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Booz-Chef Banerji „Wachstum kehrt erst 2010 zurück“

31.01.2009 ·  Der Unternehmensberater Booz & Company aus Amerika sieht in der Krise historisch einmalige Chancen auf Übernahmen. Hoffnung auf ein schnelles Ende der Krise hat der Vorstandsvorsitzende Shumeet Banerji allerdings nicht. Ein Interview.

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Der Unternehmensberater Booz & Company aus Amerika sieht in der Krise historisch einmalige Chancen auf Übernahmen. Hoffnung auf ein schnelles Ende der Krise hat der Vorstandsvorsitzende Shumeet Banerji allerdings nicht.

Herr Banerji, wie lassen sich die Schwierigkeiten umreißen, mit denen Ihre Klienten derzeit am häufigsten zu kämpfen haben?

Die größte Schwierigkeit ist ein Wirtschaftsumfeld, für das es keinen Präzedenzfall gibt. Im Anfangsstadium der Krise waren die Unternehmen in erster Linie von der Sorge geleitet, ihre Liquidität in den Griff zu bekommen. Nun, wo klar ist, dass diese Krise länger dauert und schwerwiegender ist als ursprünglich angenommen, kommen massive operative Probleme hinzu. Unternehmen sehen sich mit dem Verlust großer Zulieferer konfrontiert. Sie müssen ihre Geschäftsstrategien teilweise grundlegend überdenken.

Finden die Unternehmen darauf die richtige Antwort?

Klare Antwort: Nicht alle! In dieser historisch einmaligen Krise wird es Gewinner und Verlierer geben. Im Finanzsektor lässt sich schon deutlich erkennen, wer zu welcher Gruppe gehört. Auch wenn es wie ein Widerspruch klingt: In Zeiten globaler Unruhe ist der klassisch kühle Kopf gefragt. Wichtig ist, nüchtern die Situation des eigenen Unternehmens einzuschätzen - und dann entsprechend zu handeln.

Was könnten Unternehmen denn besser machen?

Gerade jetzt ist es notwendig, den Tatsachen ins Auge zu blicken. Besonders im Kontext der aktuellen Rezession, die lang und tief wird, muss man die eigene Wettbewerbsposition realistisch einschätzen. Starke, finanziell solide aufgestellte Firmen sollten strategische Akquisitionen in Betracht ziehen: Die Gelegenheit, passende Technologie oder weiteres Know-how einzugliedern, ist historisch einmalig. Weniger starke Unternehmen müssen sich dringend darauf konzentrieren, sowohl ihre Liquiditätsreserven als auch ihre Lieferketten zu verbessern. Aber klar ist: Einige Unternehmen werden diese Krise nicht überstehen. Gerade in diesem Fall ist Realismus notwendig. Denn nur wenn diese bittere Wahrheit rechtzeitig erkannt wird, lassen sich sowohl für Mitarbeiter als auch für Anteilseigner die bestmöglichen Bedingungen aushandeln.

Wie lange wird die Krise Ihrer Meinung nach anhalten?

Niemand kennt die exakte Antwort auf diese Frage. Die Krise wird länger dauern als alle die, die wir in den letzten Jahrzehnten erlebt haben. Nach meiner Schätzung sehen wir eine Rückkehr des Wachstums erst im Jahr 2010. Aber dieses wird verhalten ausfallen. Es wird Gewinner und Verlierer geben.

Wer wird der Gewinner sein?

Die Unternehmen, die mit einer wettbewerbsfähigen Marktposition und gesunder Bilanz in die Krise gegangen sind. Das ist aber noch nicht alles, um diese Herausforderung zu bestehen. Unternehmer müssen reagieren und nun zügig Marktanteile gewinnen, etwa durch Akquisitionen von unterbewerteten Unternehmen, die möglicherweise vor kurzer Zeit noch unerschwinglich waren, oder in Technologien investieren, die ihr Geschäftsmodell sinnvoll ergänzen. Viele Branchen werden nach der Krise vollkommen anders strukturiert sein. Und genau das ist für manche eine echte Chance in dieser Rezession.

Das Gespräch führte Carsten Knop.

Quelle: F.A.Z.
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