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Deutsche Turnerinnen Vom Vorbild Amerika lernen

03.06.2009 ·  Dei deutschen Turnerinnen stehen klar im Schatten der Männer. Frauen-Cheftrainerin Ulla Koch will nun mehr Professionalität, um auf ein höheres Niveau zu kommen. Das Vorbild ist Amerika. Doch die deutschen Probleme sind vielfältig.

Von Christiane Moravetz, Frankfurt
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Fabian Hambüchen hier, Fabian Hambüchen dort – dabei ist das Deutsche Turnfest in seiner Mehrzahl weiblich. Die besten Mädchen im Deutschen Turner-Bund (DTB) allerdings stehen immer noch im Schatten der Männer. „Ich bin da auch gar nicht böse“, sagt Frauen-Cheftrainerin Ulla Koch, „denn ich weiß, dass die Männer noch so viel besser sind und es verdient haben, im Rampenlicht zu stehen. Wir können nur versuchen, uns auch so zu präsentieren.“

Unter anderem deshalb zieht es Ulla Koch immer wieder nach Amerika, ins Land der Olympiasiegerinnen, mal zum Training mit ihren Schützlingen, mal mit Trainern zum Lernen. Es sei ja bekannt, „dass ich ein Freund des amerikanischen Systems bin“, sagt sie. Zumal der Stellenwert des Turnens in Amerika sehr hoch ist. „Wenn wir in Dallas spazieren gehen in unseren Trainingsanzügen, fragen die Leute: ,Ihr seid doch Turner?‘ – und nicht wie hier, wenn wir irgendwo auftauchen: ,Was spielt ihr?'“ Vor allem von Waleri Liukin, dem Trainer in Dallas, schaut sie sich gern etwas ab.

Professionalität ist das Schlagwort, durchorganisierte Turn-Clubs machen aus Kindern Stars. „Wenn die amerikanische Teamchefin Marta Karoly, wie kürzlich beim Länderkampf in Bergisch-Gladbach, mit acht Turnerinnen und acht Trainern anreist, stehen dahinter in ihrem Gym mindestens 3000 bis 3500 Turnerinnen“, sagt Ulla Koch. Jeder dieser amerikanischen Trainer – oft mit osteuropäischen Wurzeln wie die gebürtige Rumänin Marta Karoly – ist ein eigener Unternehmer.

Für die gemeinsame Sache allerdings, die amerikanische Nationalmannschaft, nehmen sie sich zurück. Nicht uneigennützig: Eine Nationalturnerin im Club zahlt sich aus. Sie zieht neue Mitglieder, die Preise können erhöht und noch mehr Trainer eingestellt werden. Allein Liukin beschäftigt in Dallas 67 Trainer. Die Mehrkampf-Olympiasiegerinnen 2004 und 2008, Carly Patterson und Nastia Liukin, die Tochter des Trainers, kommen aus dieser „Turnfabrik“.

Ulla Koch dagegen beklagt finanzielle Abhängigkeiten hierzulande und eine Überbelastung der Trainer. Unter anderem deshalb kämpft sie beim Verband auch um mindestens eine halbe Stelle für einen Nachwuchstrainer. Noch füllt sie selbst beide Funktionen aus. Im Hinblick auf die Olympischen Spiele 2012 und darüber hinaus bis 2016 sei das aber ein untragbarer Zustand. Es nütze nichts, wenn kurzfristig Trainer aus den Stützpunkten zu Lehrgängen geschickt würden „und dann am Barren stehen“. Sie fordert jemanden, der für die Arbeit mit den Nachwuchszentren des DTB, den Turn-Talentschulen, zuständig sei.

In amerikanischen Hallen werde man keine Trainer finden, „die mal sitzen oder müde sind“, sagt Ulla Koch. „Sie kommen in die Halle und wissen: Das ist mein Geschäft, ich verkaufe diese Sportart.“ Daraus schöpften sie ihre Motivation. Turn-Trainer in Deutschland dagegen seien mit zu viel anderen, organisatorischen Aufgaben beschäftigt. Das Beispiel Claudia Schunk in Mannheim steht für viele: Die Trainerin am Leistungszentrum, Mutter von zwei kleinen Kindern, bringt morgens Turnerinnen in die Schule, sie holt sie ab, kocht für sie das Mittagessen.

Und sie trainiert sie – mindestens zehn Stunden am Tag ist sie mit Turnen beschäftigt. „Und dann soll man noch in der Halle kreativ sein“, sagt Ulla Koch. „Wenn der Trainer in der Halle nicht fit ist, sind es die Turnerinnen auch nicht.“ Plötzlich landet die Cheftrainerin in ihren Gedanken doch wieder bei den Männern und dem Paradebeispiel, das allen den Rücken frei hält: „Wir bräuchten in jedem Zentrum eben einfach eine Mutter Hambüchen.“

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