen liegt ihm die Kampagne zur Suchtvorbeugung „Kinder stark machen“ (siehe: Homepage von Harald Schmid).

Quelle: FAZ.NET
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