12.04.2008 · Weil ein Olympia-Boykott den Tibetern nicht helfen würde, setzt sich Kanzlerin Merkel für einen Dialog zwischen Peking und Tibet ein. „Die Spiele bieten China nun die Chance, sich der Welt besser zu präsentieren“, sagte sie der Sonntagszeitung. Zugleich kündigte Merkel ein weiteres Treffen mit dem Dalai Lama an.
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat sich gegen einen Boykott der Olympischen Spiele in China ausgesprochen. In einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung (F.A.S.) sagte Merkel auf die Frage, ob ein Boykott den Tibetern helfen würde: „Nein. Der Boykott der Olympischen Spiele 1980 hat letztlich nichts gebracht, außer dass er zu einem Gegenboykott der Spiele 1984 geführt hat.“
Die Olympiade biete vielmehr die Möglichkeit, mit den Verantwortlichen in China zu sprechen, was von deutscher Seite auf vielen Ebenen geschehe. „Eines der Ziele solcher Gespräche ist es, einen Dialog zwischen der Regierung in Peking und dem Dalai Lama in Gang zu bringen“, sagte Merkel der F.A.S. Sie wollte sich nicht auf eine Debatte darüber einlassen, ob es richtig gewesen sei, die Spiele nach China zu vergeben: „Es ist müßig, diese Diskussion zu führen. Diese Entscheidung wurde vor sieben Jahren getroffen.“
Merkel kündigt weiteres Treffen mit Dalai Lama an
Doch sieht die Kanzlerin Möglichkeiten, das Verhältnis zwischen China und der internationalen Gemeinschaft zu verbessern: „Die Olympischen Spiele bieten China nun die Chance, sich der Welt besser zu präsentieren und der Welt die Möglichkeit, das Land besser kennenzulernen, und zwar alle gesellschaftlichen und politischen Bereiche.“ Merkel fügte hinzu: „Ich würde mir wünschen, dass die Olympischen Spiele in China zu Spielen des Dialogs werden und China die Angst davor verliert. Das gilt ausdrücklich auch für den Konflikt um Tibet.“
Zugleich kündigte Merkel ein weiteres Treffen mit dem Dalai Lama an. Beim geplanten Deutschlandbesuch des Oberhaupts der Tibeter im Mai ist die Kanzlerin zwar in Lateinamerika. Doch sagte sie: „Aber ich werde sicherlich zu einem späteren Zeitpunkt wieder einmal mit dem Dalai Lama zusammentreffen.“ Merkel verteidigte den Empfang des Oberhauptes der Tibeter im Bundeskanzleramt bei seinem jüngsten Deutschlandbesuch im vorigen September. Er hatte damals für Kritik sowohl von chinesischer Seite als auch von der SPD geführt.
Siel sagte: „Mein Empfang des Dalai Lama und der Umgang Chinas mit ihm sind zunächst zwei unterschiedliche Dinge. Aber beide führen dazu, wie wir mit der Einhaltung oder Missachtung der Menschenrechte umgehen, und hier ist die Haltung Deutschlands eindeutig, wozu auch ein Empfang des Dalai Lama gehört.“ Auf die Frage, ob sie den Dalai Lama bei dessen Besuch im Mai treffe, sagte die Kanzlerin der F.A.S.: „Nein, ich werde zu dieser Zeit auf einer Lateinamerikareise sein und am EU-Lateinamerika-Gipfel teilnehmen.“
Typisch Deutsch
Martina Jacksch (akecheta)
- 12.04.2008, 18:05 Uhr
Faktenfehler + Meinungsdualismus
Jochen Schmidt (Neonsquare)
- 12.04.2008, 19:13 Uhr
Eigener Boykott
Matthias Hess (mathess)
- 12.04.2008, 19:24 Uhr
Das heißt in
heinz peter (pitiplatsch)
- 13.04.2008, 08:36 Uhr
Das lächerlichste sind unsere Sportler
Peter Graf (Peter_Graf)
- 14.04.2008, 07:27 Uhr