26.01.2009 · Im Jahr 1971 versammelten sich erstmals 444 Führungskräfte im damals neuen Kongresszentrum von Davos. Im Verlauf der vergangenen 38 Jahre ist aus dem Weltwirtschaftsforum eine weltumspannende Organisation geworden. Eintrittspreis für einen Vorstandsvorsitzenden: 12.000 Euro.
Von Jürgen DunschAm Anfang standen der alte Kontinent und seine Manager. „Ich dachte mir, Europa aufzurütteln und den Leuten die fortschrittlichsten Management-Konzepte vorzustellen, sei eine gute Sache“, sagte sich Klaus Schwab im Jahr 1971 und versammelte erstmals 444 Führungskräfte im damals neuen Kongresszentrum von Davos.
Im Verlauf der vergangenen 38 Jahre ist aus der Idee des Professors für Unternehmenspolitik an der Universität Genf eine weltumspannende Organisation geworden. Das Jahrestreffen der Weltelite in den Schweizer Bergen bezeichnet dabei immer noch den Höhepunkt des World Economic Forum (WEF). Aber daneben finden im Jahresverlauf längst auch zahlreiche Regionaltreffen rund um den Globus statt. Und der WEF-Sitz im noblen Genfer Vorort Cologny hat inzwischen eine Ergänzung durch Büros in den Weltstädten New York und Peking erfahren.
Ein Ort im Ausnahmezustand
Wie in den Anfangstagen lenkt Schwab das Weltwirtschaftsforum, das Davos jeweils Ende Januar in einen Ausnahmezustand versetzt. Das Rückgrat bilden die 1000 Mitgliedsunternehmen, die jeweils gut 28.000 Euro Mitgliedsbeitrag im Jahr bezahlen. Die Teilnahme des Vorstandsvorsitzenden am WEF kostet noch einmal rund 12.000 Euro. Die Konditionen sind für die Unternehmen offenbar sehr attraktiv. Denn damit ist das Weltwirtschaftsforum gerade in den vergangenen Jahren stark gewachsen. Im Wirtschaftsjahr 2007/08 erreichten die Einnahmen 136 Millionen Franken, das Stiftungskapital 22 Millionen Franken und die Mitarbeiterzahl 266. Fünf Jahre zuvor waren es noch Einnahmen von lediglich 74 Millionen Franken, 14 Millionen Franken Stiftungskapital und 134 Beschäftigte gewesen.
Nicht gerechnet sind dabei die verlustbringenden Aktivitäten in den Vereinigten Staaten. Viel ist die Rede von der amerikanischen Dominanz in Davos. Die Mitarbeiterzahl spiegelt dies indes nur zum Teil wider. Von den zuletzt gut 300 Beschäftigten stammten 54 oder nahezu ein Fünftel aus der Schweiz. Aus Amerika kamen 31 WEF-Leute, gefolgt von Briten (mit 25), Franzosen (23) und Deutschen (22).
Prominente Namen, strategische Partner
Schwab gelingt es immer wieder, die WEF-Struktur mit Einzelmaßnahmen und prominenten Namen geschickt zu stärken. So ragen innerhalb der Mitgliedsunternehmen die „strategischen Partner“ hervor. Ihre Zahl stieg im vergangenen Jahr kräftig um 34 Prozent auf 95. Einschließlich der Lufthansa-Tochtergesellschaft Swiss stammen acht davon aus Deutschland.
Um die „Marke“ World Economic Forum nicht zu verwässern, hat das WEF eine Grenze von 100 gezogen, obwohl die Partnergruppe zusätzliche Einnahmen bringt. Die Zugehörigkeit zur Elitetruppe des Forums feit nicht gegen Fehlschläge. Ende Juni 2008 gehörte noch Lehman Brothers zu den „strategischen Partnern“. Mitte September des vergangenen Jahres war die amerikanische Investmentbank dann aber plötzlich pleite.
Jürgen Dunsch Jahrgang 1948, Korrespondent für Politik und Wirtschaft in der Schweiz.
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